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29.12.2012
Kommentar
Geschafft!
Das Ende der Krise
VON STEFAN SCHELP

Stefan Schelp

Wer wissen will, was uns in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, der braucht nur in die Liste der Worte des Jahres zu sehen. 2008: Finanzkrise, 2009: Abwrackprämie, 2010: Wutbürger, 2011: Stresstest, 2012: Rettungsroutine.

Richtig. Bereits das fünfte Jahr in Folge sind wir im Krisenmodus. Haben die Commerzbank gerettet, Karstadt durch die Insolvenz geführt, der Autoindustrie per Abwrackprämie neuen Schwung gebracht. Irland, Spanien, Portugal gerettet. Und Griechenland gleich mehrfach.


Inzwischen bürgt die Bundesrepublik – besser: der Steuerzahler – mit 400 Milliarden Euro für den maroden südeuropäischen Staat. Die Summe ist größer als der bundesdeutsche Haushalt eines Jahres.

Das hätte uns vor drei, vier Jahren mal jemand sagen sollen. Riesengroß wäre das Protestgeheul gewesen. Ein vielstimmiges, kraftvolles "Auf keinen Fall!" hätte in den Ohren geklungen. Und heute? Heute nehmen wir es hin. Zähneknirschend zwar, aber andererseits sind wir – siehe Wort des Jahres – ja längst schon Rettungsroutiniers. So leicht erschreckt uns nichts mehr.

Das liegt wohl auch daran, dass sich die Bundesregierung ebenso wie die EU-Spitze eher durch die Krise wurschtelt, als einen klaren Kurs vorzugeben. "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern", hätte Konrad Adenauer gesagt. "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen", empfahl Helmut Schmidt. Die beiden kritisiert natürlich niemand. Die Wurschtelei dagegen schon. Und manchmal wäre ja wirklich ein beherztes Loslaufen durchaus angesagt gewesen.

Das Problem ist nur, dass es leider kein allgemein anerkanntes Lehrbuch zur Bewältigung der Krise gibt. Wer nicht riskieren will, irgendwann zu merken, dass er zwar mutig losgerannt ist, aber leider in die falsche Richtung, der versucht es lieber mit vorsichtigen, mit tastenden Schritten. Und lässt sich hinterher feiern, wenn sich ein kleiner Erfolg eingestellt hat.

Ja, gefeiert haben wir schon oft im Verlaufe der Krise. Haben uns berichten lassen, ein Durchbruch sei geschafft, dies sei die Wende zum Besseren. Endlich zögen alle an einem Strang, weil das Friedenswerk Europa diese neuerliche Anstrengung wert sei. Immer dann folgte auch wieder die Ernüchterung. Die Krise flammte an einer anderen Stelle neu auf, die europäische Feuerwehr musste wieder ausrücken.

Vor ein paar Tagen haben EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissar Olli Rehn mal wieder verkündet, das Schlimmste liege hinter uns. Und jetzt stimmt auch noch Wolfgang Schäuble in den Lobgesang ein. Standard & Poor’s stuft Griechenland gleich um sechs Stufen herauf, nur weil auch die Ratingagentur auf einmal glaubt, was die Euro-Staaten seit Monaten sagen: Wir lassen Griechenland nicht fallen. Prompt steigt auch noch der Ifo-Index. Die guten Nachrichten häufen sich auf fast unheimliche Weise. Mehr geht kaum noch.

Mal sehen, was 2013 das Wort des Jahres ist. "Wendepunkt" wäre schön. Oder "Erholung". Oder einfach: "Geschafft!"

Ihre Nachricht an den Autor: stefan.schelp@ihr-kommentar.de

Kommentare
Was fällt einem dazu nach all' diesen Jahren ein? Schönreden, Durchhalteparole, wird schon irgendwie gehen ... Fakt ist: Gelöst ist da gar nichts!!!

ansehnlicher artikel herr schelp. die misere in der "wir" uns nun seit jahren zunehmend befinden humorvoll umrissen. schon lange nehme ich das was von bundesregierung auf nationaler und diversen E.U.lern auf kontinentaler ebene verkündet wird höchstens nur noch zur kenntnis, glauben oder gar hoffnung darauf bauen, dass es korrekt sein könnte, auch nur annähernd, davor hüte ich mich stets. ich warte eigentlich auf den moment in dem endlich jemand aus den kreisen ganz oben die karten auf den tisch legt, ob nun freiwillig und ganz bewusst, oder nur durch ein versehen. dieser "krisenmodus" kann und darf sich nicht als "neue norm" einpendeln, denn der schaden den diese jahrelange dauer-tortur schon angerichtet hat, ist jetzt bereits enorm und nahe der unerträglichkeit. und ich rede hierbei nicht von den ökonomisch bezifferbaren schäden.


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