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23.01.2013
Kommentar
Das ungleiche Paar
50 Jahre deutsch-französische Freundschaft
VON PETER HEUSCH, PARIS

 Als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 in Paris den Vertrag über die deutsch-französische Freundschaft und Partnerschaft unterzeichneten, prägte sich Zeitgenossen in erster Linie die historische Geste der Aussöhnung zweier "Erbfeinde" ein. Die Freundschaft stand damals zwar auf dem Papier, aber in den Herzen verankert war sie damit noch lange nicht. Die Grundlage des Vertrags bildete der Wille de Gaulles zur politischen Zusammenarbeit – vor allem, um ein Gegengewicht zu den USA zu schaffen.

Schon wenige Wochen später war der sogenannte Élysée-Vertrag aus Pariser Sicht keinen Pfifferling mehr wert. Der Bundestag hatte ihm bei der Ratifizierung eine Präambel vorangestellt, die die Franzosen brüskieren musste. Als Richtlinie nämlich gab sie Vertiefung der atlantischen Zusammengehörigkeit zwischen den USA und einem föderalen Europa aus, das auch Großbritannien einschließen sollte. Tief enttäuscht erklärte der alte General, dass es Verträgen ergehe "wie jungen Mädchen oder Rosen: Sie welken rasch!".  

Doch es kam anders. Der Vertrag entpuppte sich als Fundament für eine weltweit einmalige Beziehung zwischen zwei Staaten. Heute jagt ein deutsch-französisches Gipfeltreffen das nächste. Und unter der Regierungsebene hat sich eine Vielzahl von Einrichtungen wie die Städtepartnerschaften und der Jugendaustausch etabliert.
Diese enge Verflechtung ist ebenso beispiellos wie strapazierfähig. Denn die Partnerschaft kannte und kennt Höhen wie Tiefen. Lang ist die Reihe der Missverständnisse und Irritationen. Unvergessen etwa ist Mitterrands Störmanöver, als der Präsident noch nach dem Mauerfall  Ost-Berlin besuchte, um aus Sorge um das europäische Gleichgewicht die Eigenständigkeit der DDR zu betonen.

Die Freundschaft zwischen beiden Völkern ist dennoch kein leeres Wort. Sie existiert: an der Basis, unter den Menschen. Die deutsche Bewunderung für französische Lebensart  und die Hochachtung, welche Franzosen dem Leistungswillen ihrer Nachbarn zollen, mündeten in echter Sympathie. Sie ist frei von den Schwankungen, die die bilaterale Politik durchziehen. Entscheidend ist, dass sich kein Staatsmann links oder rechts des Rheins mehr dem Zwang entziehen kann,  der das deutsch-französische Paar in den Dienst des europäischen Einheitsprozesses stellt. Vor 40, vor 30, ja noch vor 20 Jahren war die Aussöhnung das Ziel. Heute ist es Europa.
Fraglos jedoch fällt der 50. Geburtstag des Élysée-Vertrags in eine Zeit, wo der deutsch-französische Motor stottert.

Freundschaftsbeteuerungen bedürfen, um glaubwürdig zu sein, der Freundschaftsbeweise. Letztere aber fehlen derzeit, wo die Franzosen auf den Geldbeutel der deutschen Steuerzahler schielen, mit dem in Brüssel eben auch die eigenen Versäumnisse ausgeglichen werden sollen, und wo die Deutschen immer dann den Kopf einziehen, wenn die Solidarität auf militärische Unterstützung jenseits schöner Worte oder logistischer Hilfe hinauszulaufen droht.

Kommentare
Freundschaftsbeteuerungen in der Krise? Sowohl Frankreich als auch Deutschland verfolgen inzwischen unterschiedliche Vorstellungen. So sieht es auch Bruno le Maire, früher Sarkozys Europaminister: "Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist schwierig". Und Europarlamentarier Daniel Cohn-Bendit bringt es auf den Punkt: " Es gibt keine deutsch-französische FEINDSCHAFT mehr". "Berlin" und "Paris" sind sich uneinig, wenn es um die Lösung der "Eurokrise" und die Zukunft Europas geht. Europa muss endlich erkennen, dass sich die geopolitische Lage in der Welt verändert. Europa wird unbedeutender. Dies insbesondere unter Berücksichtigung der grossen "Blöcke" wie China, Indien und Südamerika. Deutschland und Frankreich brauchen um so mehr eine einheitliche Strategie in der Steuer- und Sozialpolitik, im gemeinsamen Arbeitsmarkt, in der Steuerung der Eurozone und eine stärkere europäische Integration. Die französische Zeitung Le Figaro" veröffentlichte unlängst eine "Agenda 2020 für Europa". Aufruf an alle "Euroromantiker" in Berlin: LESEN!
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