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17.02.2013
Kommentar
Nahrung ist ein Menschenrecht
Der Pferdefleisch-Skandal rüttelt auf
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Dieser Etikettenschwindel bewegt die Nation. Tiefgekühlte Lasagne enthielt Anteile von Pferdefleisch, obwohl dies auf der Verpackung nicht angegeben war. Ein neuerlicher Lebensmittelskandal, der wieder einmal die Diskussion befeuert, ob das Kontrollsystem der Lebensmittelproduktion und -verteilung hierzulande ausreichend funktioniert oder nicht.

Doch bei näherer Betrachtung ist der sogenannte Pferdefleisch-Skandal eigentlich nur ein Symptom dafür, dass die reichen Industriestaaten dieser Welt den ethischen Zugang zur Nahrungsmittelproduktion und zur Ernährung mehr und mehr aus den Augen verloren haben. Lebensmittel sind in Deutschland zur Handelsware geworden, die zwölf Monate im Jahr in nahezu unbegrenzter Menge verfügbar ist, unabhängig vom Ort ihrer Herstellung oder ihres Anbaus. Alles nur eine Frage des Preises.


Doch was es wirklich bedeutet, bei jeder Witterung ein Getreidefeld zu bestellen und abzuernten, ein Schwein zu mästen oder Obst anzubauen, das wissen viele nicht mehr. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder gleichermaßen. Letztere sind zumeist den Genuss von Lebensmitteln mit Geschmacksverstärkern oder Aromen gewohnt und müssen mit, sicherlich sinnvollen, Initiativen wie dem NRW-Schulobstprogramm erst wieder lernen, wie ein Apfel oder eine Pflaume schmeckt, duftet und sich anfühlt. Und zu welchen Jahreszeiten das Obst hier gedeiht und geerntet wird. Das Bewusstsein für den wahren Wert der Nahrungsmittel ist uns mehrheitlich abhandengekommen.

Spargel im Winter

Das führt dazu, dass wir über Lebensmittel oft gedankenlos verfügen. Wir essen Erdbeeren zu Weihnachten, Spargel im Winter und fast jeden Tag ganz viel Fleisch. Zu Dumpingpreisen auf der ganzen Welt intensiv produziert.

Gleichzeitig versuchen die christlichen Kirchen und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner zu Beginn der Fastenzeit ein Konzept gegen den Hunger von mehr als 870 Millionen Menschen in der Welt zu entwickeln. Jeder brauche Zugang zu Nahrungsmitteln wie Land, Wasser oder Saatgut, heißt es.

Doch die Fakten sind frustrierend: Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 57.000 Menschen auf dieser Welt sterben jeden Tag an Hunger. Eine Milliarde Menschen sind schwerst unterernährt. Diese Zahlen nennt der Welternährungsbericht der Vereinten Nationen. "Es gibt eine permanente Hungerkatastrophe", sagt Jean Ziegler, von 2000 bis 2008 erster UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

Als Gründe hierfür nennt Ziegler unter anderem die zunehmende Börsenspekulation auf Grundnahrungsmittel, Überschuldung der meisten Entwicklungsländer und den Agrartreibstoff. Und: "Zehn weltumspannende Konzerne kontrollieren 85 Prozent der weltweit gehandelten Grundnahrungsmittel." Es sind Fakten wie diese, die auf der Tagesordnung der Regierungen ganz oben angesiedelt werden müssen. Dann müssten wir nicht mühsam die Spur der Fleischpanscher aufnehmen.

Kontakt: matthias.bungeroth@ihr-kommentar.de

Kommentare
@ Ich erwarte...: Ich interessiere mich halt dafür, was das Prekariat so konsumiert!

ich empfehle jedem die Dokumentation "The Earthlings" von Joaquin Phoenix..vielleicht macht Ihr dann mal Eure Augen auf und geht sorgsamer mit dem Rohstofflieferanten ( Zitat aus der Doku) TIER um...in diesem Sinne: " Guten Apetit"

In die Zeit würde es auch passen, kleinere Höfe, die keine Nachfolger haben als Verein zu übernehmen. Der Verein zahlt Miete/Pacht und produziert in erster Linie für die Vereinsmitglieder, die neben Mitgliedsbeitrag (soziale Aspekte hier berücksichtigen) Pflicht- und freiwillige Arbeitseinsätze leisten. Prima Freizeitausgleich. Schöne, sinnvolle Geselligkeit. Kompetenzen werden nach und nach angeeignet. Das Job-Center unterstützt mit freiwilligen 1-Euro-Kräften.

Feder hat sowas von Recht. Noch geht jedoch niemand diese Probleme an. Als ich Kind war, bestand meine Mutter noch darauf, dass Schwein und Schlachter zum Schlachten und Wursten in´s Haus (Keller) kamen. Meine Mutter fürchtete noch, Wurst könnte außerhalb des Hauses gepanscht werden und keiner merkt´s.

Natürlich sind die sicheren Kalkulationsgrundlagen der Knackpunkt. Jeder potentielle Lebensmittelerzeuger kann bei sicherem Kundenstamm (Vorbestellungen) super Qualität bieten. Es spricht übrigens auch überhaupt nichts dagegen, hier soziale Komponenten einfließen zu lassen. Zum Beispiel könnten sehr vermögende Kunden Extra-Beträge übernehmen, damit auch weniger betuchte sich diese Lebensmittel leisten können. Es gibt außerdem gerade in diesem Bereich die Möglichkeit, Geringqualifizierte sinnvoll zu beschäftigen. Bei der Erzeugung, auch auch im Lieferservice. Gute Lebensmittelqualitäten machen übrigens auch nicht so dick. Der Hohn ist ja, dass die Menschen sich regelrecht krank und dick essen, gerade wenn sie ärmer sind. Man muß sich nur mal die Tafelkundschaft anschauen. Nirgends findet man höhere BMI-Durchschnittswerte. Viele sind so übergewichtig, dass sie kaum noch laufen können.

Es wäre so einfach, viele Probleme mit wenigen sinnvollen Maßnahmen zu lösen.

Wir müßten nur einmal wieder darüber nachdenken, wie es früher war. Auch wenn jetzt sicher wieder einige die Nase rümpfen werden. Früher gab es noch die Metzgerei fast in jedem Stadtviertel? Wo sind sie geblieben? Da wußte man, was in der Wurst war und man wußte, wo das Fleisch herkam. Genau so ist es mit der Milch. Sie muß haltbar gemacht werden! Frische Vollmilch bekommt man heute allenfalls noch vom Hofladen! Früher konnte man diese auch noch zu Dickmilch werden lassen, wenn sie sauer wurde. Mit den Produkten von heute teilw. auch keine Vergleich. Saisonales Obst und Gemüse? Nein, wir müssen Spargel und Erdbeeren im Winter haben, Himbeeren und Heidelbeeren brauchen wir auch unbedingt. Es ist doch alles ein Wahnsinn und keiner macht was dagegen. Jeder kennt das Problem, nur die Lösung will keiner. Die Bürokratie läßt doch so manchen Landwirt seinen Betrieb eher schließen, als das ihm die Arbeit noch richtig Spaß macht. Aber genau da müßte man doch ansetzen. Das heißt ja nicht, dass dann keine Kontrollen mehr stattfinden sollen. Die Hersteller unserer Lebensmittel, Fleisch-, Gemüse- und Milchprodukte incl. Eiern müssen wir pflegen und unterstützen. Die Preise dürfen natürlich nicht ausufern, aber wenn man über eine bekannte Größe an Kunden verfügt, kann man auch richtig kalkulieren. Und man kann sich auf die Qualität der Ware verlassen und im Notfall auch sich beschweren. Das kann ich in einem SB-Markt nicht.Der Marktleiter nicht sich davon nciht s an. Es gab Zeiten, da war Pferdefleisch etwas ganz normales. Der rheinische Sauerbraten ist seit je her aus Pferdefleisch. Woher kommt also jetzt das Problem mit diesem Fleisch? Wenn es durch Medikamente verseucht ist, ok., aber man sollte dieses Tier als Fleischlieferanten nicht verteufeln. Es muß eben auch nicht aus Rumänien kommen und einen Weg durch die halbe Welt nehmen, ehe es auf dem Teller des Verbrauchers liegt. Aber das gilt für alle Lebensmittel.



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