Schrift

14.03.2013
Kommentar
Ein Name als Programm
Der neue Papst
VON THOMAS SEIM

NW-Chefredakteur

Schneller als erwartet hat die katholische Kirche ihren Frieden gemacht. Nur zweieinhalb Wochen vor den höchsten Feiertagen der Christen, dem Osterfest, haben die Kardinäle der großen Weltkirche sich einen neuen Führer gegeben: Franziskus. Das gibt Klarheit. Man mag schon an der Tatsache, dass erstmals der Name Franziskus gewählt worden ist, erkennen, wie sehr dieser neue Papst für eine Neubesinnung der Kirche stehen wird.

Ein Jesuit an der Spitze – es ist eine Revolution für die katholische Kirche. Ein Papst erstmals aus Argentinien, von einem Kontinent, der die Kirche dort hat wachsen lassen an der Seite des einfachen, armen Volkes. Schon am demütig-schlichten ersten Auftritt des neuen Papstes – ohne große Geste, mit einfachem "Vaterunser", mit Dank an seinen Vorgänger, in unschuldigem Weiß ohne Papstkrone – lassen sich die Leitplanken des neuen Pontifikats ablesen. Der Kern seines Wirkens wird auf das Wesentliche, den Dienst am Menschen und seine Erlösung gerichtet sein.

Das ist nicht die schlechteste Wahl für die katholische Kirche, die in vielen Krisen steckt. Der emeritierte deutsche Papst Benedikt XVI. hat seinem Nachfolger Franziskus ein üppiges Feld hinterlassen, das der Bestellung bedarf. Es beginnt mit der Herausforderung einer Neuordnung der Kirche nach innen und endet noch lange nicht mit der Verteidigung der Weltbedeutung nach außen.

Die römische Kurie selbst bedarf der nachhaltigen Reform. Sie ist – nicht erst durch die Vatileaks-Affäre um den Kammerdiener Benedikts, aber durch sie dramatisch verschärft – bislang von Intrigen gelähmt. Es beschlich den Beobachter häufig das Gefühl, dass diese Kirche so mit sich selbst und ihren Defiziten beschäftigt war, dass sie ihrer eigentlichen Aufgabe, der Verkündung des Glaubens, nicht mehr ausreichend nachkam.

In der Mission, in der Verbreitung und Begründung des Glaubens aber besteht ihre große Herausforderung. Nach wie vor ist die katholische Kirche ein großer Richtungsgeber für die ganze Welt. Immer mehr gläubige Menschen warten auf Antworten, die sich ihrer Lebensrealität stärker annähern. Das beginnt bei der Frage nach dem Schutz des Lebens und der Lebensplanung und endet längst nicht bei der Frage nach dem Schutz und der Betreuung von vergewaltigten Frauen in katholischen Kliniken, die wir in Köln in Zweifel gezogen sahen.

Viermal waren die Oberhäupter aus allen Kontinenten vergeblich an die Wahlurne gegangen. Trotzdem darf man die Entscheidung schnell nennen. Das spricht für die Stärke dieser Weltkirche. Vielleicht ist es der größte Dienst des Vorgängers Benedikt XVI. an seiner Kirche, dass er mit dem ersten Rücktritt eines Papstes seit mehr als 700 Jahren die Konventionen und Traditionen aufgebrochen und reformbereit gemacht hat.

Die historische Leistung des Nachfolgers Franziskus wird daran zu messen sein, wie sehr er diese Reformbereitschaft für die Erneuerung der Weltkirche zu nutzen weiß. Für die Stadt. Und für den Erdkreis.

Kommentare
@das Licht zum Sonntag(...)

Unverschämt ist es, in spirituellen und/oder Glaubensfragen darauf zu pochen, die eigene Überzeugung als absolute Wahrheit für andere verbindlich zu erklären.

Für sich selbst darf aber jeder so ziemliche jede Überzeugung nennen. Schön wäre es, wenn jeder nach einer Überzeugung streben würde und sich überall auf der Welt dazu frei äußern dürfte. Das geht leider noch nicht mal in Deutschland - ohne Nachteile befürchten zu müssen.

Ich bin desweiteren überzeugt, dass Glaube, für den missioniert wird, sehr unwahr ist. Eher glaube ich denen, die meinen, Religion und Glaube dienen als Opium fürs Volk und sollen der Bevölkerung den Verstand vernebeln, damit es leichter zu führen und auszubeuten ist. Organisierter Glaube dient Macht und Geld.

Religiösität, die Trennung von Menschen verursacht, sie in gute und schlechte Fromme einteilt, disqualifiziert sich m.E. selbst.

Eine Energie wie Wasser symbolisiert am besten was ich meine. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, nur temporär veränderte Zustände. Es gibt das eine Wasser, die Energie, aber viele, viele Formen. Außerdem steckt es in wirklich jedem Lebewesen, ob Pflanze, Tier oder Mensch, jede Sekunde auf eine veränderte Art.

Wovon sind Sie überzeugt?

@Fee von Hagedorn

wieso kann Ihnen etwas sicher scheinen?
Genau das ist ja das Problem diese unverschämte Anmassung von Menschen!

Vielleicht es es ganz einfach, vielleicht aber auch ganz schwer. Sicher scheint mir:

Das Leben selbst ist Gott. Jedes Wesen, jedes Leben und jeder Mensch. Für den Menschen ist es aber schwerer als andere seine Göttlichkeit zu zeigen, denn er müßte sein wahres SELBST zeigen, das ihm nicht selten selbst lebenslang verborgen bleibt. Manche versuchen es zu suchen, manche müssen es erst befreien. Jeder Mensch hat aber wohl eine Ahnung davon.

Nicht grundlos fordern wir andere Menschen auf, sie selbst zu bleiben.

Man kann das Leben als eine Einheit betrachten. Dann ist es angebracht von einem Gott zu sprechen oder von Gottheit. Genauso kann man aber auch jedes Lebewesen für sich als einen Gott oder eine Göttin ansehen.

Jeder Mensch kann sich für seine Antwort entscheiden.

Verstehen lässt sich das Leben trotzdem wohl nur sehr schwer. Ich bin überzeugt, wir befinden uns immer in der Ewigkeit und Leben und Tod sind wie Tag und Nacht. EInheiten, die jeweils beide Anteile benötigen. Dabei gilt, kein Tag ist wie der andere oder ein vergangener und auch ein Lebewesen wird sich nicht wiederholen.

befürchtet das die Gläubigen der großen Religionen Blasphemie begehen. Kein Mensch kann auch nur eine Ahnung von dem haben was Schöpfung bedeutet. Die Genesis ist Mumpitz!
Wieso soll es nur einen Gott geben? Griechen, Germanen, Naturvölker hatten viele Götter waren die blasphemisch?
Die Menschheit lehnt sich viel zu weit aus dem Fenster - hält sich für die Krone der Evolution und so ganz nebenbei vernichtet unsere schöne Erde.

Wenn ich die Papstwahl in den Medien verfolge, kommen mir die Worte von Kardinal Martini aus seinen "Gebeten in Jerusalem" in den Sinn:
"Es gab eine Zeit, da habe ich von einer Kirche der Armut und Demut geträumt, die unabhängig ist von den Mächten dieser Welt. Einer Kirche, die den Leuten Raum gibt, die weiter denkt. Einer Kirche, die Mut macht, vor allem demjenigen, die sich klein oder als Sünder fühlen. Einer jungen Kirche. Heute habe ich die Träume nicht mehr. Seit ich 75 bin, habe ich beschlossen, für die Kirche zu beten".
Alle haben nun große Erwartungen an den "neuen" Pontifex.
Pontifex bedeutet im "Lateinischen", der den Weg macht, der den Weg zur Göttlichkeit öffnet, der auf den rechten Weg führt. In der Wortwurzel steht auch das lateinische "pons": Brücke. Pontifices waren die, die den richtigen Weg zu den heiligen Dingen wiesen. Auf der offiziellen Homepage des Vatikans ist zu lesen: "Bei der Ausübung der höchsten, vollen und unmittelbaren Gewalt über die Gesamtkirche bedient sich der Papst der Behörden der römischen Kurie. Diese versehen folglich ihr Amt in seinem Namen und mit seiner Vollmacht zum Wohle der Kirchen und als Dienst, den sie den geweihten Hirten leisten". Die Kirche erwartet nun vom neuen Papst Veränderungen. In dem neuen Kodex des Kanonischen Rechts (1984) legte Papst Woityla im Kanon 331 fest, dass der Bischof von Rom kraft seines Amtes in der Kirche über höchste, voll unmittelbare und universelle ordentliche Gewalt verfügt, die er immer ausüben kann, d.h. gegen ein Urteil oder ein Dekret des Papstes gibt eine keine Berufung oder Beschwerde. Auch Art. 1 des am 22.02.2001 in Kraft getretenen Grundgesetzes des Vatikanstaates lässt kein Zweifel über die Rolle des Papstes aufkommen. Der Papst besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt. Der Vatikan ist also per Definition eine Diktatur, keine repräsentative Demokratie mit einer aus Gewaltenteilung beruhende Verfassung. Also exakt das, was sich die Weltgemeinschaft nicht wünscht. Darum wird sich der jetzige Papst angeblich mit der ehemaligen Diktatur in Argentinien gut verstanden haben, wie man in der internationalen Presse liest.
Ich kann mir nicht helfen, immer wenn ich das Wort "Vatikan" lese, fallen mir die Schriften des Tacitus ein, der beim vatikanischen Tal von "einem verrufenen Ort" spricht.
Aber vielleicht werde ich eines besseren belehrt?


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