Bielefeld. Trotz des jüngsten Todesfalls in Bielefeld nimmt die Schweinegrippe in Ostwestfalen-Lippe insgesamt bislang keinen dramatischen Verlauf. Ganze Schulen sind nach Auskunft der Bezirksregierung Detmold bislang nicht geschlossen worden. Gesundheitsämter und Kliniken arbeiten daran, die Ausbreitung des H1N1-Virus einzudämmen. Es gibt allerorts Pandemie-Pläne. Ein Blick in die Region.
Bielefeld: 914 Fälle von Schweinegrippe meldet das Gesundheitsamt Bielefeld, 21.000 Impfdosen sind bereits verteilt worden. "Die reichen bislang aus", sagt Ruth Delius, Leiterin des Gesundheitsamtes. Große Impfskepsis herrsche bislang bei den Kinderärzten. "Wir mussten bei uns eine extra Impfstelle für die Kleinen einrichten, weil sich nur vier Praxen bereit erklärt haben teilzunehmen."
Dabei sind gerade die Kinder betroffen: Grundschulleiter berichten von halbierten Klassen, von 20 Prozent kranken Lehrern, es gibt ersten Unterrichtsausfall. Ob die Kinder immer die Schweinegrippe haben, weiß niemand - es wird kaum noch getestet. Dass gerade Grundschulen deutlich höhere Krankheitsstände haben, führen Schulleiter auch darauf zurück, "dass Eltern ihre noch kranken Kinder schon wieder zur Schule schicken", weil sie arbeiten müssten. Eine Schulleiterin spricht vom "Virenkarussell".
Weiterführende Schulen sind bislang noch kaum betroffen.
Kreis Herford: 122 Neuerkrankungen wurden dem Gesundheitsamt aktuell gemeldet, nicht alle verlaufen harmlos: Im Kreisklinikum Herford liegen derzeit nach Auskunft von Sprecherin Christina Schütze zwei Patienten auf der Intensivstation, die mit dem Virus infiziert sind. Beide hätten Vorerkrankungen. Ab heute soll am Haupteingang der Klinik ein Container stehen. Hier sollen sich Patienten melden, die fürchten, Schweinegrippe zu haben. "Sie sollen nicht zusammen mit anderen Patienten warten", so Schütze. Die Klinik impfe ausschließlich Mitarbeiter. Für die 1.500 Menschen habe man genügend Impfstoff. Für den gesamten Kreis hat das Gesundheitsamt bislang rund 16.000 Impfdosen verteilt.
Kreis Minden-Lübbecke: 60 bis 80 neue Krankheitsfälle gibt es derzeit täglich, rund 70 Prozent der Erkrankten sind Jugendliche und Kinder. Auf der Intensivstation des Johannes-Wesling-Klinikums in Minden liegen zurzeit zwei Patienten mit Schweinegrippe, "einer mit Vorerkrankungen, ein weiterer hat sich stabilisiert", so Kliniksprecher Georg Stamelos. Jeweils einen weiteren Patienten gibt es in den Kliniken Rahden und Lübbecke. Die Impfquote unter den insgesamt rund 4.200 Mitarbeitern sei "gut". Im gesamten Kreis ließen sich bis zum Wochenende rund 15.000 Menschen impfen.Kreis Lippe: Auch hier ist die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen zwei Wochen kontinuierlich gestiegen. Amtsärztin Eva-Maria Stingel spricht von derzeit rund 400 H1N1-Infizierten. Im Klinikum Lippe (Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen) gibt es derzeit "keine isolierten Patienten", so Sprecher Thomas Drawe. Patienten mit Schweinegrippe-Verdacht betreten die Kliniken über spezielle Eingänge.
Kreis Gütersloh: 80 bis 90 Neuerkrankungen täglich sind dem Gesundheitsamt bis zum Wochenende gemeldet worden. Seither gilt die Regelung, nur noch labordiagnostizierte Fälle zu melden. Das bedeutet: Ist sich der Arzt sicher, dass der Patient Schweinegrippe hat, geht der Fall nicht ins Labor und wird auch nicht weitergegeben. "Die Dunkelziffer ist aber ohnehin sehr, sehr groß", sagt der Pressesprecher des Kreises, Jan Fokken. Mit einem baldigen Abklingen der Erkrankungswelle rechnet er nicht: "Wir haben bislang 17.500 Impfdosen ausgegeben. Bei 360.000 Einwohnern im Kreis kann man sich leicht ausrechnen, wie klein der Anteil der Menschen ist, die bereits immun sind. Zwei Patienten mit Schweinegrippeverdacht befinden sich derzeit im Klinikum Gütersloh, bei einem hat sich laut Geschäftsführer Dieter Ackermann der Verdacht bestätigt. Etwa zwölf Patienten stellen sich täglich in der Ambulanz vor. Für die Zukunft ist die Klinik gerüstet.
Ackermann: "Wir haben eine Infektionsstation ausgewiesen." Im Gütersloher Elisabeth-Hospital werden drei Patienten wegen Neuer Grippe behandelt, bei acht weiteren wurde das Virus festgestellt, sie werden aber in erster Linie wegen anderer Erkrankungen behandelt, wie Chefarzt Wolfgang Glöckner erläutert. Zum Thema Impfen sagt Glöckner: "Der Nutzen überwiegt die Risiken eindeutig." Er hoffe, das die Panikphase im Zusammenhang mit der Schweinegrippe langsam vorbei sei. Die Mitarbeiter an der Pforte seien gut eingewiesen; es gebe Faltblätter für Patienten und Mundschutz, um Infektionswege einzudämmen.
Kreis Paderborn: 456 gemeldete Fälle von Schweinegrippe gibt es hier derzeit, täglich kommen 40 bis 50 Erkrankte hinzu. Entsprechend groß ist die Impfbereitschaft im Kreis. "Wir haben bereits 20.000 Impfdosen verteilt", sagt die Pressesprecherin des Kreises, Michaela Pitz. "Die reichen aber nicht aus. Alle Mediziner hier haben Wartelisten."
Kreis Höxter: Aktuell gibt es rund 65 gemeldete Infektionen im Kreis, die Nachfrage bei den 60 beteiligten Ärzten nach Impfen ist größer als das Angebot von bislang rund 11.500 Impfdosen. "Wir appellieren an die Menschen, den Risikogruppen den Vortritt zu lassen", sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, Ronald Woltering. Großer Andrang herrsche auch bei den Kinderarztpraxen.















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