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19.11.2009
Bielefeld
"Er war vollkommen gesund"
Schweinegrippe: Erster Toter / Impfstoff vorhanden / Grundschulen unter Druck
VON KURT EHMKE

Für die schweren Fälle | MONTAGE/FOTOS: JONEK/KRATO/DPA

Bielefeld. Der erste Bielefelder ist an der Schweinegrippe gestorben. Axel M. wurde 40 Jahre alt, er starb am Sonntag in der Klinik Gilead des Evangelischen Krankenhauses. Heute wird Axel M. beerdigt. Birgit M. (48): "Mein Mann war vor der Erkrankung vollkommen gesund." Dr. Peter Schmid vom Gesundheitsamt: "Das ist das Tückische an dieser Grippe."

29 Tage kämpfte Axel M. mit der Grippe. "Wir wissen nicht, wo er sich angesteckt hat", sagt seine Frau, "weder ich noch unsere Kinder hatten die Krankheit." Axel M. hinterlässt einen Sohn (10) und eine Tochter (22). EvKB-Sprecher Jens Garlichs: "Es ist auch für Ärzte unerklärlich, wenn ein fitter, gesunder Mann an einer Grippe stirbt."

Schmid ergänzt: "Grippetote im November, das ist sehr außergewöhnlich." Sein Rat: "Sich impfen lassen – es gibt bei uns keinen Impfstoff-Engpass." Das liege "leider auch an der Impfmüdigkeit der Bielefelder und der Kinderärzte". Skeptisch zum Impfen äußerten sich gestern erneut viele Hausärzte, beim Hausärztetag. Nur 6 von 38 Medizinern erklärten, selbst geimpft zu sein.

Schmid ist besorgt. In Krankenhäusern seien Isolierstationen eingerichtet – zum Schutz des Personals. "Es darf nicht geschehen, dass die Häuser arbeitsunfähig werden." Die Krankheit grassiert: Der 1.000ste bestätigte Fall zeichnet sich ab, die Dunkelziffer liegt drastisch höher.

Wie ein Wetterbericht aus dem April liest sich, was die Schulen von der Schweinegrippefront berichten: Ruhig ist es an den Hauptschulen Oldentrup, Brackwede, Baumheide. An der Luisenschule grassiert mehr Magen-Darm als Grippe – und die Eltern verhalten sich "weder panisch noch leichtfertig", so Schulleiter Sven Pachur lobend. Unaufgeregt ist auch die Lage am Ratsgymnasium, wo 14 Schüler in einer Klasse fehlen. Was sie haben, ist jedoch offen. "Es wird ja nicht mehr auf die neue Grippe getestet", sagt Schulleiter Hans-Joachim Nolting. "Die Interpretationshoheit liegt mittlerweile bei Schülern und Eltern."
Anders sieht es an den Grundschulen aus. "Sehr angespannt" nennt Bettina Gräber die Lage in Brake – ein Fünftel der Lehrer fehlt, wie auch in Babenhausen. Es gibt Klassen mit mehr als der Hälfte erkrankter Schüler, so an der Astrid-Lindgren-Schule. In etlichen Klassen fehlt ein Viertel der Schüler. Gräber: "Ein sehr hoher Krankenstand." Überall identisch: Ob die Kinder grippale Infekte, alte oder neue Grippen haben – das weiß niemand.

Viele Grundschulleiter haben dieses Problem: Weil Eltern arbeiten müssen, werden Kinder fiebernd zur Schule geschickt. Eine Schulleiterin spricht vom "Virenkarussell". An weiterführenden Schulen blieben Schüler häufiger alleine zu Hause. Leer gefegt sei der Vertretungspool.

Zwei Lichtblicke: Fehlten an Plass- und Bültmannshofschule vor kurzem noch sehr viele Schüler – sind es nun fast null.
    

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