Wer einmal ein Fußballstadion von innen betreten hat, könnte das Gefühl bekommen, dass - wenn zum Beispiel gutbürgerliche Familienväter in der 89 Minute nach einer zugegeben kniffligen Abseitsentscheidung unter Hinzunahme sämtlicher verfügbaren Kraftausdrücke und mit fliegenden Bierbechern die sofortige Heimfahrt des Linienrichters fordern - dass also dieser Ort den Wahnsinn der Gesellschaft nicht nur anzieht, sondern ihn befördert.
Wer aber den Menschen in seinem wahren, unermesslichen Irrsinn erleben möchte, sollte sich lieber der bildenden Kunst zuwenden. Nirgends finden sich so viele Verrückte wie im Museum. In Amsterdam beispielsweise kann Rembrandts Bild "Die Nachtwache" ein Liedchen davon pfeifen.
Schwefelsäure auf die Mona Lisa
Erst stach 1911 ein frisch arbeitslos gewordener Marinekoch mit seinem Messer auf das Bild ein, dann malträtierte 1975 ein Lehrer das gute Stück aus ähnlicher Frustration ebenfalls mit einer Klinge, ehe 1990 ein weiterer Sonderling mit einer Flasche Schwefelsäure die Widerstandskraft der Leinwand testete.
Schlimm erging es auch der Mona Lisa im Louvre von Paris. 1956 gab es gleich zwei Attacken. Erst ein handelsüblicher Säureangriff, von dem sich das Bild justamente erholt hatte, als sich ein bolivianischer Tourist namens Ogo Villegas dazu genötigt sah, einen Stein auf das Bild zu pfeffern. Das hatte er sich offensichtlich gut überlegt, zuvor starrte er nämlich stundenlang auf das Gemälde und wartete vergeblich auf ein befreiendes breites Lachen der Schönen.
Steinmeier boxt mit Merkel
Seitdem hängt die Mona Lisa wie ähnlich bedeutende Kunstwerke hinter Panzerglas, was dieser Tage eine russische Touristin schmerzlich erkennen musste. Sie hatte sich im Museumsshop eine Tasse gekauft, die sie dann der gemalten Dame an die Stirn schmetterte. Die behielt ihr provozierendes Lächeln, die Tasse prallte ab, ging in zwei, und wurde nicht ersetzt.
So müssen sich also die Irren dieser Welt ein neues Ziel suchen und sind bei Wahlplakaten fündig geworden. Zu hunderten meldet die Polizei derzeit Attentate auf die Konterfeis der Mandatsträger. Nach inoffiziellen Schätzungen liegt der mysteriös lächelnde Frank-Walter Steinmeier in der Rangliste der gemalten Narben, schwarzen Zähne und Diktatorbärtchen vorne, was die nach Erfolgsmeldungen gierende SPD freuen dürfte.
Wahrscheinlich haben die Wahlkampfstrategen ihrem Kanzlerkandidaten das Mona-Lisa-Lächeln verordnet, um wenigstens etwas anzuecken. Vielleicht sollte Steinmeier dafür aber noch mit Merkel in den Boxring steigen. Experten haben nämlich herausgefunden, dass die Mona Lisa nur aus einem Grund so schön lächeln kann: Ihr fehlen zwei Schneidezähne.