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29.08.2009
Ein Schädelservice für Ackermann
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

Unter allen friedliebenden Völkern, die der europäische Kontinent in seiner langen einträchtigen Geschichte hervorgebracht hat, waren die Kelten bekanntlich die Verschwendungssüchtigsten. Ein vierundzwanzigteiliges Schädelservice gehörte bei diesen trink- und feierwütigen Nordmannen praktisch zu jeder guten Mitgift. Wer zusätzlich noch mehr Feinde aufgebracht hatte, nagelte sich die erbeuteten Schädel prunksüchtig an den eigenen Giebel.

Die Köpfe galten als Glückssymbol und sollten Unheil von den Bewohnern abhalten. Bis heute findet sich dieser Glauben abgewandelt in der Gartenzwergkultur deutscher Schrebergärten. Schließlich kann der einzige Grund, eine solche tönerne Schrecklichkeit in den Vorgarten zu lassen, nur in der berechtigten Hoffnung bestehen, dass ein Einbrecher am gartenzwergverschandelten Häuschen vorbeigeht, weil er auch im Inneren nichts als Kitsch vermutet.
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Ein Neidkopf für den Tagelöhner

Als im Mittelalter nicht nur Einbrecher, sondern auch noch der Teufel höchstpersönlich durch die Straßen schlich, sicherten Baumeister ihre Häuser mit einem ähnlichen Trick. Anders als die Kelten nahmen sie nicht reale, durch den Tod meist unglücklich dreinschauende Schädel, sondern modellierten am Balkon finster ausschauende Fratzen, so genannte "Neidköpfe". Diese sollten verhindern, dass vom Teufel zur sechsten Todsünde "Neid" aufgestachelte Tagelöhner der Stadt den reichen Bewohnern an den samtbestickten Kragen gingen.

Heutzutage ist diese kostengünstige Sicherungsmaßnahme unter Architekten leider völlig in Vergessenheit geraten. Am Bundeskanzleramt oder an den Protzbauten der Deutschen Bank findet sich zwar reichlich Panzerglas, der Neid sickert aber ungehindert bis ins Büro der Kanzlerin und die Chefetage des Herrn Ackermann.

Am Volk vorbei kredenzt

Dem millionenschweren Schweizer gönnt der gemeine Bundesbürger ja nicht das Schwarze unter den Nägeln. Dass nun die Kanzlerin diesem Mann auch noch ein Geburtstagsfest auf Staatskosten kredenzte, lies diverse Kämme anschwellen. Der allgemeine Tenor: Klassisch am Volk vorbei regiert. Das mag ja so sein.

Schaut man sich aber die Gästeliste näher an, dann sollte uns das als Steuerzahler dieser kleine Spaß wert gewesen sein. Ackermann musste unter anderem mit Angela Merkel, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, Bild-Chef Kai Diekmann und Frank Elsner seinen Geburtstag feiern. Das ist sicher selbst für einen gemütsneutralen Schweizer nur schwer zu ertragen. Konservativer geht es schließlich nur noch in der Kammer des Papstes zu.

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