So richtig hatte ja damals in Düsseldorf keiner geglaubt, dass die Welt, wie wir sie kennen, zu Ende geht. Wenn wirklich wegweisende Entscheidungen getroffen werden, dann suchen sich Politiker in Deutschland eigentlich immer unbekannte Provinznester. Bad Godesberg zum Beispiel (in dessen holzvertäfelter Stadthalle die SPD dem Kommunismus entsagte), oder Wolfratshausen (wo Merkel einst in Stoibers geplüschtem Wohnzimmer der Kanzlerkandidatur entsagte). Die nordrheinwestfälische FDP wählte Düsseldorf.
Nun gut, das Modedorf passt zu Westerwelle. Das weiß man spätestens seit dem Jahr 2001 – ein Meilenstein in der langen substanziellen Erfolgsgeschichte des FDP-Chefs. Da wurde der in Textil- und politischen Inhaltsfragen gleichermaßen faltenfreie Guido nicht nur mit dem Orden wider den tierischen Ernst ausgezeichnet, sondern auch zum Krawattenmann des Jahres ernannt. Wer stets wie aus dem Ei gepellt die Bühne betritt, hat es verdient, in Düsseldorf auf die internationale Bühne gehoben zu werden. Dort wählten die Delegierten im Oktober 2008 Guido zu ihrem Spitzenkandidaten – die Folgen sind bekannt.
Mit Schulenglisch zum Staatsbesuch
Westerwelle wird Außenminister. Nicht, weil er dafür prädestiniert ist, sondern weil es seit jeher das wichtigste Amt ist, das ein FDP-Mann erreichen kann. Ungut nur, dass sein Englisch – eine Sprache, die seit wenigen Jahren in Diplomatenkreisen durchaus anzutreffen ist – noch ein wenig – wie drückt man das diplomatisch aus - vom Oberdollendorfer Einschlag gefärbt ist. Jenes Örtchen, wo Guido einst zur Schule ging.
Ein wenig verwunderlich ist es schon, dass der sonst so perfekt vorbereitete Spaßpolitiker noch so gar keine Anstalten unternommen hat, sein Schulenglisch aufzupolieren, geschweige denn sich auf irgendeine Region der Welt zu spezialisieren. Immerhin will Westerwelle schon seit zehn Jahren für Deutschland auf Weltreisen gehen. Sein Vorgänger Joschka Fischer lernte ja, wie böse Zungen behaupten, sein wirklich vorzeigbares Englisch im eigenen Schlafzimmer. Rechtzeitig vor der Wahl 1998 tauchte eine neue Freundin aus den USA an Fischers Seite auf.
Russische Wodka-Diplomatie
Aber niemand wird als höchster Landesdiplomat geboren. Im Auswärtigen Amt bieten sie sicher einen "Crashkurs Außenminister" an. Inhalte täglich: Zwei Stunden Englisch, eine Stunde "Nah-Ost-Friedensverhandlungen", eine halbe Stunde "China-Schelte" und die Wahlfächer "Mienenspiel bei Krisengebietsbereisungen" und "Russische Wodka-Diplomatie".
Wichtig ist, dass sich Guido schon mal über seinen einen wichtigen Satz Gedanken macht, den er in seiner Amtszeit sagen will. Er muss glaubwürdig sein wie Walter Ulbricht ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"), staatstragend wie Joschka Fischer ("I am not convinced") und emotional wie Genscher ("...bin ich heute zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass ab heute ihre Ausreise möglich..."). Ein schöner Satz wäre vielleicht: "...bin ich zu dem Schluss gekommen, das Außenministerium doch jemand anderem zu überlassen."