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02.10.2009
Crashkurs Außenminister für Westerwelle
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

So richtig hatte ja damals in Düsseldorf keiner geglaubt, dass die Welt, wie wir sie kennen, zu Ende geht. Wenn wirklich wegweisende Entscheidungen getroffen werden, dann suchen sich Politiker in Deutschland eigentlich immer unbekannte Provinznester. Bad Godesberg zum Beispiel (in dessen holzvertäfelter Stadthalle die SPD dem Kommunismus entsagte), oder Wolfratshausen (wo Merkel einst in Stoibers geplüschtem Wohnzimmer der Kanzlerkandidatur entsagte). Die nordrheinwestfälische FDP wählte Düsseldorf.

Nun gut, das Modedorf passt zu Westerwelle. Das weiß man spätestens seit dem Jahr 2001 – ein Meilenstein in der langen substanziellen Erfolgsgeschichte des FDP-Chefs. Da wurde der in Textil- und politischen Inhaltsfragen gleichermaßen faltenfreie Guido nicht nur mit dem Orden wider den tierischen Ernst ausgezeichnet, sondern auch zum Krawattenmann des Jahres ernannt. Wer stets wie aus dem Ei gepellt die Bühne betritt, hat es verdient, in Düsseldorf auf die internationale Bühne gehoben zu werden. Dort wählten die Delegierten im Oktober 2008 Guido zu ihrem Spitzenkandidaten – die Folgen sind bekannt.
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Mit Schulenglisch zum Staatsbesuch

Westerwelle wird Außenminister. Nicht, weil er dafür prädestiniert ist, sondern weil es seit jeher das wichtigste Amt ist, das ein FDP-Mann erreichen kann. Ungut nur, dass sein Englisch – eine Sprache, die seit wenigen Jahren in Diplomatenkreisen durchaus anzutreffen ist – noch ein wenig – wie drückt man das diplomatisch aus - vom Oberdollendorfer Einschlag gefärbt ist. Jenes Örtchen, wo Guido einst zur Schule ging.

Ein wenig verwunderlich ist es schon, dass der sonst so perfekt vorbereitete Spaßpolitiker noch so gar keine Anstalten unternommen hat, sein Schulenglisch aufzupolieren, geschweige denn sich auf irgendeine Region der Welt zu spezialisieren. Immerhin will Westerwelle schon seit zehn Jahren für Deutschland auf Weltreisen gehen. Sein Vorgänger Joschka Fischer lernte ja, wie böse Zungen behaupten, sein wirklich vorzeigbares Englisch im eigenen Schlafzimmer. Rechtzeitig vor der Wahl 1998 tauchte eine neue Freundin aus den USA an Fischers Seite auf.

Russische Wodka-Diplomatie

Aber niemand wird als höchster Landesdiplomat geboren. Im Auswärtigen Amt bieten sie sicher einen "Crashkurs Außenminister" an. Inhalte täglich: Zwei Stunden Englisch, eine Stunde "Nah-Ost-Friedensverhandlungen", eine halbe Stunde "China-Schelte" und die Wahlfächer "Mienenspiel bei Krisengebietsbereisungen" und "Russische Wodka-Diplomatie".

Wichtig ist, dass sich Guido schon mal über seinen einen wichtigen Satz Gedanken macht, den er in seiner Amtszeit sagen will. Er muss glaubwürdig sein wie Walter Ulbricht ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"), staatstragend wie Joschka Fischer ("I am not convinced") und emotional wie Genscher ("...bin ich heute zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass ab heute ihre Ausreise möglich..."). Ein schöner Satz wäre vielleicht: "...bin ich zu dem Schluss gekommen, das Außenministerium doch jemand anderem zu überlassen."

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Tja, vielleicht hätte die SPD ja ein besseres Wahlergebnis erzielt, wenn sie vorher verstärkt darauf hin gewiesen hätte, dass uns ein Westerwelle als Außenminister bevorsteht? Mir jedenfalls graust es vor einem Außenminister Westerwelle - der Mann mag Ahnung von Wirtschaft haben, vielleicht hört er auch mal auf seine Parteifreunde, wenn es um Bürgerrechte geht - aber aussenpolitisch ist er einfach nicht beschlagen...

hat doch kaum ein Vorgänger ordentlich englisch gesprochen... und außerdem kann man daran arbeiten.. geht aber eben leider nun mal nicht von heute auf morgen.. und das ist auch gar nicht schlimm... andere habens auch gewuppt bekommen... hauptsache ist doch, die machen ihre arbeit gut... alles besserwisser hier... unglaublich

..... Herr Westerwelle strebt das Amt des Außenministers an und da sollte man als Repräsentant Deutschlands im Ausland schon ein wenig in Englisch kommunizieren können. Deutsch ist halt nicht so eine Weltsprache....

Westerwelle ist einfach nur peinlich. Und der Vergleich mit der englischen Sprache und den Engländern hinkt jawohl total. Englisch ist einfach eine universelle Sprache, die die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Muttersprachlern vereinfacht und die meiner Meinung nach jeder Spitzenpolitiker beherrschen sollte. Vor allem aber Leute die das Amt des Außenministers besetzen wollen...

Ich möchte es mit einem alten Satz sagen... "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!" Was bitte ich verwerflich daran, wenn ein Politiker, denn was der Kullumnist wohl völlig außer Acht läßt ist, das Herr Westerwelle gar kein Außenminister ist, auf einer DEUTSCHEN Pressekonferenz darum bittet, das man dort in der Amtssprache kommuniziert? Wie drückte es Herr Westerwelle ganz korrekt aus... in England wird auch darauf bestanden, das die Fragen dort in englisch gestellt werden. Oder hat man dort schon einen Reporter der ARD oder des ZDF gesehen, der einfach mal so sagt "Ich stelle meine Frage jetzt auf deutsch, und Sie sind mal so freundlich und antworten auch in meiner Sprache!"? Die Engländer würden sich tot lachen, und damit war das Verhalten von Herrn Westerwelle nur ein... nämlich genau richtig!!!!



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