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26.10.2009
Schwarz-Gelb schafft den Euro ab
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

Seitdem der Mensch handelt, betrügt er. Denn Gewinn entsteht nach wie vor am leichtesten, wenn man seinem Gegenüber optisch einwandfreies, aber wurmstichiges Obst unterjubelt, und dafür frisches Brot erhält. (Das Prinzip ist noch heute mit faulen Zertifikaten, Derivaten und sonstigen Angeboten der Banken das selbe.) Der Handel gegen Geld veränderte die Sache nicht im Geringsten. Seitdem Zahlungsmittel den reinen Warentausch ersetzt haben - wie beispielsweise zuletzt 1990 in der DDR – sind immer wieder Menschen versucht, auch bei den Zahlungsmitteln zu betrügen.

Im Alten China, wo 2.000 vor Christus mit seltenen Muscheln bezahlt wurde, schnitzten sich bereits Gauner aus Knochen oder Jade Kunstmuscheln und damit einen kleinen Reichtum zusammen. Die Muschelwährung brach wegen der vielen Plagiate irgendwann in sich zusammen.
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Kupfer ins Silber gemischt

Dass eine Währung verhunzt wird, passiert in den allermeisten Fällen aber nicht durch kleine Fälscherwerkstätten, die mit ihrem Falschgeld den Markt überschwemmen, sondern durch obrigkeitliches Missmanagement. Der Deut beispielsweise war mal, dafür dass er aus den Niederlanden kam, eine höchst anständige Silbermünze. Zwischen dem 14. Und 18. Jahrhundert mischten die königlichen Präger allerdings immer mehr billiges Material unter, bis der gute Deut nur noch aus Kupfer bestand und keinen Deut mehr wert war.

Wäre es besser gelaufen, hätte es der Deut(sche) sicher vom Namen her irgendwann zu unserer Landeswährung bringen können. Immerhin bleibt uns die Münze sprichwörtlich erhalten. Wenn zum Beispiel Guido Westerwelle im Wahlkampf Steuersenkungen verspricht und über Entlastung der Bürger schwadroniert, ohne die sich eine FDP niemals an einer Regierung beteiligen würde, dann ist das in der Praxis natürlich keinen Deut wert.

Schäuble tritt die Schuldenbremse

Seltsam nur, dass es offensichtlich immer noch Menschen gibt, die solche Versprechen für voll nehmen, als könne man in Zeiten der Krise einfach Kupfer unter den Euro mischen. Obwohl Schwarz-Gelb letztlich genau das geplant hatte. Da wurde über einen Schattenhaushalt diskutiert, mit dem man die Schuldenbremse aushebeln und die Bundesbank zum Gelddrucken animieren wollte, wenn nicht die Verfassung den cleveren Finanztricksern einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Um die Bundesfinanzen kümmert sich in Zukunft nun der Herr Schäuble. Sollte er die Schuldenbremse nicht annähernd so hart treten wie zuletzt die Bürgerrechte, dann ist der Euro wahrscheinlich schneller abgewirtschaftet als der Deut. Höchste Zeit, sich also schon mal über den Namen einer neuen Währung Gedanken zu machen. Nach "Deut" und "Euro" lässt sich die Kette eigentlich nur mit dem "Welt" oder "Globalo" logisch fortsetzen. Vielleicht sammelt man aber auch besser das wurmstichige Obst im eigenen Garten auf.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Der seitwärts-Kommentar von Johann Vollmer ist einsame Spitze! Um den "Globalo" zu verhindern, bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Wahlen in NRW die Mehrheit im Bundesrat so stark verändern wird, dass diese (gemessen an der prozentualen Beteiligung aller Wahlberechtigten ohnehin nicht demokratisch legitimierte) Regierung nicht regierungsfähig sein und bald "Tschüss,... Ade,..., Auf Nimmerwiedersehen!" sagen müssen wird!


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