Von allen körperlichen und moralischen Verrenkungen, die ein Berufspolitiker in seinem langen Leben absolvieren muss, ist die Rolle rückwärts bekanntlich die leichteste Übung. Denn anders als bei den meisten Menschen, denen der Rücklings-Kopsterbolter ein gewisses Unbehagen im Nacken verursacht, wissen vor allem Parteivorturner wie Frank-Walter Steinmeier, dass das Abknicken des Rückfgarts nur eine Gewöhnungsfrage ist.
Der frisch gebackene Oppositionsführer findet sich derzeit erstaunlich schnell in seiner neuen Rolle zurecht. Opposition ist ja per Definition die Fortführung des Wahlkampfes mit gleichen Mitteln. Da lässt sich fordern, was gern Gehör findet. Prompt geißelt Steinmeier rechtzeitig zum SPD-Parteitag die Rente mit 67. Die hatte der Vizekanzler damals zwar selbst mit abgesegnet. Das kümmert den Glaubwürdigkeits-Strategen aber anscheinend wenig.
Hände an die Ohren
Natürlich ist so eine perfekte Rückwärtsrolle technisch betrachtet ein kleines Mysterium. Was bei Steinmeier so einfach aussieht, braucht langjährige Übung, ist aber für einen Sozialdemokraten machbar. Seit Turnvater Jahn gilt in allgemeinen Turnordnungen für die Rolle rückwärts nämlich Folgendes:
Der Turner beginnt im Stillstand (trifft auf die SPD zu) und bewegt sich über den flüchtigen Hockstand rasant nach unten (trifft ebenfalls zu). Die Hände suchen die Nähe der Ohren während sich der Körper mit rundem Rücken nach hinten fallen und beherzt rollen lässt. (Wie man sich den Buckel krumm macht, dürfte der ureigensten SPD-Klientel ebenfalls bekannt sein.) Doch damit allein ist es noch nicht getan.
Hilfe vom Kalabums-Weltmeister
Nun setzen die Hände auf dem Boden auf, die Finger zeigen dabei zur Schulter. Das Körpergewicht wird auf die Hände verlagert und der Turner streckt schnellkräftig seine Arme. Nach einer kurzen Stützphase landet er auf seinen Füßen und seine Hände lösen sich vom Boden. Ganz einfach.
Ob Steinmeier mit seiner gewagten Rolle der SPD in Rekordzeit wieder auf die Füße hilft, ist zu bezweifeln. Vielleicht sollte er sich dazu Roman Lubetzki ins Strategie-Team holen. Der Purzelbaum-Weltmeister legte bei der Kalabums-WM in Bremen im Jahr 2006 eine Fabelzeit hin. Die Strecke von 30 Metern den Deich hinunter absolvierte er in 4,93 Sekunden. Weltrekord.