Montag, 13.02.2012
Homepage-Ticker | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB | Mediadaten


Schrift

18.01.2010
Die Kunst der Demütigung
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

Die Kunst der gepflegten Demütigung gilt in Diplomatenkreisen bekanntermaßen als Königsdisziplin. Wie man Feindseligkeiten gekonnt inszeniert, war kürzlich zwischen Israel und der Türkei zu beobachten. In Tel Aviv ließ Israels Vizeaußenminister Danny Ayalon schnaubend vor Wut den türkischen Botschafter Oguz Celikkol bei sich im Büro antanzen, um ihm vor der versammelten israelischen Presse die Leviten zu lesen.

Was war geschehen? In Israel war vermutlich ein hoher Beamter vor dem heimischen Fernseher versehentlich auf die Fernbedienung getreten, und hatte so einen jener türkischen Sender angewählt, die beim Astra-Satellit zu Recht auf den hinteren Plätzen rangieren.
Info
Seitwärts zwitschert jetzt auch auf Twitter!

Unter www.twitter.com/seitwaerts bleiben Sie immer auf dem Laufenden.



Keine Nüsschen für den Staatsfeind

Zu diesem Zeitpunkt lief dort, wie es der Zufall will, eine Folge der in der Türkei beliebten Serie "Tal der Wölfe", in der nun unglücklicherweise ein paar Israelis als handfeste Halunken gezeigt wurden. Der Beamte meldete den Vorfall gehorsamst nach oben. Danny Ayalon war über diese ehrrührige Darstellung so erbost, dass es mit einer einfachen vorgedruckten Protestnote, wie sie zwischen Ländern beispielsweise bei Gaslieferungsstops, Verletzungen der Menschenrechte oder blutigen Anschlägen ausgetauscht werden, natürlich nicht mehr getan war.

Ayalon zitierte seinen Diplomatenkollegen zu sich und griff in der Vorbereitung des Treffens zu subtileren Mitteln. Gegen alle Regeln der nahöstlichen Gastfreundschaft ließ er ein schon bereit gestelltes Schälchen Nüsschen abräumen. Ebenfalls durfte auf dem Tisch nur eine kleine israelische Flagge stehen. Der türkische Wimpel verschwand in der Schublade.

Wahre Größe durch Plateau-Sohlen

Zusätzlich "erniedrigte" Ayalon den Botschafter, indem er ihn auf ein niedrigeres Bänkchen setzen ließ. Spätestens seit Gerhard Schröder im TV-Duell mit Edmund Stoiber nach einer Kiste verlangte, um vor dem Wahlvolk nicht unterlegen zu wirken, wissen wir, wie Politiker wahre Größe definieren. Nicht umsonst lassen sich auch der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Plateau-Sohlen unter die Absätze schustern.

Sollte es also demnächst Spannungen zwischen Israel und Frankreich bzw. Nordkorea geben, ist schon jetzt klar, wie Ayalon reagieren wird. Beim Gipfeltreffen wird er einfach ein Schild ans Außenministerium hängen mit der höflichen Bitte: "Schuhe aus!"

Mehr zum Thema in nw-news.de

Schrift


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder





Anzeige

Nachrichten
Parlament in Athen macht Weg für neue Hilfen frei
Athen/Berlin - Das griechische Parlament hat nach hitziger Debatte das umstrittene Sparpaket gebilligt und damit den Weg für ein weiteres Milliarden... mehr

Duisburger OB Sauerland verliert sein Amt
Duisburg - Rund eineinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten ist Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland von den Bürgern seiner... mehr

Arabische Liga erwägt UN-Friedenstruppen für Syrien
Kairo - Die Arabische Liga macht Front gegen Syriens Machthaber Assad. Um das Blutvergießen zu beenden... mehr

BKA wegen Löschung von Handydaten in der Kritik
Wiesbaden - Die Ermittlungsbehörden sind wegen der Löschung von Handydaten eines mutmaßlichen Helfers des Zwickauer Neonazi-Trios erneut in die Kritik... mehr

Romney gewinnt knapp Vorwahl im US-Staat Maine
Washington - Zurück auf Erfolgskurs: Mit einem Vorwahlsieg im Bundesstaat Maine hat Mitt Romney seine Favoritenrolle im Rennen der US-Republikaner... mehr