Die Kunst der gepflegten Demütigung gilt in Diplomatenkreisen bekanntermaßen als Königsdisziplin. Wie man Feindseligkeiten gekonnt inszeniert, war kürzlich zwischen Israel und der Türkei zu beobachten. In Tel Aviv ließ Israels Vizeaußenminister Danny Ayalon schnaubend vor Wut den türkischen Botschafter Oguz Celikkol bei sich im Büro antanzen, um ihm vor der versammelten israelischen Presse die Leviten zu lesen.
Was war geschehen? In Israel war vermutlich ein hoher Beamter vor dem heimischen Fernseher versehentlich auf die Fernbedienung getreten, und hatte so einen jener türkischen Sender angewählt, die beim Astra-Satellit zu Recht auf den hinteren Plätzen rangieren.
Keine Nüsschen für den Staatsfeind
Zu diesem Zeitpunkt lief dort, wie es der Zufall will, eine Folge der in der Türkei beliebten Serie "Tal der Wölfe", in der nun unglücklicherweise ein paar Israelis als handfeste Halunken gezeigt wurden. Der Beamte meldete den Vorfall gehorsamst nach oben. Danny Ayalon war über diese ehrrührige Darstellung so erbost, dass es mit einer einfachen vorgedruckten Protestnote, wie sie zwischen Ländern beispielsweise bei Gaslieferungsstops, Verletzungen der Menschenrechte oder blutigen Anschlägen ausgetauscht werden, natürlich nicht mehr getan war.
Ayalon zitierte seinen Diplomatenkollegen zu sich und griff in der Vorbereitung des Treffens zu subtileren Mitteln. Gegen alle Regeln der nahöstlichen Gastfreundschaft ließ er ein schon bereit gestelltes Schälchen Nüsschen abräumen. Ebenfalls durfte auf dem Tisch nur eine kleine israelische Flagge stehen. Der türkische Wimpel verschwand in der Schublade.
Wahre Größe durch Plateau-Sohlen
Zusätzlich "erniedrigte" Ayalon den Botschafter, indem er ihn auf ein niedrigeres Bänkchen setzen ließ. Spätestens seit Gerhard Schröder im TV-Duell mit Edmund Stoiber nach einer Kiste verlangte, um vor dem Wahlvolk nicht unterlegen zu wirken, wissen wir, wie Politiker wahre Größe definieren. Nicht umsonst lassen sich auch der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Plateau-Sohlen unter die Absätze schustern.
Sollte es also demnächst Spannungen zwischen Israel und Frankreich bzw. Nordkorea geben, ist schon jetzt klar, wie Ayalon reagieren wird. Beim Gipfeltreffen wird er einfach ein Schild ans Außenministerium hängen mit der höflichen Bitte: "Schuhe aus!"
stehenden Code hier ein*: