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05.02.2010
Die Kunst der Steuerhinterziehung
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

Seien wir ehrlich: Ohne Steffi Graf und Boris Becker würde unser Staat jetzt nicht in diesem Gewissenskonflikt stecken. Aber beginnen wir am Anfang: Als die beiden in den 80er Jahren Deutschlands größte Vorbilder wurden, mussten wir ihnen einfach in allem nacheifern. Sich einen Tennisschläger zuzulegen, war das eine. Das Teil brachte immerhin einen Hauch von Sportlichkeit an den deutschen Garderobenhaken, wo es unbenutzterweise zwischen den Helmut-Kohl-Gedächtnis-Strickjacken hing.

Schlimmer ist, dass unsere Nation seitdem samstags unverwüstlich in kurzen weißen Sporthosen zum Brötchenholen rennt, kaum dass die Temperaturen über 20 Grad steigen. Allen Ernstes gibt es so noch immer reine Tennisbekleidungsfirmen. Und Tierschützer warten bis heute vergeblich darauf, dass der sprechende Trigema-Schimpase irgendwann vom Bildschirm verschwindet. Kapitalismus ist nicht rational.
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Die traurigen Augen von Peter Graf

Tja. Boris und Steffi. Ein größeres Traumpaar hat es für die Deutschen bekanntlich nie gegeben. Und jedes Jahrzehnt hatte ja so seine Lieblinge. Das Traumpaar des deutschen Films in den 50ern (Sonja Ziemann und Rudolf Prack), das Traumpaar des Eiskunstlaufs in den 60ern (Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler), das Traumpaar der Politik in den 70ern (Willy Brandt und Walter Scheel). Und in den 90ern das Traumpaar des intellektuellen Jetsets (Martin Walser und Ignatz Bubis).

Aber die 80er gehören Boris und Steffi. Auffällig waren nur immer diese traurigen Augen von Peter Graf, der mit jedem Turniersieg seiner Tochter Steffi aschfahler auf der Tribüne saß. Der arme Mann sah, noch während Steffi den Pokal in die Luft stemmte, den Graf-Clan regelrecht dem finanziellen Ruin entgegen stürzen, bei den vielen Steuern, die auf das Preisgeld entfielen.

Kavaliersdelikt Steuerhinterziehung

12,3 Millionen Mark schleuste er schließlich am Fiskus vorbei, ohne dass Steffi angeblich von der Steuerhinterziehung wusste. Von Boris wissen wir, dass er 3,3 Millionen einsparen wollte, indem er seinen Wohnsitz in Monaco meldete, stattdessen aber in München herumlümmelte. Dass bei diesen Summen weder Boris noch Steffi eingebuchtet wurden (nur auf die traurigen Augen Peter Grafs mussten wir für drei Jahre und neun Monate verzichten), machte Steuerhinterziehung endgültig zum Kavaliersdelikt.

Heute weiß nun der Fiskus, dass es eine CD mit den Daten deutscher Steuersünder gibt, die mindestens 400 Millionen in die Schweiz verschoben haben. Kaufen müsste er sie von einem Zwischenhändler, der die Daten illegal erworben hat. Ethisch wie bürgerrechtlich eine schwer lösbare Frage. Vielleicht sollte man die Energie lieber darauf verwenden, Steuerhinterziehung endlich auch gesetzlich als schwere Kriminalität zu brandmarken. Noch im 19. Jahrhundert galt es als Kavaliersdelikt, ein Mädchen von niederem Stande zu schwängern. Das soll sich ja inzwischen auch geändert haben.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
@Marco: Der Staat hat schon immer außerhalb der Gesetze gearbeitet. Es wurden schon immer Sachen eingekauft (Thema Spionage). Im Prinzip ist das auch in diesem Fall nicht Hehlerei, sondern der Staat spioniert Unternehmen aus, die deutschen Betrügern bei der Steuerhinterziehung aktiv unterstützt. Es ist die Pflicht des Staates hier für Steuergerechtigkeit zu sorgen. Wenn Nachbarstaaten und Banken hier mauern ist es völlig Ok, wenn der Staat hier nach allen Mitteln greift. Sprich, er kann diplomatisch eine Lösung versuchen (gescheitert), er kann verstärkt Kontrollen einrichten (gescheitert, weil auch von der Politik oft nicht gewollt), er kann selber spionieren (ebenfalls nicht immer gewollt) oder halt einkaufen. Eins darf man nicht vergessen, bei Hart4 wurden schon soviele Grenzen der Rechtstaatlichkeit ausgereizt für deutlich weniger Geld. Wenn man den sozialen Frieden noch halbwegs aufrechterhalten möchte, kommt man nicht mehr darum herum diese asozialen Steuerhinterzieher vor Gericht zu bringen.

Unser Staat ist zu gefräßig. Er sollte zum biblischen Zehnten zurückkehren. Ein Staat, der damit ordentlich wirtschaftet, käme damit gut hin. Aber leider ist es so, daß Beamte nicht mit dem Geld der Steuerzahler umgehen können. Diese Zeilen sollen kein Plädoye für Steuerhinterzieher sein, aber es ist auch nicht in Ordnung, daß der Staat jetzt den Straftatbestand der Hehlerei so zurechtbiegt, das kein Straftatbestand mehr vorliegen sollte. Würde eine Privatperson in dieser Sache - so wie jetzt der Staat - als Angeklagter argumentieren, der Richter würde sich "totlachen"


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