Peter Zwegat kann kein Griechisch. Diese erschütternde Nachricht musste, wie es aus gutunterrichteten Kreisen des Kanzleramtes heißt, Angela Merkel ihrem griechischen Amtskollegen Papandreou bei dessen Staatsbesuch in Berlin übermitteln. Da Deutschlands oberster Schuldnerberater also ausfällt, um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu retten, wird die Luft an der Akropolis langsam dünn.
Prinzipiell darf selbstverständlich jeder sein Land auf die Weise zugrunde richten, die er für richtig hält. In der Eurozone ist ein finanzieller Kollaps aber nicht mehr so einfach zu vertuschen. Weil der Euro drastisch unter Druck gerät, sind so grundsolide wirtschaftende Nationen wie wir Deutschen mit moderaten 80 Milliarden Euro Neuverschuldung natürlich besorgt.
Schulden-Grüße nach Kirgisistan
Vom Griechen, dem umtriebigsten Lebemann unter den südlichen Anrainerstaaten, hatte man allerdings ohnehin nichts anderes erwartet, als einen zünftigen Staatsbankrott mit Pauken und Trompeten. Die Hellenen denken in ökonomischen Fragen nicht weiter als bis zur nächsten Olivenernte und finden sich prompt in der illustren Runde der hochverschuldetsten Länder der Welt wieder. Mit den besten Grüßen an die Elfenbeinküste, Eritrea, die Kirgisische Republik, die Komoren, Nepal, Somalia und den Sudan.
Nun gut, wir Deutschen haben im letzten Jahrhundert auch schon zweimal, nämlich 1923 und 1948, die Pleite anmelden müssen. Spitzenreiter wird in dieser Hinsicht aber wohl für alle Zeiten der frühere Spanische König Philipp II. bleiben, der in den Jahren 1557, 1575 und 1596 gleich dreimal vor seinen Gläubigern den Finger heben und den Staatsbankrott anmelden musste.
Philosophie, der Demokratie und Souvlaki
Philipps Spitzname war der "düstere König", der nur in schwarzen Gewändern umherlief, pedantisch pünktlich zu Mittag aß, Tag für Tag den gleichen Spaziergang machte, niemals gelacht und die Mundwinkel stets nach unten gezogen haben soll. Wie gut, dass wir von Angela Merkel regiert werden.
Für die Griechen heißt es jetzt, sich auf die Errungenschaften ihrer Kultur zu besinnen, um aus der Krise herauszufinden. Neben der Philosophie, der Demokratie und Souvlaki haben die Griechen nämlich auch die Seisachtheia erfunden. Diesen Schuldenerlass wendete der weise Solon schon 594 v. Chr. in Athen an, um die hochverschuldete Bevölkerung vor Verarmung und Sklaverei zu bewahren. Vielleicht reicht es aber auch einfach, Peter Zwegat einen Crash-Kurs Griechisch anzubieten.