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19.03.2010
Zum Teufel mit dem Zölibat
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

Der Spanier trägt das Herz in der Regel auf der Zunge. Seine Sprache ist für Ausländer auch deswegen so leicht zu erlernen, weil sie das Naheliegende sinnig aufeinander abstimmt. So verwenden die Iberer zum Beispiel in ihrer Liebe zum Gebräuchlichen das gleiche Wort für "Ehefrauen" wie für "Handschellen": Las Esposas.

Natürlich lässt sich daraus nicht einfach herauslesen, was der Spanier über die Ehe denkt. Zudem sind 92 von 100 Spaniern Katholiken, was die Sache nicht einfacher macht. Von allen kurzzeitig erfolgreichen Weltreligionen tut sich der Katholizismus bekanntlich am schwersten mit der Verbindung von Mann und Frau.
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Luther setzt den Rotstift an

Einerseits genießen Trauwillige im Katholizismus gewissermaßen Chefarzt-Behandlung, weil für Eheschließung im Vatikan der Status eines Sakraments gilt. Das beinhaltet die persönliche Anwesenheit des viel beschäftigten Gottes. Der ebenso abtrünnige wie knauserige Luther setzte hier zum Leidwesen der Protestanten postwendend seinen reformatorischen Rotstift an.

Andererseits dürfen ausgerechnet die Auserwähltesten unter den Katholiken nicht heiraten. Die Priester unterliegen seit annodazumal dem Gebot des Zölibats. Wann sich die christliche Kirche dieses widernatürliche Verhalten ausgedacht hat, ist schwer zu sagen. Zumindest wurde die Enthaltsamkeit schon auf der Synode von Elvira um 306 nach Christus zum Gesetzt erhoben.

Sex gegen die Zellteilung

Priester sind aber auch nur Menschen. Und der Mensch ist, seitdem die Natur vor 600 Millionen Jahren der langweiligen Zellteilung die fantastische Alternative der Sexualität hinzugefügt hat, dieser Variante der Fortpflanzung höchst zugeneigt. Derweil wird darum gerade im Zuge zahlreicher erschreckender Randerscheinungen kirchlicher Sexualität darüber diskutiert, die menschliche Zuneigung wieder in geordnete, eheliche Bahnen lenken und den Zölibat ad acta legen zu dürfen.

Fragt sich nur, was der Vatikan eigentlich gegen priesterliche Ehepartner (ob weiblich oder männlich) einzuwenden hat. Die Antwort ist simpel. Die katholische Kirche bekämpfte besonders im Mittelalter das Prinzip der innerkirchlichen Zellteilung.

Papst Benedikt VIII. ordnete 1022 an, dass allen Geistlichen die Heirat künftig verwehrt bliebe. Der Reichtum des Vatikans hat sich somit über die Jahrhunderte auch dadurch aufgehäuft, dass Priester Kirchenbesitz nicht unter ihren Nachkommen verteilen konnten. In Zeiten gut gefüllter Kassen wird es doch Zeit, dass den Priestern diese esposas endlich abgenommen werden.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Schade, eine etwas bissigere Note hätte dem "leidigen" Thema gut getan. Und zum Zölibat: Welcher Priester hält sich denn daran? Gerade hier in Bielefeld! (...)

Viel unterhaltsamer und differenzierter stellt Hans Konrad Zander das Thema in seinem Büchlein "Zehn Argumente für den Zölibat. Ein Schwarzbuch" dar. PS

Guter Kommentar und endlich mal eine schlüssige Erklärung warum diese raffgierige Gemeinschaft das Zölibat überhaupt eingeführt hat! Danke für diesen erfrischenden Beitrag... @Kuffomat: Verstehe den Einwand bzw die Korrektur nicht ganz... Herr Vollmer hat lediglich (völlig korrekt) den passenden Artikel vorangestellt...

Ich bin Protestant und der Auffassung, daß die kath. Kirche keineswegs das reine Evangelium verkündet und lehne das Zolibät persönlich ab, weil es dafür keine wirkliche biblische Grundlage gibt. Aber: Jeder, der sich zum katholischen Priester weihen ließ bzw. noch läßt, hat vorher die Spielregel seiner Kirche gekannt und hat sich deshalb dran zu halten!

Klingt gut, nur weiter so Herr Vollmer!!! Aber die Spanier nennen sowohl die Ehefrauen als auch die Handschellen "esposas".



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