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11.05.2010
Spiel`s noch einmal, Rüttgers!
seitwärts - der Wochenrückblick von Johann Vollmer

Die Geschichte lehrt uns, dass selbst der weitsichtigste Regent nicht immer verhindern kann, dass ihm ein Teil seiner Untertanen abhanden kommt. Und damit ist nicht gemeint, dass ein geköpfter Monarch wie Frankreichs Ludwig XVI. auf dem Schafott durch ein Fallbeil gleich aller treuen Anhänger verlustig wird. Nein, auch Landesfürsten im Amt müssen immer mit einem gewissen Schwund rechnen.

Die Ursachen sind vielfältig: Krieg und Hunger haben in der Regel ein schleichendes aber konstantes Siechtum zur Folge. Im Dreißigjährigen Krieg gingen den Fürsten im Süddeutschen Raum beispielsweise bis zu zwei Drittel der Steuerzahler über die Wupper, besser gesagt über den Neckar.

Flüchtlinge üben den Floßbau

Die Diktatoren dieser Welt, die wegen Paranoia oder ideologischen Wahns ohnehin schon ihre Untertanen dezimieren, beschleunigen meist durch planwirtschaftliche Mangelwirtschaft zusätzlich den Exodus. Unter Maos "Großem Sprung" starben so 30 Millionen Menschen. Und Fidel Castro musste über Jahrzehnte mit ansehen, wie Hunderttausende Kubaner erstaunliche Fähigkeiten im Flüchtlings-Floßbau entwickelten.

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Einen der größten und abruptesten Verluste an einem Tag erlebte sicherlich die Britische Krone, als am 4. Juli 1776 gleich 13 Kolonien in Amerika ihre Unabhängigkeit erklärten. König Georg III. soll entrüstet gewesen sein, als er erfuhr, was die vermaledeiten Kolonisten von ihm hielten und antwortete mit Krieg. Das – siehe oben – war wiederum abträglich für die Bevölkerungsentwicklung. Ein Teufelskreis.

Rüttgers macht den Gerhard

Dass nun Nordrhein-Westfalens selbsternannter oberster Arbeiterführer Jürgen Rüttgers auf dem Weg vom Sofa zur Wahlurne über Dreihunderttausend Wähler, die er hinter sich glaubte, im Wahllokal nicht mehr antraf, ist unangenehm. Historisch aber kein Einzelfall. Macht erzeugt nun mal Abtrünnigkeit.

Den Regenten Rüttgers kann jetzt nur noch eines retten: Die völlige Verblendung der Tatsachen. Dass Rüttgers nun darauf pocht, Landesvater bleiben zu wollen, ist ein ermutigendes Zeichen. So hat es schon Gerhard Schröder anno 2005 nach der Bundestagswahl vorgemacht. Und ist der nicht immer noch unser Kanzler?

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Kommentare
Nun hat der Jo den hann dran und oh weia: Das Voll ergänzt sich mit mer! Nun ja, das kann ja nur seitwärts gehen, besser ist aber Vor - Wärts! J.R. (Jürgen Rüttgers in Anlehnung des früheren Öl-Fieslings J.R. Ewing) würde ja gerne vorwärts gehen. Aber: Nun gibt es erstmal ein paar Schritte rückwärts! Zurück ins Glied (pfui), befahl Hannelore Kraft. So nach dem Motto "Jürgen, nun halt mal die Socken gelüftet". Nun ja, ob seit- vor- oder rückwärts: Düsseldorf ist im Moment die bunteste Stadt in NRW. Da blinken Ampeln plötzlich andersfarbig, doppelt-röt wird mitunter auch gesehen (Brille? ... räusper ... Viel-Mann!) und obendrauf mixt man auch noch rot mit grün! Oh Mamma, nimm den Hamma - Was kommt denn dabei raus? Wo auch immer das alles hinführen wird: Nach viel Farbe werden wir bald alle wieder nett schwarz-weiß sehen. Spätestens dann, wenn wir wie gewohnt feststellen: Man kann wählen was man will: Die machen eh nur Mist am Volk vorbei. Das sollte einem mal den Gedankengang öffnen, ob es uns Normalos nicht gut zu Gesicht stehen würde, Frankreichlike mal eine bundesweite schwarz-rot-goldene Demo zu starten. Diese Farben scheinen die da oben ja zu verstehen. Verstecken sich ja immer vor den Fahnen, wenn sie etwas (ange(la)blich) wichtiges ins Mikrofon zu pusten haben. 'Wir sind das Volk hat doch schonmal bestens funktioniert. Über alle Länder verteilt müsste das doch richtig Kopfqualmen bei den 0815-Ignoranten auslösen, oder? Einen Versuch wär es allemal wert. Also: Denk mal ne Viertelstunde drüber nach! Viertelstunde? Schaffst du schon!

Nun ja, Schröder können wir bei seiner damaligen Äußerung wenigstens zu Gute halten, dass er sie im Suff getätigt hat. Rüttgers hingen...

Immer dieser Ausdruck "Arbeiterführer". Der kommt offenbar so oder so ähnlich von Rüttgers selbst. Die Verwendung des Ausdrucks durch verschiedene Publizisten klingt langsam ein wenig danach, dass man ihm diese Selbstbezeichnung zubilligt. Die Arbeit(nehm)erschaft wird dabei wie so oft gar nicht gefragt...


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