Die Geschichte lehrt uns, dass selbst der weitsichtigste Regent nicht immer verhindern kann, dass ihm ein Teil seiner Untertanen abhanden kommt. Und damit ist nicht gemeint, dass ein geköpfter Monarch wie Frankreichs Ludwig XVI. auf dem Schafott durch ein Fallbeil gleich aller treuen Anhänger verlustig wird. Nein, auch Landesfürsten im Amt müssen immer mit einem gewissen Schwund rechnen.
Die Ursachen sind vielfältig: Krieg und Hunger haben in der Regel ein schleichendes aber konstantes Siechtum zur Folge. Im Dreißigjährigen Krieg gingen den Fürsten im Süddeutschen Raum beispielsweise bis zu zwei Drittel der Steuerzahler über die Wupper, besser gesagt über den Neckar.
Flüchtlinge üben den Floßbau
Die Diktatoren dieser Welt, die wegen Paranoia oder ideologischen Wahns ohnehin schon ihre Untertanen dezimieren, beschleunigen meist durch planwirtschaftliche Mangelwirtschaft zusätzlich den Exodus. Unter Maos "Großem Sprung" starben so 30 Millionen Menschen. Und Fidel Castro musste über Jahrzehnte mit ansehen, wie Hunderttausende Kubaner erstaunliche Fähigkeiten im Flüchtlings-Floßbau entwickelten.
Welche Koalition soll NRW regieren?
Einen der größten und abruptesten Verluste an einem Tag erlebte sicherlich die Britische Krone, als am 4. Juli 1776 gleich 13 Kolonien in Amerika ihre Unabhängigkeit erklärten. König Georg III. soll entrüstet gewesen sein, als er erfuhr, was die vermaledeiten Kolonisten von ihm hielten und antwortete mit Krieg. Das – siehe oben – war wiederum abträglich für die Bevölkerungsentwicklung. Ein Teufelskreis.
Rüttgers macht den Gerhard
Dass nun Nordrhein-Westfalens selbsternannter oberster Arbeiterführer Jürgen Rüttgers auf dem Weg vom Sofa zur Wahlurne über Dreihunderttausend Wähler, die er hinter sich glaubte, im Wahllokal nicht mehr antraf, ist unangenehm. Historisch aber kein Einzelfall. Macht erzeugt nun mal Abtrünnigkeit.
Den Regenten Rüttgers kann jetzt nur noch eines retten: Die völlige Verblendung der Tatsachen. Dass Rüttgers nun darauf pocht, Landesvater bleiben zu wollen, ist ein ermutigendes Zeichen. So hat es schon Gerhard Schröder anno 2005 nach der Bundestagswahl vorgemacht. Und ist der nicht immer noch unser Kanzler?