Bielefeld. Die Friedensbotschafterin Yoko Ono hat tröstliche Worte für uns alle: "Ihr seid allein. Ich bin auch allein", ruft sie den vielen Journalisten zum Schluss ihrer Pressekonferenz in der Bielefelder Kunsthalle zu. "Brüderlichkeit", das hatte sie zuvor erklärt, wäre eine Antwort auf metaphysische Existenznöte, die uns alle betreffen.
"Between the Sky and My Head – Zwischen dem Himmel und meinem Kopf", das ist der Titel der bislang größten Ausstellung der Lennon-Witwe in Europa, die Werke von ihren Anfängen als einflussreiche Konzept-Künstlerin in den 60er Jahren bis heute in Bielefeld vorstellt. Der Titel ist wörtlich zu nehmen. Befragt, ob sie eher spontan oder nach längerem Grübeln ihre künstlerischen Ideen entwickle, weisen ihre Hände sofort nach oben in eine unbestimmte Region über ihrem Kopf. Sie versteht sich als Instrument dafür, auszudrücken, was aus der Höhe über sie komme. "Ich habe Antennen dafür." Wenn sie ihre Konzepte verwirklicht sehe, gehe ihr das derart zu Herzen, dass sie weinen möchte.
Zu manchen dieser rührungsvollen Momente trägt das Publikum, wenn es rührig ist, bei. Yoko Ono schafft keine Kunstwerke, sondern Aktionsräume, die sich künstlerisch vollenden, wenn die Betrachter aktiv mittun. "Gebrauche deine eigene Kreativität, partizipiere", sagt sie, das ist das Prinzip, nach dem man ihre Kunst tätig verstehe.
"My Mommy is beautiful – Meine Mutter ist schön" bietet eine solche Partitur für Partizipation. Die Kunsthallenbesucher waren dazu aufgefordert, Bilder von ihrer Mutter auf vorbereitete weiße Leinwände zu kleben und eine Erinnerung an sie dazu zu schreiben. Kunsthallenleiter Thomas Kellein hätte prophezeit, niemand würde sich daran beteiligen, verrät Yoko Ono – und er hat sich geirrt. Warme, liebevolle Gefühle vermittelten die beklebten Leinwände, sagt Yoko Ono – warm und liebevoll.
75 Jahre ist Yoko Ono mittlerweile. "Ich fühle mich nicht alt", sagt sie. Ihre erste Priorität sei es, gesund zu bleiben. "Ich liebe die Welt und die Menschen noch immer." Und das Leben – sie möchte es jetzt noch nicht verlassen. Zumal: "Die Leute haben mich endlich verstanden." Seit sie 70 Jahre alt geworden ist, häufen sich die Ausstellungstermine, natürlich auch, weil sie "Mrs. Lennon" ist. "Ich ziehe daraus Vorteile." Nämlich dafür, ihre Liebes- und Friedensbotschaften zu verbreiten. Sie weiß, dass ihr mit intensivem Hass gedacht worden war, als sie mit John zusammengewesen war. Doch diesen Hass habe sie positiv verwandelt. "Wir haben die Kraft dazu."
Ob sie auch einige Worte Deutsch könne. Und Yoko Ono – natürlich – spricht ins Mikrofon: "Ich liebe Dich."



















