Bad Driburg. "Bald werde ich hier auch liegen", hatte der alte Graf damals gesagt. Es war kurz nach dem Tod seiner Frau Ramona im Dezember 2003 beim Besuch des Mausoleums. Gestern erinnerte Pfarrer Kurt Tielker beim Trauergottesdienst für Caspar Graf von Oeynhausen an diesen ihm unvergesslichen Augenblick.
Mit gesenkten Köpfen folgten mehr als 900 Trauergäste in den Brunnenarkaden im Gräflichen Park zu Bad Driburg den Worten des Geistlichen: in der ersten Reihe neben dem Eichensarg die Kinder des Toten, Angelina Gräfin zu Stolberg-Wernigerode und ihr Bruder Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, mit ihren Familien.
Verwandte, Freunde und Angehörige des deutschen Hochadels legten die letzten Meter zu den Arkaden durch schmelzenden Schnee zu Fuß zurück. Oscar Prinz von Preußen schritt gemeinsam mit seiner Mutter Armgard die Stufen hoch, vorbei an einem Kranz aus weißen Nelken und wenigen weißen Rosen: "Beatrix, Willem Alexander, Maxima, Friso, Mabel, Constantijn, Laurentien", die Namen auf den sieben schmalen Schleifen weisen auf den Absender, das niederländische Königshaus, hin.
Trauergäste aus dem ganzen Land
Victor Erbprinz von Ratibor und Corvey erschien in Begleitung seiner Gattin Alexandra. Aus Sigmaringen war Alexandra Erbprinzessin von Hohenzollern angereist, aus dem Saarland der Porzellanfabrikant Wendelin von Boch mit seiner Schwiegertochter Dina. In Begleitung seiner Frau Antonia nahm Matthias Graf von Westphalen an der Trauerfeier teil. Der Herr über riesige Wälder im Sauerland ist im nahen Meschede zu Hause.
Aus Bielefeld reisten der Industrielle Peter von Möller und seine Frau Monica an, außerdem Textilunternehmer Daniel Terberger mit Gemahlin Elizabeth Prinzessin in Bayern. Miele-Chef Rainer Zinkann aus Gütersloh kam in Begleitung seiner Mutter Karin. Reiner Körfer, Ex-Chef des Herzzentrums Bad Oeynhausen, brachte seine Frau Friederike mit. Edda Darboven, gebürtige Prinzessin von Anhalt und Ehefrau des Kaffeekönigs Albert Darboven, hatte trotz Schnee und Glätte die Anreise von Hamburg ohne Verspätung geschafft. Andere Gäste aus dem Norden, wie Carl-Eduard von Bismarck, waren der Trauerfeier mit dem Hinweis aufs Wetter ferngeblieben.
Mit ihren Erinnerungen an den vor einer Woche gestorbenen Grafen fühlten sich die Trauernden einander ganz nah. Und viele schämten sich nicht ihrer Tränen, als die Enkelkinder abwechselnd ihre Fürbitten für den Verstorbenen vortrugen. Als letzte betete Alice, die elfjährige Tochter von Graf Marcus und seiner Frau Annabelle, mit kindlich-klarer Stimme: "Lieber Gott, mach, dass unser Großvater immer unter uns bleibt."
Familienunternehmen im Sinne des Vaters fortführen
Ohne Scheu, seine Gefühle zu zeigen, gedachte auch Graf Marcus seines Vaters. Er beschrieb den alten Herrn als leidenschaftlichen und verantwortungsbewussten Familienmenschen, mit fast jedem gleich per du. Sein Vater habe es geschickt verstanden, Dinge, die ihm Freude machten, mit dem Beruf zu verbinden. Der Golfplatz in Bad Driburg sei dafür ein Beispiel. Nur eins sei ihm schwergefallen: das Steuer nicht selbst in die Hand zu nehmen. Deswegen sei er auch "ein grauenhafter Beifahrer" gewesen.
Graf Marcus, der den Gästen versprach, das Familienunternehmen im Sinne seines Vaters fortzuführen, schloss mit dem Geständnis: "Wir vermissen Papi schon jetzt."
Zum scheppernden Glockenschlag eines nahen Kirchturms öffnete sich 60 Minuten nach Beginn des Gottesdienstes die Tür, die Enkelsöhne des Grafen hoben den Sarg und trugen ihn zu einer Kutsche draußen im Park. Zwei Schimmel zogen das Gefährt zum Mausoleum, in dem heute die Beisetzung im Kreis der Familie folgt. Und nach wenigen Metern verschwammen die Konturen im grauen Winternebel.












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