Bielefeld. "Das kann doch nicht wahr sein!" dachte Philipp H., als er Anfang Januar sein Fahrrad beim Internetauktionshaus Ebay wiederentdeckte. Wenige Tage zuvor hatte er auf dem Weg zur Waschmaschine im Studentenwohnheimkeller an der Universitätsstraße bemerkt, dass sein Rad verschwunden war.
"Eigentlich wollte ich nur schnell meine Wäsche waschen, doch dann saß ich auf der Hauptwache der Polizei und habe mein Rad als vermisst gemeldet." Philipp erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Dass er sein Rad jemals wiedersehen würde, glaubte er zu diesem Zeitpunkt nicht.
Die offizellen Zahlen der Polizei gaben ihm Recht. So wurden im Jahr 2007 von 1.185 in Bielefeld gemeldeten Fahrraddiebstählen gerade einmal 11,3% aufgeklärt, erklärt Martin Schultz von der Polizeipressestelle auf Anfrage der Neuen Westfälischen. "Fahrradkriminalität ist schwer aufzudecken" sagt Schultz, denn meist hinterließen die Täter keine brauchbaren Spuren. Ein weiteres Problem sei, dass die meisten Radbesitzer ungern viel Geld für geeignete Schlösser ausgäben. Um gut gesichert zu sein, müsse man schon als "Minimum 10% des Kaufpreises in Sicherheitsmaßnahmen investieren."
Dieses Minimum hatte Philipp überschritten, dennoch wurde sein Rad gestohlen. Das Problem war, dass er es zwar abgeschlossen hatte, im übervollen Radkeller des Wohnheims aber keinen Platz zum weitaus sichereren Anschließen fand. Viele der im Radkeller abgestellten Fahrräder würden seit Jahren nicht mehr bewegt und seien herrenlos, sagt Philipp.
Dem Dieb auf der Spur
Dass der Diebstahl seines Fahrrads aufgeklärt werden konnte, verdankt Philipp einem Zufall. "Ich habe bei Ebay nach Gebrauchträdern geguckt und schon das dritte war meins."
Einige Komponenten am Rad waren zwar ausgetauscht und fanden sich in anderen Angeboten des Verkäufers wieder, dennoch erkannte Philipp sein Rad sofort. Nicht verwunderlich, hatte der passionierte Radfahrer in den vergangenen zwei Jahren mit ihm doch fast 5.000 Kilometer zurückgelegt. Unter anderem war er von Bielefeld bis an die Nordsee und zurück geradelt.
Polizei kooperiert mit Ebay
Ungläubig machte er nach seiner Entdeckung Screenshots von der Auktion im Internet, das heißt er sicherte digitale Kopien seines Computerbildschirms. Diese Kopien stellte er der Polizei zur Verfügung, die dadurch in Zusammenarbeit mit Ebay den Täter ermitteln und stellen konnte.
Weil der Täter weitere Fahrräder geklaut und im Internet zum Verkauf angeboten hat, dauern die Ermittlungen derzeit noch an. Ob und in welchem Zustand Philipp sein Fahrrad zurückbekommt, ist ungewiss. Eins steht für ihn schon jetzt fest: "Ich möchte es so wiederhaben, wie es geklaut wurde."












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