Berlin. Ute Berg hat in bewegten Zeiten einen wichtigen Job in der SPD-Fraktion übernommen. Von der wirtschaftspolitischen Sprecherin erwarten sich die Medien ständig fertige Kommentare zu allen Krisen. Doch nicht auf alle Fragen hat die Paderbornerin schon eine Antwort.
Es ist eine unübersichtliche Zeit, in der Ute Berg ihr Amt als wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion übernommen hat. Bankenkrise, Konjunktureinbruch, die Arbeitslosigkeit wächst, Opel und Schaeffler/Conti sind von der Pleite bedroht. Überall brennt es. Die Bundesregierung betätigt sich als Feuerwehr. Und die Paderborner Bundestagsabgeordnete Ute Berg steht auf einmal im Löschzug weit vorne.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise ausgerechnet in einem Superwahljahr zuschlägt. Haben da Fakten noch eine Chance, oder müssen zum Beispiel Opel und Schaeffler auf jeden Fall gerettet werden?
"Nein, Opel ist kein systemisches Unternehmen."

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Berg findet diese Ansicht falsch. Aber die ehemalige Lehrerin ist viel zu höflich, um den Parteichef direkt zu kritisieren. Sie lächelt und sagt ganz ruhig: "Nein, Opel ist kein systemisches Unternehmen." Berg möchte trotz Wahlkampf der Sachpolitik noch eine Chance geben. Sie selbst kennt allerdings das Opel-Konzept noch nicht, das Wirtschaftsminister zu Guttenberg bereits seit einem Tag prüft. Erst heute wird sie die Einzelheiten des Papiers erfahren.
Vorschnelle Urteile sind nicht ihre Sache. Zu viele offene Fragen treiben sie noch um. Bei Opel und bei Schaeffler. "Dabei ist mir aber völlig wurscht, was Frau Schaeffler trägt", sagt Berg und grinst. Sie spielt damit auf eine Äußerung von Arbeitsminister Olaf Scholz an. Der befand, dass man nicht "im Nerzmantel nach Staatshilfe" rufen dürfe.
"Ich will nicht stromlinienförmig sein"
Auch wenn Ute Berg Müntefering und Scholz punktuell kritisiert, fügt sie sich eher harmonisch in Fraktion und Partei ein. Vom Typ her ist sie ausgleichend und moderierend. Ihr Vorgänger Rainer Wend legte sich schon mal mit Fraktion und Partei an, um seine Positionen durchzuboxen. Von der zierlichen Paderbornerin ist das kaum zu erwarten. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern bezeichnet sich selbst als "Mannschaftsspielerin". "Ich will nicht stromlinienförmig sein, aber ich entwickele meine Positionen gerne in der Diskussion." Von daher sind ihr auch anders als Rainer Wend die Gremiensitzungen in der Partei keineswegs ein Gräuel.
Die Sozialdemokraten preschen momentan mit Konzepten nach vorne. Die Genossen wollen etwa die Managervergütung und den Finanzmarkt stärker regulieren als die Union. In der Regierung sind die Konflikte so programmiert. Der Wahlkampf drängt sich also doch schon in den Alltag der Großen Koalition hinein. Berg begrüßt es, dass sowohl die SPD als auch CDU/CSU ihre Meinungen allmählich stärker gegeneinander absetzen. Die Paderbornerin wirbt nun für eine Börsenumsatzsteuer und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Gleichzeitig aber plädiert sie für eine Abflachung des Steuertarifs in der unteren und mittleren Zone. Eingeklemmt zwischen CDU/CSU und Linke sucht die SPD nach einem eigenen Weg. Einfach ist das nicht.
Ob das funktioniert? Die Umfragen sprechen eindeutig gegen einen SPD-Wahlsieg. Doch Bergs Zuversicht wackelt nicht. Schon lange habe die SPD nicht mehr so geschlossen agiert wie jetzt. Ganz anders als die Union, die bei jeder Gelegenheit streite: über Erika Steinbach, den Papst oder über die Opelrettung. Irgendwann werde sich die neue SPD-Geschlossenheit auszahlen. Berg plädiert für Geduld: "Auch 2005 hat sich ein Großteil der Wähler erst am allerletzten Wochenende vor der Wahl entschieden."









