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18.05.2009
BIELEFELD
Diakonie-Chef entschuldigt sich für Gewalt
Untersuchung über Heimkinder vorgelegt

Entsetzt

Hannover/Bielefeld (epd/kb). Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik hat sich im Namen seiner Einrichtung für die Misshandlung von Heimkindern in den 50er bis 70er Jahren entschuldigt. "Ich bedauere zutiefst, was damals im Namen der Diakonie geschehen ist", sagte Kottnik, Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland. Kottnik stellte die erste wissenschaftliche Untersuchung über das Schicksal von Heimkindern in diakonischen Einrichtungen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik vor.

Das 370-seitige Buch "Endstation Freistatt" untersucht die Erziehungsmethoden in der "Diakonie Freistatt" bei Bremen, die für viele Zöglinge von Zwang, Gewalt und Willkür geprägt waren. Rund 7.000 Jungen hätten zwischen 1949 und 1974 in der Tochtereinrichtung der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel gelebt. "Ich habe mir bis vor zwei Jahren nicht vorstellen können, dass wir so etwas in unserer Geschichte der Diakonie mitschleppen", sagte Kottnik.

Mehrere hunderttausend Kinder und Jugendliche waren in der frühen Bundesrepublik oft aus nichtigen Anlässen in vorwiegend kirchliche Heime eingewiesen worden. Viele von ihnen wurden geschlagen und zur Arbeit gezwungen, zudem gab es sexuelle Misshandlungen. Eine Schulausbildung erhielten die Kinder häufig nicht. Er habe früher von Einzelschicksalen gesprochen, so Kottnik. Heute wisse er, dass dies eine unzulässige Bagatellisierung gewesen sei.

Drakonische Strafmaßnahmen

Die v. Bodelschwinghschen Anstalten waren nach Medienberichten über Betroffene in die Kritik geraten und hatten daraufhin Wissenschaftler der Hochschule Wuppertal beauftragt, die Geschichte der Heimkinder in der Bethel-Anstalt Freistatt aufzuarbeiten. Die Historiker analysierten Akten, in denen auch die Gründe für die Einweisung der Kinder vermerkt waren, und führten Interviews mit Heimkindern und Erziehern.

Der Betheler Vorstandsvorsitzende, Pastor Ulrich Pohl, sagte, in Freistatt sei damals versucht worden, die Jugendlichen zum Teil mit drakonischen Strafmaßnahmen zu disziplinieren. "Die Fürsorgeerziehung geschah auch in den Betheler Einrichtungen in einem System, das häufig von Gewalt, Einschüchterung und Angst geprägt war", erläuterte Pohl. Er sei sehr dankbar, dass sich die Betroffenen, die auf Wunsch auch therapeutisch begleitet worden seien, zu den Gesprächen bereit erklärt hätten.

Der hannoversche Diakonie-Direktor Christoph Künkel sagte, in Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern werde immer wieder deutlich, dass viele Wunden von damals noch offen seien. Er schäme sich für das Unrecht und die Gewalt, die Menschen in den Einrichtungen der Diakonie angetan worden seien.

"Ich will, dass es für die Betroffenen in irgendeiner Form eine Wiedergutmachung gibt", betonte Diakonie-Präsident Kottnik. Der vom Bundestag eingerichtete runde Tisch, an dem sich auch die Diakonie beteiligt, wolle Ende Juni erste Vorschläge unterbreiten.


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