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08.06.2009
DETMOLD
Andreas Kasper: Der Absturz eines Überfliegers
Nach Entzug des Doktortitels: Innenminister prüft Vorgänge um lippischen Landesverbandsvorsteher
VON HUBERTUS GÄRTNER UND BERNHARD HÄNEL

Unter Druck | FOTO: LANDESVERBAND

Detmold/Göttingen. Er galt als der neue König von Lippe. Aber aus dem vermeintlichen Überflieger und Karrieristen Andreas Kasper (34) ist binnen kurzer Zeit ein Bruchpilot geworden. Wie berichtet, hat die Georg-August-Universität Göttingen dem lippischen Landesverbandsvorsteher den Doktortitel entzogen. Nun gibt es heftige Reaktionen.

Kasper hat nach Angaben der Universität Göttingen in seiner Promotion zum Sozialsponsoring in erheblichem Umfang geistigen Diebstahl begangen. Dieser habe "schon manchen Wissenschaftler um die Karriere gebracht", heißt es in einem Standardwerk zu den "Bibliographischen Regeln". Kasper aber will in seinem Amt weitermachen wie bisher. Der Ertappte sieht für sich "keine dienst- oder strafrechtlichen Konsequenzen". Da könnte er aber irren. Ein eklatanter Fall wie er sei "extrem selten", sagte ein Sprecher der Göttinger Universität. Nach Informationen dieser Zeitung prüft das NRW-Innenministerium bereits, ob ein Disziplinarverfahren gegen Kasper eingeleitet werden muss. Der Landesverband Lippe und die Universität Göttingen werden zu Stellungnahmen aufgefordert.

Auch in der lippischen SPD, die Kaspers Vorgänger Joachim Bünemann im letzten Jahr wegen einer Party-Affäre verlor, wächst die Wut. Die Vorgänge um Kaspers Promotion müssten "lückenlos aufgeklärt und rechtlich überprüft werden werden", sagte ihr Geschäftsführer, Rainer Brinkmann. Die Frage sei, ob auch strafrechtliche Konsequenzen gezogen werden müssten.

Kasper sorgt für Verblüffung

Die Detmolder Staatsanwaltschaft sieht bislang keine Notwendigkeit, von Amts wegen gegen Kasper zu ermitteln. Es kämen Verstöße gegen das Urheberrecht in Frage, heißt es intern. Dabei handele es sich um Antragsdelikte. Sie müssten von den (geschädigten) Autoren eventuell im Wege einer Privatklage verfolgt werden. Für völlige Verblüffung sorgt Kaspers Einlassung, der Doktortitel sei keine Voraussetzung seiner Wahl zum Verbandsvorsteher gewesen. Hätte man bei der Wahl im Herbst 2008 jedoch schon von dem Entzug der Promotion gewusst, "dann wäre Kasper niemals gewählt worden", sagte die lippische SPD-Vorsitzende Ute Schäfer.

Kaspers Einlassung, er wolle gegen den Entzug des Doktortitels klagen, denn zwei Professoren hätten "Mängel in der Zitierweise" nicht erkannt und "keine Überarbeitung" verlangt, sorgt an der Universität Göttingen indes für Verblüffung. Seine beiden Doktorväter, Professor Axel von Campenhausen, ein anerkannter Kirchenrechtler, und Professor Jürgen Costede wollten die indirekten Angriffe auf Anfrage nicht kommentieren.

Ein Sprecher der Universität Göttingen wies Kaspers immanenten Vorwurf, die Mängel der Doktorarbeit seien erkennbar gewesen, derweil zurück. "Man kann in einer Promotion nicht jede Textstelle kontrollieren", sagte er. Im konkreten Fall soll die Enttarnung nach Informationen der Neuen Westfälischen sogar besonders schwierig gewesen sein, weil Kasper große Textpassagen inklusive ihrer Fußnoten aus Fremdtexten ohne Kenntlichmachung in die knapp 200 Seiten umfassende Promotionsschrift eingearbeitet habe.

Der Irrtum

Wenn das zutrifft, dann hätte er fast perfekt verschleiert. Lippe sei "der ideale Ort, um etwas Ruhe in meinen Lebenslauf zu bringen", hatte Kasper bei seinem Amtsantritt gesagt. Es war ein Irrtum.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Warum die Aufregung zum "Doktor", die Grauzohne der gekauften Diplomarbeiten ist doch so hoch das ich persönlich einfach keinen Titel wiklich ernst nehme. Es ist noch schlimmer als in Paraguay wo ich her komme. Wieviel Diplomarbeiten in Lippe allein gekauft sind, indem die Professoren aus den verschiedensten Gegenden neuste Autos fuhren oder ähnliches. Das steht sonstwo. Es gibt genug Personen die sich auf Diplomarbeiten spezialisiert haben und davon leben. Das ist ja auch ein Job ... MfG Helmut Schirmacher


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