Schloß Holte-Stukenbrock. Sie blinzeln in die Sonne, tollen auf dem Klettergerüst hin und her und erkunden die Welt. Hin und wieder ein Fauchen, das zeigt: "Ich bin ein Raubtier – wenn auch noch ein ganz kleines." Die Besucher des Safari- und Hollywoodparks Schloß Holte-Stukenbrock sind hin und weg vom Auftritt der beiden gut dreizehn Wochen alten weißen Tigerbabys.
Erst seit ein paar Tagen sind die beiden ebenso flauschigen wie quirligen Gesellen nachmittags im Freigehege gleich neben dem Haus der weißen Löwen zu sehen, wenn es das Wetter zulässt. In dieser kurzen Zeit hat es der am 8. März geborene Tigernachwuchs schon geschafft, zu Publikumslieblingen zu werden. "Sind die süß!" – "Darf ich die streicheln?" Das geht natürlich nicht. Beobachten aber ist ausdrücklich erwünscht, solange die beiden kleinen Tiger auf der Freiluftbühne ihre Spielchen treiben.
"Die beiden sind prächtige Rabauken", strahlt Chef-Tierpflegerin Inka Schumacher. Für die Fütterung mit der Flasche zieht sich die 32-Jährige Handschuhe an. Auch Tigerbabys haben scharfe Krallen. In Windeseile leeren sie die warme Milch. "Das ist der Grund, warum ich das mache", lächelt Parkchef Fritz Wurms beim Anblick der friedlich schlürfenden Tigerbrüder. "Wenn ich mal depressiv bin, gehe ich zu den Tieren und dann wieder lächelnd zurück ins Büro." Eine wichtige Triebfeder für die nicht immer einfache Arbeit des Geschäftsführers. Er trägt Verantwortung für bis zu 180 Mitarbeiter, die in der Hauptsaison im Park arbeiten.
Park feiert sein 40-jähriges Bestehen
Am 15. Juli feiert der Park sein 40-jähriges Bestehen. Auch zum 30. Geburtstag 1999 gab es im Park Nachwuchs bei den Raubtieren. Seinerzeit wurden die weißen Löwendrillinge Sun, Moon und Star geboren.
Publikumslieblinge wie diese sind es nicht allein, die den Erfolg des Unternehmens ausmachen. "Es ist wichtig, seine Gäste zu beobachten", sagt Wurms. Auf diese Weise und in Gesprächen findet er heraus, was die Besucher wollen und wo sie eventuell Verbesserungen wünschen.
Sowohl bei den Tieren als auch im Unterhaltungsbereich denkt der Parkchef über weitere Veränderungen nach. Gespräche mit Architekten über die Einrichtung eines neuen Gepardengeheges, das ohne Zäune auskommt, habe es schon gegeben.
Auch eine neue, schienengebundene Fahrattraktion könnte sich Wurms vorstellen. "Man hat sein Ziel, aber es muss auch umsetzbar sein", sagt er mit Blick auf die erheblichen Investitionskosten. Zuversicht hat er auch: "Wir merken zurzeit von der Krise noch nichts."
Mittlerweile haben die Jungtiger ihren Hunger gestillt und werden von Inka Schumacher wieder zurück in ihr überdachtes Gehege gebracht. Doch die Tierpflegerin, die ihren Beruf im Zoo Osnabrück erlernte, legt Wert darauf, auch zu zeigen, wie sich Raubtiere im Erwachsenenalter verhalten. Mit dem Auto fahren wir vorbei am zutraulich ins Autofenster schauenden Dromedar Elvira, dem Giraffenjungen Phillipe und den Antilopenherden zum Haus der weißen Löwenfamilie. Mit markerschütterndem Urgebrüll und gefährlich lange Stiftzähne zeigend warten die Raubtiere auf ihr Futter. Die großen Fleischstücke werden durch kleine Luken in die Käfige geschoben. Im nächsten Moment tritt gefräßige Stille ein. Nur noch das Splittern der Knochen der Rinderstücke ist zu hören. Das Raubtier hat seinen Niedlichkeitsfaktor verloren.
Werden Sie Taufpate für ein Tigerbaby
Für die zwei weißen,
männlichen Tigerbabys werden noch Namen gesucht. Schicken Sie uns Vorschläge, mit Angabe Ihrer Adresse, per Mail unter
nachrichten@neue-westfaelische.de. Betreff: Tiger.
Namen sollten den indischen Ursprung der Tiere berücksichtigen. Unter den Einsendungen bis Freitag, 19. Juni, werden zwei Gewinner ermittelt, die bei freiem Eintritt (auch für die Familie) bei der Taufe dabei sein dürfen.
Mittlerweile sind auf dem insgesamt 650.000 Quadratmeter großen Gelände des Safariparks rund 600 Tiere zu bewundern. Der Park öffnete am 15. Juli 1969 zum ersten Mal seine Pforten. Gründer und Leiter war der damalige Düsseldorfer Hotelier Robert Wurms, der den Tierpark bis zu seinem Tod 1984 führte. Mit im Boot: Ehefrau Hildegard, die im Dezember 2007 starb. 1984 übernahm Sohn Fritz Wurms die Geschäftsführung.