Calden/Warburg (das). Neue Diskussionen um den Flughafen Kassel-Calden: Gegner des Ausbau kritisieren, dass die veranschlagten Investitionskosten in Höhe von 151,5 Millionen Euro nicht den tatsächlich notwendigen Ausgaben entsprechen. Jörg Ries, Sprecher der Flughafen GmbH, räumte gegenüber der Neuen Westfälischen ein, dass diese Kostenschätzung vom März 2004 datiere und sich nur auf den 1. Bauabschnitt beziehe. Der geplante Flughafen-Ausbau stößt in Ostwestfalen-Lippe auf harsche Kritik, da er eine von der hessischen Landesregierung subventionierte Konkurrenz zum Airport Paderborn/Lippstadt darstellt.
Ries sagt, damals seien die ursprünglichen Investitionskosten von 171,85 Millionen Euro "auf Grundlage einer Neubetrachtung der technischen Gewerke wie Flugbetriebsflächen, Hochbauten, Parkplätze, Betriebsstraßen" reduziert worden. Allerdings mit der Option, Terminal, Abrollflächen und Verwaltungsgebäude in einem weiteren Bauabschnitt zu erweitern, wenn der Bedarf die Prognose von 640.000 Passagieren im Jahr 2020 übersteige.
Auf Nachfrage der Grünen musste der Landrat des Kreises Kassel, Udo Schlitzberger, bereits einräumen, dass die notwendige, fünf Millionen Euro teure Erweiterung der Kläranlage in Calden nicht in den Kosten enthalten sei. Während des Planfeststellungsverfahrens und der Überprüfung der Ausbaupläne durch die Bundesregierung und Europäische Kommission habe es keine vertiefenden Planungsaktivitäten gegeben, weil dies verboten sei, erklärte Ries.
Erst nachdem die EU grünes Licht gegeben habe, seien die Planungen wieder aufgenommen worden. "Ohne das Vorliegen von detaillierten Ausführungsplanungen sind neue Aussagen zu Gesamtkosten nicht möglich", so Ries. Damit sei erst im Sommer 2010 zu rechnen. Er gehe aber davon aus, das der Kostenrahmen von 151 Millionen Euro nicht überschritten werde.
Keine Verpflichtung für Flughafen GmbH
Flughafengegnerin Steffi Weinert von Bündnis 90/Die Grünen glaubt nicht, dass es keine neueren Kalkulationen gebe, die Preissteigerungen berücksichtigten. "Dort arbeiten hochdotierte Planungsbüros. Es kann nicht sein, dass es seit fünf Jahren keine neuen Schätzungen gibt", sagt Weinert, die Mitglied im Kreistag des Landkreises Kassel ist. Jeder, der ein Haus baue, müsse vorher genau wissen, was es koste. Allerdings, so Weinert, gebe es für die Flughafen GmbH als privatrechtliches Unternehmen keine Verpflichtung, neuere Zahlen zu veröffentlichen. Ein Antrag der Grünen im Kreistag, eine aktuelle Kostenplanung zu veranlassen, sei von der CDU/SPD-Mehrheit abgelehnt wurden.Der Landkreis Kassel ist neben der Stadt Kassel, dem Land Hessen und der Gemeinde Calden Gesellschafter der Flughafen GmbH. Auch Ausschüsse der Stadt Kassel und des Landkreises, die sich mit der Kostenentwicklung beschäftigt hatten, bekamen nur die Planzahlen von 2004 vorgelegt. Der Abschlussbericht aus Kassel ist bisher geheim und soll erst im September veröffentlicht werden.











