Bielefeld-Sennestadt. Fassungslos, schockiert und letztlich auch erleichtert seien die 81 Gemeindemitglieder der Zeugen Jehovas, die am Donnerstagabend denkbar knapp dem Attentat eines 82-jährigen, schwer bewaffneten Mannes aus Halle entgangen sind. Das bestätigte am Freitag Matthias Tews, Ältester der Sennestädter Gemeinde und damit ihr geistlicher Leiter.
Der Schock sitzt noch tiefer in den Gliedern der bedingungslos pazifistischen Christen von der Dunlopstraße, seitdem bekannt wurde, dass der 82-jährige Horst A. tatsächlich zum Mord fest entschlossen gewesen sein soll. Wie Notizen des Rentners belegen, der zuvor noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten ist, wollte er sich pauschal an den Zeugen Jehovas rächen. "Er macht die Glaubensgemeinschaft dafür verantwortlich, dass er den Kontakt zu seiner inzwischen etwa 60-jährigen Tochter verloren hat", sagte Staatsanwalt Klaus Metzler.
Eindeutige Aussagen in handschriftlichen Aufzeichnungen, die noch nachts in der durchsuchten Wohnung von Horst A. gefunden wurden, und weitere Ergebnisse der Ermittlungskommission ("EK Dunlop") unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Knut Packmohr lassen diesen Schluss mit großer Sicherheit zu. Das sah auch der Haftrichter so: Obwohl sich der 82-Jährige bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert hatte, veranlasste jener am Freitagabend U-Haft wegen versuchten Mordes. Nachbarn in Hallen bezeichnen den als Sonderling bekannten Mann zudem als rechtsradikal und streitsüchtig.
Dreimal 13 Schuss für die Maschinenpistole
Dreimal 13 Schuss für seine offensichtlich moderne Maschinenpistole soll Horst A. bei sich in einer Tüte getragen haben. Im Gürtel ein kleines Klappmesser, am Auto ein Samurai-Schwert. Mit einem solchen Säbel soll Horst A. auch des Öfteren in Halle aufgetaucht und rumgefuchtelt haben. In seiner Wohnung seien zudem diverse Waffen- und Uniformgegenstände aus dem 2. Weltkrieg gefunden worden, die die Ermittler der EK Dunlop aber nicht als tatrelevant einschätzten. Nach ersten Untersuchungen stehe trotzdem fest, dass er nicht als psychisch krank einzuschätzen ist.
Holger Schröder, Kreisaufseher der Zeugen Jehovas, und Matthias Tews blickten am Freitag mit Erleichterung zurück auf die mysteriösen Geschehnisse: "Es ist natürlich ein Schock für alle, so unmittelbar mit Gewalt konfrontiert zu sein, wenn man das noch nie erlebt hat", sagte Tews. "Unser enger Zusammenhalt als Gemeinschaft und unser tiefes Vertrauen zu Gott machen es uns leichter, so etwas zu verarbeiten. Die Liebe Gottes hilft uns vor allem, nicht zu hassen oder zu verdammen", sagte er im Hinblick auf den Täter.