Bielefeld. Der Mann weiß, wie es geht. Lässig flätzt er sich in das große Sofa auf der Bühne. Sofort umringt von einer Schar sehr junger, sehr schöner und sehr blonder Models. Der selbsternannte Partykönig Michael Ammer hielt am frühen Samstagmorgen Hof im Bielefelder Stadtpalais.
Die Szene könnte eins zu eins einer Qualitätssendung von RTL II entsprungen sein. Die Bässe wummern und treffen direkt in die Magenkuhle. Ein Gespräch ist nicht möglich. Muss ja auch nicht. Es geht um sehen und gesehen werden. Als unsere Fotografin auftaucht, muss sie nichts sagen. Bei dem hohen Lärmpegel ist nonverbale Kommunikation gefragt.
Einmal Kamera hochhalten und Ammer weiß Bescheid. Sofort zeigt der Braungebrannte im blauen Hemd mit weißen Manschetten und Kragen, eine strahlende Knabberleiste, die in hartem Kontrast zur dunklen Sonnenbrille steht. Der König ist immer umgeben von den Super-Miezen, die natürlich sofort mit ins Bild müssen.
Ammer tourt regelmäßig durch die einschlägig bekannten Szenelokale. Der Pressetext jubelt: "Die Modelnacht-Partys haben sich in den letzten Jahren zu Deutschlands erfolgreichster und bekannteter Clubserie entwickelt." Ins Stadtpalais, so war zu hören, kommt er regelmäßig.
Ammer auf der Bühne im VIP-Bereich
Das Rezept ist immer gleich. Ammer sitzt auf der Bühne im VIP-Bereich, der nicht jedem zugänglich ist. Das gemeine Party-Volk tummelt sich unten auf der Tanzfläche vor der Bühne. Quasi als Puffer zwischen ihm und dem Fußvolk, lässt er die Puppen tanzen. Besonders zwei Ladys fallen auf. Eine frisurentechnisch hell-blond, eine tief-schwarz. In ihren Händen fuhrwerken sie mit zwei Stäben. Die Bewegungen liegen irgendwo im Spannungsfeld zwischen laszivem Tabledance und rhythmischer Sportgymnastik.
Vor dem König ist eine beeindruckenden Batterie alkoholischer Getränke aufgereiht. Besonders Wodka als Absturzbeschleuniger, den die Truppe gern mit Apfelsaft oder Red Bull mischt. Nicht zu vergessen: Champagner, vorzugsweise aus Magnumflaschen. Diesem Umstand verdankt Ammer seinen Spitznamen in der Boulevard-Presse: "Schampus-Michi". Ob die Damen und der selbsternannte Party-Potentat mehr dem Alkohol zusprachen oder ob auch andere Substanzen im Spiel waren, entzieht sich unserer Kenntnis.
Der Boulevard hat über die Jahre die Großtaten des 48-Jährigen aufgelistet. 1995 stand Ammer wegen Kokain-Besitzes, gefährlicher Körperverletzung und sexueller Nötigung vor Gericht. Er erhielt 18 Monate Haft auf Bewährung und musste 20.000 D-Mark Schmerzensgeld zahlen. 2005 zeigten ihn zwei 15-jährige Mädchen wegen versuchter Vergewaltigung an. 2007 verurteilte ihn das Amtsgericht Lübeck wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro. 2008 beschuldigte ihn die Chefin eines Bordells in Halle (Saale) der Zechprellerei. Ammer soll dort Apfelsaft getrunken haben, ohne zu bezahlen. Schaden: 45 Euro.