Bielefeld/Hille/Lübbecke (gär/-sg-). Das Gedränge in Saal 24 des Bielefelder Landgerichtes war groß. Stoisch ließ Björn P. aus Lübbecke das Blitzlichtgewitter der Fotografen und die grellen Scheinwerfer der Kamerateams über sich ergehen. Die Vorwürfe gegen ihn sorgten für Empörung, weil ein Kind in Hille (Kreis Minden-Lübbecke) in bislang wohl einmaliger Weise traktiert und misshandelt worden ist.
Im Verlauf des Prozesses hat er sich am Donnerstag bei dem Opfer und dessen Familie entschuldigt. Sein Anwalt, Andreas Cholesta, gab für ihn eine entsprechende Erklärung ab. Darin entschuldigte er sich für die körperlichen und seelischen Verletzungen, die er dem mittlerweile 14 Jahre alten Mädchen zugefügt habe. Vor der Tat stehe er heute fassungslos.
Über seinen Anwalt ließ er mitteilen, dass er die Tat keinesfalls vorsätzlich, sondern spontan begangen habe. Das Mädchen sei ihm am Ostermontag mit dem Rad auf dem Feldweg entgegen gekommen und habe einen Schlenker gefahren. Nicht absichtlich habe er sie mit dem Auto gestreift.
Verzweifelte Mutter
Gegenüber der Polizei hatte der fünffache Vater zunächst die Tat als vorsätzlich gestanden, das Geständnis dann aber widerrufen. Der damaligen Vernehmungssituation kurz nach der Festnahme sei er nicht gewachsen gewesen, erklärte er sein Verhalten.
Durch den Hintereingang war am Morgen die Mutter des Kindes in den Gerichtssaal geführt worden, um ihr die Konfrontation mit der Öffentlichkeit zu ersparen. Keines Blickes würdigte sie den Mann, der ihrer Tochter so unglaublich viel Leid angetan hat. "Unsere Familie ist seit dem Vorfall zerstört", begann sie ihre Aussage. Die Anwesenden konnte ihre Verzweiflung nachempfinden, als sie schilderte, wie ihr Kind an jenem Ostermontag um 20 Uhr nicht nach Hause gekommen war und sie auf einem Feldweg Fahrrad und Schuhe der damals 13-Jährigen fand.
Mädchen kann nur noch bei Eltern schlafen
Gegen 22 Uhr brachten Polizisten ihr Kind blutüberströmt und total verwirrt nach Hause. Eine Therapie will die Familie nach dem Prozess beginnen. "Meiner Tochter geht es richtig schlecht. Sie hat ständig panische Angst und kann nur im Bett der Eltern schlafen."
Sie bezeichnete ihre Tochter als sehr sichere Radfahrerin, so dass die Mutter sich nicht vorstellen könne, dass sie auf einem geraden Feldweg einen Schlenker gemacht hätte und in das Auto des Angeklagten gefahren sei.
Psychiater glaubt Angeklagtem nicht
"Anfangs sei er erregt gewesen, hinterher habe er sich wie das letzte Arschloch gefühlt", berichtete Psychiater Dr. Martin Reker von seinem Besuch bei Björn P. Anfang Juli in der Haftanstalt. Auch ihm gegenüber habe er die Vergewaltigung zugegeben. Der Gutachter sagte aus, dass er dem Hilfsarbeiter in vielen Dingen nicht glaube.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagte anschließend das vergewaltigte Mädchen aus.
Anfang der Woche war bekanntgeworden, dass sich der Angeklagte mit seiner langjährigen Lebensgefährtin aus dem Gefängnis heraus verlobt hat. Wie erwartet, machte sie am Donnerstag von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch: Nachfragen des Vorsitzenden Richters, ob sie die Verlobung aus taktischen Gründen eingegangen sei, verneinte sie mehrfach. Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings schon im Vorfeld den Aussagen der Frau keine zentrale Bedeutung beigemessen.
Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt, das Urteil wird am 24. August erwartet. Dem Angeklagten drohen 15 Jahre Gefängnis.