Bielefeld/Köln. Die Bestechungsvorwürfe gegen etwa hundert Professoren ziehen weite Kreise. Wie von der Neuen Westfälischen und dem Nachrichtenmagazin Focus exklusiv berichtet, stehen Hochschullehrer aus ganz Deutschland wegen des Verkaufs von Doktortiteln im Visier der Justiz. Ihnen wird vorgeworfen, möglicherweise ungeeignete Kandidaten als Doktoranden angenommen zu haben, bestätigte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld.
Ein "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach soll den Hochschullehrern Schmiergelder gezahlt haben. Die meisten Verdächtigen seien Aushilfsprofessoren oder Privatdozenten. Zu den offenbar betroffenen Universitäten Frankfurt, Tübingen, Leipzig, Rostock, Jena, Bayreuth, Ingolstadt, Hamburg, Hannover, Bielefeld, Hagen, Köln und Freie Universität Berlin und zu einzelnen Beschuldigten wollte die Staatsanwaltschaft zunächst keine Angaben machen.
Der Bielefelder Uni-Rektor Dieter Timmermann zeigte sich Sonntag überrascht von dem Korruptionsskandal. "Wir an der Universität Bielefeld haben bislang keinerlei Kenntnis von diesem Vorgang", sagte er der Neuen Westfälischen. Man warte jetzt ab, ob die Kölner Staatsanwaltschaft sich an die Uni wendet. Sollte sich der Verdacht auch gegen Hochschullehrer aus Bielefeld erhärten, kündigt Timmermann disziplinarrechtliche Konsequenzen an.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, der Wissenschaft entstünde ein großer Schaden, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. "Solches Verhalten würde die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zutiefst diskreditieren", so Schavan. Der Deutsche Hochschulverband forderte schärfere Regeln für Promotionen. Sinnvoll sei eine eidesstattliche Versicherung, dass die Promotion ohne unerlaubte Hilfe entstanden sei, sagte Geschäftsführer Michael Hartmer dem Sender MDR Sputnik. Oberstaatsanwalt Feld erklärte, es werde noch einige Zeit dauern, bis die zahlreichen Ermittlungsverfahren abgeschlossen sind. "Die müssen nach und nach abgearbeitet werden, die Geldflüsse müssen nachvollzogen werden."













