Mädchen (12) übernachtet bei einer Freundin – und sorgt für einen Großeinsatz der Polizei
Paderborn. Als gestern Morgen Verena A. (12) aus Paderborn vermisst wurde, dachte jeder unweigerlich an den Januar. Als überall Plakate mit dem Foto der achtjährigen Kardelen Kirac klebten. Bis sie tot gefunden wurde, hatten Eltern, Freunde und Bekannte Hoffnung, dass sie noch lebt. Und dass sie wieder auftaucht. So wie gestern Verena A., die die Nacht zum Montag bei einer Freundin verbracht hatte, ohne es ihren Eltern zu sagen.
Gegen 11.35 Uhr war das Mädchen wieder aufgetaucht, an der Ecke Rolandsweg/Stollbergallee. Nur wenige hundert Meter von der Stelle entfernt, an der sie zuvor zuletzt gesehen worden war: dem Rolandsbad. Luci W. aus Paderborn hatte auf einem Weg zwischen dem Bad und den Paderwiesen ein Mädchen gesehen und dachte: "Es könnte das gesuchte Mädchen sein, die Beschreibung mit einem rosa Rucksack könnte passen." Jedoch habe die 12-Jährige die Haare anders getragen als in der Radio-Beschreibung. Darauf ging Luci W. zu einem der vielen Polizeibeamten, die nach dem Kind suchten. Eine Nachfrage – und der Fall war geklärt. Es war Verena W. – und etwas irritiert. Denn ihr Fahrrad stand nicht mehr im Ständer am Rolandsbad, die Polizei hatte es mitgenommen.
Zuvor war der Bereich um das Freibad weiträumig abgesucht worden. Dort, wo sich die Spur des Mädchens am Sonntag verloren hatte. Sie war zum Schwimmen gegangen, gemeinsam mit ihrem Bruder, der sie um 16 Uhr zuletzt gesehen hatte. Um 20 Uhr sollte sie zu Hause sein. Als sie nicht kam, suchte ihre Familie erst selbst – ehe sie Verena gegen Mitternacht als vermisst meldeten. "Seitdem haben wir gemacht, was möglich ist", so Polizeisprecher Michael Biermann.
Hundertschaft aus Münster im Einsatz
In der Nacht wurde das Rolandsbad durchsucht. Einige Freunde und Bekannte wurden angerufen, um zu erfragen, ob das Mädchen dort sei. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkameras wurde eingesetzt sowie ein spezieller Spürhund. Am Morgen durchkämmten Einsatzkräfte der Hundertschaft aus Münster die Umgebung des Bades und die Paderwiesen, Feuerwehrleute stiegen in den Rothebach und fuhren über Pader und Padersee. Da das Rolandsbad selbst nicht videoüberwacht wird, hätte es auf diesem Weg keine Hinweise gegeben. Die Polizei hat ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anhörung habe keine Hinweise auf eine Straftat ergeben, so Biermann. Unklar ist, ob sich Verenas Familie an den Kosten der Suche beteiligen muss.
In der Nacht war auch Sebastian Muschiol, Leiter der Meinwerkschule, zu der das Mädchen geht, von der Polizei geweckt worden. "In Absprache mit der Polizei sind wir am Morgen mit dem Foto durch alle Klassen gegangen und haben das Verschwinden besprochen", sagte er. Glücklicherweise sollte sich seine Hoffnung bestätigen, dass das Mädchen irgendwo übernachtet habe. Sonst wäre es noch länger mucksmäuschenstill in der Meinwerkschule – und nicht nur am Montagmorgen.