Herford. Internet-Abzocke nennen es Verbraucherschützer: Tausende Kunden haben in den vergangenen Jahren Post vom Herforder Inkassodienst Collector oder seinem Nachfolgeunternehmen L&H erhalten, sollten Geld für die angebliche Nutzung von Seiten wie "Megadownloads" zahlen. Viele taten das, andere wehrten sich. Doch wer steckt hinter dem System?
Die Spuren führen in den Kreis Herford, nach Hannover, Wien. Claus Frickemeier war als Geschäftsführer im Unternehmensgeflecht tätig. Heute ist der Herforder Zeuge der Staatsanwaltschaften Hannover und Detmold - gegen ihn wird nicht ermittelt. "Ich will die Menschen informieren, wie die Firmen arbeiten, damit sie ihnen nicht auf den Leim gehen", sagt der Herforder. Zuletzt leitete er - über seine Frau, die als Geschäftsführerin eingetragen war - das Unternehmen L&H. Dieses trieb Forderungen für Megadownloads ein. "Von der Unternehmensstruktur und dem Vorgehen", versichert Frickemeier, "habe ich nichts geahnt."
Mittlerweile hat der entlassene Herforder einen Internet-Blog geschaltet, in dem er das Vorgehen der Hauptakteure schildert. Und L&H ist im Visier der Staatsanwaltschaft, die Konten mit rund einer Million Euro wurden von Ermittlern eingefroren. Es geht um Verdacht auf Geldwäsche und Betrug.
"In den 90ern ein hochseriöses Unternehmen"
"Im September 2008 suchte ich einen neuen Job und wurde über die Arbeitsagentur an Collector vermittelt", schildert der 42-Jährige. Den Geschäftsführer R. kannte er seit Mitte der 90er Jahre und habe mit ihm bereits für den Inkassodienst von Frank B. aus Vlotho gearbeitet. B., ehemals Collector-Inhaber, gilt nach wie vor als Strippenzieher in dem Inkassosystem. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld bestätigte, wurde Mitte August ein Verfahren gegen ihn wegen Geldwäscheverdachts nach Hannover abgegeben, wo nun die Hauptermittlungen laufen. "Das war damals in den 90ern ein hochseriöses Unternehmen. Einzelhändler und die Möbelindustrie zählten zu den Kunden", erklärt Frickemeier, weshalb er in einem Callcenter von B. in Vlotho als Abteilungsleiter begann. Was er nicht wusste: Zu der Zeit war bereits die Geschäftsführerin (44) dieses Zweiges im Visier der Detmolder Staatsanwaltschaft - das Verfahren wurde jüngst gegen eine Geldauflage eingestellt."Später habe ich dann zwei weitere Geschäftsführerpositionen übernommen", erzählt der Familienvater von seinem Aufstieg in dem regionalen Inkasso-Imperium. Zum Jahresende 2008 habe ihn Frank B. gefragt, ob er nicht ein großes Callcenter in Hannover übernehmen wolle. "Die GmbH könnte ja über meine Frau laufen", so Frickemeier. "Startkapital sollte aus Wien kommen." Tatsächlich sei das Geld von einem österreichischen Geschäftsmann geflossen. Vor dem Start habe er dann von B. den Auftrag erhalten, über die neue Gesellschaft schon mal das Projekt "Megadownloads" abzuwickeln und Konten für L&H zu eröffnen - in Hannover und Herford. "B. sagte mir, man wolle nicht nur von einer Bank abhängig sein." Also eröffnete er mehrere Konten, es floss das erste Geld. Mehr als 300.000 Euro waren es laut Frickemeier allein auf einem Herforder Konto.
Unterlagen den Ermittlern überlassen
Nach Informationen der Neuen Westfälischen gehen die Ermittler in Hannover dem Verdacht nach, dass die Zahler die Internetseite "Megadownloads" nicht einmal aufgerufen haben. Stattdessen, so vermuten die Ermittler, wurden einfach tausende Adressen von Händlern gekauft und dann Mahnungen verschickt. Die Spekulation: Schon ein geringer Prozentsatz von Zahlern bringt hohe Gewinne.Schließlich kappte aber die Herforder Bank das Konto, so Frickemeier. Und der 42-Jährige begann zu recherchieren. Dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe: "Ich stieß in Vlotho auf eine Excel-Datei, auf der Hunderte Strafanzeigen samt Aktenzeichen aufgeführt waren" - samt Vermerk zum Verfahrensstand. Da habe er begonnen, Fragen zu stellen, beschreibt der Herforder die Wochen vor seiner Entlassung. Die kam schließlich mit dem Grund, er habe zu viel Urlaub gemacht, sagt Frickemeier und lacht. Seine Unterlagen habe er den Ermittlungsbehörden überlassen. Seine Erfahrungen schildert er unter http://inside-megadownloads. blogspot.com.













