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28.08.2009
HERFORD
Im Netz der Internet-Abzocker
Ehemaliger Geschäftsführer berichtet über Hintergründe
VON JOBST LÜDEKING

Herford. Internet-Abzocke nennen es Verbraucherschützer: Tausende Kunden haben in den vergangenen Jahren Post vom Herforder Inkassodienst Collector oder seinem Nachfolgeunternehmen L&H erhalten, sollten Geld für die angebliche Nutzung von Seiten wie "Megadownloads" zahlen. Viele taten das, andere wehrten sich. Doch wer steckt hinter dem System?

Die Spuren führen in den Kreis Herford, nach Hannover, Wien. Claus Frickemeier war als Geschäftsführer im Unternehmensgeflecht tätig. Heute ist der Herforder Zeuge der Staatsanwaltschaften Hannover und Detmold - gegen ihn wird nicht ermittelt. "Ich will die Menschen informieren, wie die Firmen arbeiten, damit sie ihnen nicht auf den Leim gehen", sagt der Herforder. Zuletzt leitete er - über seine Frau, die als Geschäftsführerin eingetragen war - das Unternehmen L&H. Dieses trieb Forderungen für Megadownloads ein. "Von der Unternehmensstruktur und dem Vorgehen", versichert Frickemeier, "habe ich nichts geahnt."

Mittlerweile hat der entlassene Herforder einen Internet-Blog geschaltet, in dem er das Vorgehen der Hauptakteure schildert. Und L&H ist im Visier der Staatsanwaltschaft, die Konten mit rund einer Million Euro wurden von Ermittlern eingefroren. Es geht um Verdacht auf Geldwäsche und Betrug.

"In den 90ern ein hochseriöses Unternehmen"

"Im September 2008 suchte ich einen neuen Job und wurde über die Arbeitsagentur an Collector vermittelt", schildert der 42-Jährige. Den Geschäftsführer R. kannte er seit Mitte der 90er Jahre und habe mit ihm bereits für den Inkassodienst von Frank B. aus Vlotho gearbeitet. B., ehemals Collector-Inhaber, gilt nach wie vor als Strippenzieher in dem Inkassosystem. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld bestätigte, wurde Mitte August ein Verfahren gegen ihn wegen Geldwäscheverdachts nach Hannover abgegeben, wo nun die Hauptermittlungen laufen. "Das war damals in den 90ern ein hochseriöses Unternehmen. Einzelhändler und die Möbelindustrie zählten zu den Kunden", erklärt Frickemeier, weshalb er in einem Callcenter von B. in Vlotho als Abteilungsleiter begann. Was er nicht wusste: Zu der Zeit war bereits die Geschäftsführerin (44) dieses Zweiges im Visier der Detmolder Staatsanwaltschaft - das Verfahren wurde jüngst gegen eine Geldauflage eingestellt.

"Später habe ich dann zwei weitere Geschäftsführerpositionen übernommen", erzählt der Familienvater von seinem Aufstieg in dem regionalen Inkasso-Imperium. Zum Jahresende 2008 habe ihn Frank B. gefragt, ob er nicht ein großes Callcenter in Hannover übernehmen wolle. "Die GmbH könnte ja über meine Frau laufen", so Frickemeier. "Startkapital sollte aus Wien kommen." Tatsächlich sei das Geld von einem österreichischen Geschäftsmann geflossen. Vor dem Start habe er dann von B. den Auftrag erhalten, über die neue Gesellschaft schon mal das Projekt "Megadownloads" abzuwickeln und Konten für L&H zu eröffnen - in Hannover und Herford. "B. sagte mir, man wolle nicht nur von einer Bank abhängig sein." Also eröffnete er mehrere Konten, es floss das erste Geld. Mehr als 300.000 Euro waren es laut Frickemeier allein auf einem Herforder Konto.

Unterlagen den Ermittlern überlassen

Nach Informationen der Neuen Westfälischen gehen die Ermittler in Hannover dem Verdacht nach, dass die Zahler die Internetseite "Megadownloads" nicht einmal aufgerufen haben. Stattdessen, so vermuten die Ermittler, wurden einfach tausende Adressen von Händlern gekauft und dann Mahnungen verschickt. Die Spekulation: Schon ein geringer Prozentsatz von Zahlern bringt hohe Gewinne.

Schließlich kappte aber die Herforder Bank das Konto, so Frickemeier. Und der 42-Jährige begann zu recherchieren. Dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe: "Ich stieß in Vlotho auf eine Excel-Datei, auf der Hunderte Strafanzeigen samt Aktenzeichen aufgeführt waren" - samt Vermerk zum Verfahrensstand. Da habe er begonnen, Fragen zu stellen, beschreibt der Herforder die Wochen vor seiner Entlassung. Die kam schließlich mit dem Grund, er habe zu viel Urlaub gemacht, sagt Frickemeier und lacht. Seine Unterlagen habe er den Ermittlungsbehörden überlassen. Seine Erfahrungen schildert er unter http://inside-megadownloads. blogspot.com.


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Kommentare
Softwaresammler.de ist der Nachfolger von opendownload.de, und nicht von megadownloads.net. Ich habe die Akte-Sendung ebenfalls gesehen. Opendownload bzw. jetzt softwaresammler gehört der online contend.ltd. und megadownloads. net der Loadhouse FZE. Das sind verschiedene Firmen aber die gleiche Masche. Beide wollen 96 €/Jahr....für Freeware, wohlgemerkt. Wenn da ein Abovertrag mit der Anmeldung stattfinden sollte....wo ist dann die Frage nach der Zahlungsart? Das gehört doch in einen ABO-Vertrag? Zumindest wenn man bei seriösen Leuten ein Abo abschließt. Und die Kostenpflicht ist auch nicht klar erkennbar. Die Leute, die was runterladen wollen, landen aber nicht auf der Startseite, wo der Preis riesengroß ist, sondern auf einer Seite mit einem Anmeldeformular und Schrift, wo man eine Lupe braucht. Da (bei megadownloads.net) steht auch: " Hol dir deinen Account." So denkt man eher, sich für ein Forum anzumelden, so auch ich selbst.

Der Laden ist die größte Abzocke überhaupt. Aber teilweise sind die Nutzer selbst Schuld. Wenn ich mich zum download eines KOSTENLOSEN Programms anmelden soll kommen ja schon Zweifel auf. Und einmal kurz Mega-Downloads googeln, und man weis woran man ist. @Thorsten R. Ich muss ihnen zustimmen, das die Mitarbeiter nicht ahnen was dort läuft, ist schwer vorstellbar!

Das Offenlegen von Herrn Frickemeier finde ich super (ist auch ein sympatischer Mensch), aber seine Aussage: "er habe nichts geahnt" ist lächerlich!! Anfang des Jahres bekam ich ebenfalls den Vorschlag vom Arbeitsamt mich dort zu melden (als Admin), hatte auch binnen kürzester Zeit von Herrn B. eine mündliche Zusage, nach einem Tag Probe meinerseits war mir aber sofort klar, dass hier eine riesige Abzocke läuft! Habe mich bei Collektor abgemeldet und das Amt informiert.

Megadownloads und deren Nachfolger softwaresammler.de sind die absoluten Abzocker. Obwohl in diversen TV Sendungen ( Akte & Wiso ) darüber berichtet und gewarnt wurde, fallen offensichtlich immer noch genügend Leute auf diese Masche herein. Mich persönlich hat man nur über meine Mail Adresse angeschrieben, allerdings mit einer falschen Adresse.Natürlich habe ich nicht bezahlt und das sollte eigentlich auch keiner tun, denn zum Mahnbescheid o.ä. kommt es nie, bzw ist es noch nie zu gekommen.



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