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06.09.2009
HERFORD
Kastrierte Kater leben länger
Wie Jäger und Tierschützer im Kreis Herford die unkontrollierte Vermehrung in den Griff kriegen wollen
VON JOBST LÜDEKING UND NICOLE HILLE-PRIEBE

Freie Natur | FOTO: DPA

Herford/Bielefeld. Die Arbeitsgemeinschaft Tierschutz Herford darf weiterhin verwilderte Katzen kastrieren. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen der Kreisjägerschaft Herford, den Tierschützern und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Zuvor hatte es Streit gegeben: Die Kreisjägerschaft hatte gefordert, die Katzen wegen der Gefahr für andere Wildtiere notfalls zu töten, anstatt sie zu kastrieren und dann wieder freizulassen.

Verwilderte Hauskatzen, die sich unkontrolliert vermehren, sind in ganz Ostwestfalen-Lippe ein Problem. Doch wie soll man dem Herr werden? Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Tierschutz in Herford hatten die Katzen eingefangen, kastrieren oder sterilisieren lassen und wieder in ihrem alten Revier ausgesetzt.

Dieses Vorgehen stieß auf die Kritik der Jäger: Weil diese Katzen auch Singvögel und Wildtiere erbeuten, machten die Jäger Bedenken geltend. Sie berufen sich unter anderem auf das gesetzliche Verbot, Tiere in der Natur auszusetzen, und plädieren dafür, die Katzen notfalls zu töten, wenn es für sie keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten in Tierheimen oder in Familien gibt – als Ultima Ratio für den Naturschutz.

Warten auf die Entscheidung der Behörde

Der Kompromiss sieht nun vor, dass das Projekt weiterbetrieben werden kann – in Siedlungsbereichen. "Bei Beachtung des Tierschutzrechts kann die Herforder Arbeitsgemeinschaft Tierschutz das Projekt außerhalb jagdlich relevanter Flächen fortsetzen", heißt es wörtlich in der nun von beiden Seiten unterzeichneten Erklärung. Das bedeutet, dass die Katzen in Siedlungen gefangen werden dürfen. Die Jäger halten ihre Bedenken jedoch aufrecht und warten jetzt auf die Entscheidung der Oberen Jagdbehörde in Düsseldorf.

In der Erklärung gibt es auch einen gemeinsamen Vorstoß beider Organisationen. In Herford und in anderen Städten des Kreises wollen sie sich für ein Kastrationsgebot einsetzen. Das Modell kommt ursprünglich aus Österreich und sorgt bereits in Paderborn und Bünde dafür, dass alle Katzen, die von ihren Besitzern freien Auslauf erhalten, kastriert oder sterilisiert werden müssen. "Die Ergebnisse aus Paderborn werden als positiv bewertet", erklärte Jochen Meyer zu Bexten, Vorsitzender der Kreisjägerschaft.

Die Pflicht zu Kastration war in Paderborn ohne öffentlichen Widerspruch akzeptiert worden. Renate Siekkötter, Vorsitzende des Tierschutzvereins Herford, sieht in dem Gebot einen wichtigen Schritt. "Das System ist gut, gleichzeitig müssen aber auch die verwilderten Hauskatzen weiter kastriert werden." Ihre Kollegin vom Bielefelder Tierschutz, Lilo Thenhausen, ist da anderer Meinung: "Eine Kastration kostet etwa 120 Euro. Für viele sind die Kosten ein Problem, nicht die Einstellung. Ohne finanziellen Zuschuss kann man niemanden zwingen."


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