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09.09.2009
DETMOLD
Streit um Varusschlacht: Neue Funde in Kalkriese
Archäologen sehen Bestätigung für Ort des Kampfes / Zweifel im Kreis Lippe
VON HUBERTUS GÄRTNER

Kleinod | FOTO: DPA

Osnabrück/Detmold. Archäologen haben bei Ausgrabungen offenbar neue Hinweise darauf entdeckt, dass die Varusschlacht bei Kalkriese nördlich von Osnabrück stattgefunden hat. "Unsere These wurde in den letzten Wochen bestätigt", sagte Grabungsleiterin Susanne Wilbers-Rost der Neuen Westfälischen. Man habe nicht nur einen von Germanen als Hinterhalt errichteten Wall nachgewiesen, sondern auch viele Gegenstände gefunden.

Bereits seit etwa 20 Jahren wird in Kalkriese bei Osnabrück nach und nach ein antikes Schlachtfeld freigelegt. In einer mehrere Kilometer langen Senke haben die Archäologen bereits zahlreiche Funde gemacht. Nach Angaben von Wilbers-Rost wurden unlängst noch zwei römische Pferdegeschirranhänger, diverse Münzen, Sandalennägel, Überreste von Lanzen und ein Bruchstück eines gläsernen Auges freigelegt.

Unter Experten ist aber nach wie vor umstritten, ob diese Indizien tatsächlich für den Nachweis der Varusschlacht ausreichen. Den genauen Ort der Schlacht habe man immer noch nicht gefunden, glaubt zum Beispiel Rudolf Asskamp, Leiter des Römermuseums in Haltern. Auch die Münzfunde in Kalkriese könnten nicht als Beweismittel dienen.

Drei Legionen vernichtend geschlagen

Bei der Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. waren drei römische Legionen unter dem Kommando des römischen Staatshalters Varus von germanischen Stämmen unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius vernichtend geschlagen worden. In den Jahren 14 bis 16 n. Chr. hatte es dann römische Rachefeldzüge unter der Führung des Germanicus gegeben, bei denen es ebenfalls zu heftigen Kämpfen gekommen war. Die Archäologin Wilbers-Rost ist überzeugt, dass in Kalkriese nicht die römischen Truppen des Germanicus gekämpft haben, sondern tatsächlich die Legionen des Varus untergegangen sind.

Im Kreis Lippe, wo das Hermannsdenkmal steht, ist man von dem neuerlichen Vorstoß aus Kalkriese überrascht: "Ich frage mich, ob das nicht etwas zu viel Begeisterung ist", sagte Elke Treude, Leiterin des Lippischen Landesmuseums. Sie will nun in der nächsten Woche einen wissenschaftlichen Kongress in Osnabrück abwarten, wo die neuesten Funde aus Kalkriese präsentiert werden sollen.

Wegen einer großen Ausstellung zum 2.000. Jahrestag der Varusschlacht, die seit Mai gleichzeitig in Haltern, Kalkriese und in Detmold unter dem Motto "Imperium - Konflikt - Mythos" stattfindet, hatten die Kontrahenten eigentlich einen Burgfrieden geschlossen. Weder Lippe noch die Niedersachsen wollten den Ort der Varusschlacht lautstark für sich reklamieren. Nun preschen die Verantwortlichen in Kalkriese wieder vor. Als zusätzliche Werbung hätten sie es nicht nötig. Die Ausstellungen "Imperium" in Haltern und "Konflikt" in Kalkriese verzeichneten jeweils bereits mehr als 100.000 Besucher. Nach Detmold, wo die Ausstellung dem "Mythos" der Varusschlacht gewidmet ist, kamen 62.000 Besucher. Kommentar


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