Bielefeld. Es hat geklappt: Der Bielefelder Ortsteil Brackwede wird künftig im berühmten Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet sein. Als Austragungsort eines der wohl schweißtreibendsten erfolgreichen tanzsportlichen Rekordversuche aller Zeiten. 1.067 begeisterte Tänzer haben gestern auf dem abgesperrten Stadtring einen neuen Weltrekord im Jumpstyle-Tanzen aufgestellt.
Jumpstyle ist ein derzeit vor allem bei Jugendlichen beliebter Tanz, der aus einer vorgegebenen Reihe von Sprungschritten besteht. Um den bisherigen von Guinness anerkannten Rekord zu schlagen, mussten gestern mindestens 1.031 Tänzerinnen und Tänzer mindestens fünf Minuten lang eine bestimmt Folge tanzen. Der vom Team der Tanzschule Kalkbrenner auf die Beine gestellte Rekordversuch wurde zum Schluss zu einer nervenaufreibenden Zitterpartie.
Wohl nicht zuletzt wegen des am frühen Nachmittag einsetzenden Regens kamen zunächst viel weniger Teilnehmer als erhofft. Um 16 Uhr sollte der Rekordversuch starten, um 15.20 Uhr hatten sich erst 657 Rekordaspiranten registrieren lassen. "Es könnten ein paar mehr sein", meinte Bezirksamtsleiter Egon Schäffer und runzelte die Stirn. Schäffer hatte sich bereit erklärt, als Amtsperson die Teilnehmer offiziell zu zählen. "Das schreibt Guinness so vor", erläuterte Tanzschulchef Norbert Kalkbrenner.
Während Schäffer und sein Kollege Rolf Zawada fleißig die durch den Notausgang der Tanzschule strömenden Tänzer zählten, wurde auf der Straße fleißig weiter geübt. "Wir haben den Tanz erst am letzten Freitag in der Schule gelernt", erzählen Nele und Zuhal aus der 7c der Theodor-Heuss-Schule, "aber wir kriegen das bestimmt hin". Überall sah man kleine und größere Grüppchen, die sich schon einmal warm tanzten.
Mehrfach wurde der Starttermin verschoben.Schließlich hatte Christopher Kalkbrenner, Ideengeber und Motor des Rekordversuchs, den rettenden Einfall. Er richtete einen flammenden Appell an die Zuschauer, sich doch bitte zu beteiligen.
Und die Leute machten tatsächlich mit. Da man eine Jumpstyle- Choreografie nicht mal eben aus dem Stehgreif* tanzen kann, wurde blitzschnell ein Last-Minute-Workshop organisiert. "Es ist doch Ehrensache, dass man die jungen Leute hier nicht hängen lässt", meinte der 48-jährige Andreas Kaup, der sich spontan mit seinem 20-köpfigen Freundeskreis registrieren ließ. Um 16.45 kam die erlösende Botschaft vom Urkundsbeamten Egon Schäffer: "Wir haben jetzt 1.067 Teilnehmer".
Kleine, bezaubernde Verzögerung
Der Tanz hätte nun beginnen können. Aber es gab noch eine kleine, bezaubernde Verzögerung. Christopher Kalkbrenner nutzte die große Kulisse, um seiner Freundin Larissa Krieger mit Erfolg einen Heiratsantrag zu machen. Als die beiden sich dann auf der Bühne küssten, kannte der Jubel keine Grenzen.
Jetzt konnte das große Jumpen beginnen. In Vertretung des im Krankenhaus liegenden Bezirkssvorstehers Siegfried Kienitz gab Bezirksvertreter Herbert Braß das Startkommando. Und dann tanzten sie, die 1.067 Bielefelderinnen und Bielefelder. Und das nicht etwa nur fünf, sondern sogar 13 lange Minuten. "Diesen Rekord kann uns Brackwedern so schnell niemand wieder wegnehmen", freute sich Brackwedes First Lady Tina Kienitz.