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01.10.2009
BIELEFELD
Diskussionen um Bielefelder Obersee als Badesee
Reaktionen vom barschen "Ist Quatsch" bis zum aufgeschlossenen "Ja, versuchen"
VON KURT EHMKE

So könnte es aussehen | FOTOMONTAGE: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Der Bielefelder Obersee als Badesee ist denkbar – schon in zwei Jahren. Das sagt Biologe und Obersee-Kenner Dr. Hartmut Späh (die NW berichtete). Grund: Die belasteten Bäche fließen nun um den See herum, zudem sollen eingesetzte Muscheln und Krebse das Wasser intensiv reinigen. Der Bestand an Wasservögeln müsste aber reduziert werden. Die Reaktionen auf die Vision: alles – vom rigiden Nein bis zum optimistischen Ja.

Massiv widerspricht Georg Fortmeier (SPD) dem Biologen: "Das ist völliger Quatsch, da kann man nicht drin baden, wahrscheinlich nicht einmal in 20 Jahren." Fortmeier ist Vorsitzender des Umweltausschusses. Solange in Werther über die Kläranlage der Schwarzbach belastet werde, dieser in den Johannisbach fließe und dieser teilweise in den Obersee einströme, sei der Badesee Utopie – "übrigens auch wegen der Landwirtschaft." Fortmeier: "Sandstrand, okay, mit dem Boot mal rauspaddeln, auch okay – aber mehr geht nicht."

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Soll der Bielefelder Obersee Badesee werden?





Das mit dem einströmenden Schmuddelwasser unterschreibt ein Experte der Stadt so nicht, die Menge sei offen, hänge von Hochwässern ab. "Mal abwarten, es kann auch sehr wenig sein."
Fortmeiers Stellvertreter Hartmut Meichsner (CDU) ist offener: "Bielefeld braucht sowas, gerne am Obersee, noch lieber am Untersee." Abwartend zeigt sich auch Ralf Nettelstroth (CDU, ebenfalls Mitglied im Umweltausschuss). Er hält die Idee nicht für utopisch, will aber abwarten, "wie sich die Wasserqualität entwickelt". Erst, wenn sie in der Nähe der Normen wäre, "müssten wir das ernsthaft diskutieren". Für ihn spielt dabei auch der seit Jahrzehnten mal mehr mal weniger realistische Untersee eine Rolle: "Eigentlich sollte ja der Obersee der naturnahe See sein und der Untersee der Freizeitsee." Einen Obersee mit möglichem Sandstrand am Südufer – an den Spielplätzen, im Bereich des Mittelsteges oder beim Viadukt – lehnt er aber nicht rundherum ab. "Das wäre ein neues Konzept."

Abwarten im Rathaus

In der Stadtverwaltung reagieren Angesprochene zurückhaltend, einerseits wird dem Biologen Späh eine hohe Kompetenz zugestanden, andererseits eher abwartend reagiert. "Lassen wir erst einmal ein, zwei Jahre vergehen", so eine Aussage, möglich aber sei die Badesee-Vision.

Der angehende Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), will erstmal die Wasserqualität abwarten, ist aber aufgeschlossen für die Idee (NW morgen: Clausen im Interview zum Obersee).

Nur ein Versuch macht klug, findet Marianne Weiß, Ex-Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen. Sie sieht gute Chancen, "dass die Brühe von früher bald badetauglich ist". Viel spräche für die Vision: Neben der Sehnsucht der Bielefelder nach einem Naturbadegewässer auch, "dass es für Schwimmer einmal keine Öffnungszeiten gibt". Sie sieht aber die Problembereiche "Parkplätze und Anwohner": "Mit etwas gutem Willen müsste das aber zu lösen sein." Leider sei die Stadtbahnhaltestelle etwas weit weg.

Erstmal Bötchen fahren

Seekrug-Chef Christian Schulz sieht zwei Seiten der Medaille: "So, wie man sich das vorstellt, wäre das eine ganz tolle Geschichte für Bielefeld – es muss aber allen klar sein, dass da dann auch nachts gebadet wird." Er persönlich werde erst einmal einen Vorstoß "in Richtung Bötchen fahren machen".

Aufgeschlossen ist Monika Kammeier (CDU), Vorsitzende des Vereins "Pro Untersee": "Hier baden zu können, wäre für die Menschen zu begrüßen." Daran, dass die Wasserqualität passen wird, hat sie wenig Zweifel: "Die EU hat ja für die Fließgewässer klare Vorgaben gemacht, die werden jetzt umgesetzt, dazu die Umbauarbeiten am Obersee und die Muscheln und Krebse – das wird sauber werden." Naturgemäß bevorzugt sie einen Untersee als Badesee, ist aber auch einer Bademöglichkeit am Obersee nicht abgeneigt. Als Probleme sieht sie: "Fehlende Parkplätze und Sanitäranlagen sowie die Verkehrssicherungspflicht". Dennoch: "Der Nordosten ist wasserfreie Zone in Bielefeld, das Baden in naturnahen Gewässern ist sehr beliebt – das spricht beides für die Idee."


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Kommentare
@Peter: Auch wenn ich es nicht unbedingt befürworte, es gibt Städte die sich die Berge nach Hause holen. Nämlich in Form von Skihallen;). Jetzt aber wieder zurück zum Thema. Ich halte ein Badegewässer in Bielefeld für die Richtige Entscheidung. Dabei muss es sich ja nicht unbedingt um den Obersee handeln, wenn diese Variante jedoch die am ehesten Umsetzbare ist, dann halte ich den Vorschlag für gut. In puncto Attraktionen muss in Bielefeld auf jeden Fall einiges geschehen, und ein Badegewässer im Stadtgebiet halten viele Menschen für einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Was das Verkehrsaufkommen betrifft, kann man sowas wie Shuttle Busse einrichten, damit wäre Teil des Problems gelöst. Und mal ehrlich, wann wird´s den wirklich mal proppevoll an einem See? In den Ferien und am Wochenende. Und dann auch nur im Sommer (wenn das Wetter mitspielt). Es bestünde also an ca. 2 Monaten im Jahr die theoretische Gefahr, dass es etwas voller werden könnte. Das Beispiel mag von wegen der Stadtgröße etwas weit hergeholt sein, aber in Berlin (wo ich zur Zeit lebe) wird zu allen Zeiten im Jahr an beinahe jedem Wochenende irgendeine andere Hauptverkehrsstaße für irgendein Unterhaltungsprogramm gesperrt. Das sorgt dafür, dass alle anderen Staßen verstopfen. Und finden die Berliner Ihre Stadt deswegen weniger lebenswert? Nein! Sie freuen sich über die zahlreichen Angebote und das Image der Stadt ist positiver denn je. Ich bin der Meinung, in Bielefeld muss noch viel viel mehr zur Aufpolierung des Stadtimages geschehen. Legt endlich die bäuerliche Skepsis ab und denkt großstädtisch!

In so einer "Plürre" würd ich baden!

Der Obersee darf kein Rummelplatz werden! Er sollte eine recht ruhige Anlage mit viel grün drumherum zum spazieren gehen und erholen bleiben. Lärmende Badegäste, Blechlawinen mit Grossparkplatz und entsprechender Zerstörung der Landschaft? Nein danke!!! Die vorhandene Gastronomie ist vorbildlich integriert und reicht aus. Bielfeld liegt nun mal im Binnenland und an keinem Gewässer, da muss nicht krampfhaft ein See oder dergleichen herbeigezaubert werden. Schließlich käme wohl auch kaum jemand auf die Idee die Installation von Hochgebirge zu verlangen, nur weil Bürger in Bielefeld die Berge vermissen.

Was ist das wieder für eine dumme Idee? Obersee = Naturschutz und Erholung, Untersee = Sport und Baden. Wann kommt endlich der Untersee? Reichen ca. 40 Jahre Diskussion nicht langsam? Es gibt zu wenig Freizeitangebote in Bielefeld, besonders für die Jugend!

Dinge mit scheinheiligen Gründen tod reden oder einfach Aussitzen ist ja in der Politik ein beliebtes Mittel zum Zweck. Von der Bielefelder Politik kann der ein oder andere Politiker aber noch etwas lernen, denn die beherschen solche Taktiken wirklich in absoluter Perfektion. Ein Unternehmer, der immer nur Probleme sieht, anstatt nach Lösungen zu suchen, würde auf dem freien Markt keine paar Jahre überleben. Warum wird nicht überlegt noch ein paar zusätzliche Muscheln und Krebse in den Obersee zu setzen, die das Wasser reinigen, anstatt es wie Georg Fortmeier (SPD) als "totalen Quatsch" zu bezeichen, dass dort in den nächsten 20 Jahren gebaden werden kann. Warum muss man erst wieder zwei Jahre warten, wie Herr Clausen oder Herr Nettelstroth das vorschlagen, nur um sich darüber zu unterhalten? Warum wird nicht endlich mal im Sinne der Menschen gehandelt und entschieden? Davon gibt es nämlich in Bielefeld einige zehntausende, die gerne endlich ein Freizeitgewässer hätten und dies nicht erst nutzen wollen, wenn sie 80 sind!



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