Gütersloh (cos). Den Mörder von Ingrid Amtenbrink zu finden, dieses Ziel verfolgt weiterhin die Mordkommission "Korn" mit unveränderter Mannstärke. "Wir werden nicht locker lassen", kündigt Polizeisprecher Karl-Heinz Stehrenberg an. Nicht locker lassen, das heißt auch, dass tausende Unschuldige überprüft werden, um einen Schuldigen zu finden. Aber das birgt Konfliktpotenzial, denn einige Unschuldige halten sich für so offensichtlich unschuldig, dass sie die Kooperation verweigern.
Er habe ja nicht einmal Punkte in Flensburg, "und jetzt stehe ich im 75. Lebensjahr unter Mordverdacht", schrieb gestern der Rentner Gernot Messarius in einem Leserbrief an die NW, der zu einigen Reaktionen führte - zustimmenden wie ablehnenden. Messarius ist einer von den zehn Güterslohern, die den Speicheltest verweigern. Der Staatsanwalt könnte ihn zwingen, aber ob es dazu kommt, ist noch offen.
Etwa 7.000 Speicheltests plant die Polizei, rund 1.000 fehlen noch. "Wir sind weiterhin hochzufrieden mit der Akzeptanz unserer Ermittlungen in der Bevölkerung", sagt Stehrenberg. Die 1.000 noch fehlenden Tests seien darauf zurückzuführen, dass die betreffenden Männer im Urlaub waren oder anderweitig verhindert. Erneut werden die Beamten von Haus zu Haus gehen, bis alle Tests beisammen sind. Auch bei Messarius und den anderen Test-Unwilligen werden sie klingeln - und sich einen Korb einhandeln. "Zwingen können wir als Polizei niemanden", sagt Stehrenberg. Die Verweigerer müssten sich aber darauf einstellen, dass sich die Polizei für ihr Alibi interessiert. "Was dann letztlich der Staatsanwalt entscheidet, werden wir sehen", sagt Stehrenberg.
"Wir alle sind potenzielle Opfer"
"Rücksichtslos" findet NW-Leserin Dietlind Sander die Verweigerungshaltung: "Wir alle sind potenzielle Opfer oder Angehörige, deshalb sollten wir ein Interesse an der schnellstmöglichen Aufklärung haben." Die Polizei könne nicht eindeutig Unbescholtene wie Messarius in einer Spezialdatei registrieren, um diese dann von den Ermittlungen auszuklammern.
"Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht", sagt ein anderer Leser, der Messarius unterstützt und Speicheltest sowie Handy-Ortungen als Angriff auf seine Privatsphäre empfindet. Die Alters-Obergrenze für den Speicheltest bei 80 festzulegen, halte er für übertrieben. "Ein 80-Jähriger, der nachts im Feld Frauen ermordet, das ist nun wirklich nicht vorstellbar."