Paderborn. Es herrscht Misstrauen an der Universität Paderborn. Der Grund: Vorenthaltene Informationen. Ohne jeden Beleg hält sich hartnäckig das Gerücht, die umstrittenen Netbooks für Erstsemester seien mit ungenutzten Studiengebühren subventioniert worden. An Belegen fehlt es jedoch auch in den entsprechenden Verwendungsberichten der Fakultäten. Die Arbeit eines hauseigenen Prüfungsgremiums ergab kürzlich, dass 24 Prozent der Mittel nicht detailliert abgerechnet wurden - schätzungsweise mehr als eine Million Euro.
In der Senatssitzung am 16. September benannte Barbara Tigges-Mettenmeier, Vorsitzende des siebenköpfigen Prüfungsgremium zur Sicherung der Qualität der Lehr- und Studienorganisation (QdL-PG) diesen Mangel für die Nachweisberichte des Wintersemesters 2007/2008 sowie des Sommersemesters 2008. Zum Verbleib rund eines Viertels der Mittel könne ihr Gremium deshalb keine Aussage machen, so Tigges-Mettenmeier. Eine Zahl, die Präsident Nikolaus Risch nach unabhängiger Aussage mehrerer Senatsmitglieder aufgrund ihrer "Ungenauigkeit" nicht in das Protokoll des öffentlichen Sitzungsteils aufnehmen wollte. Dort heißt es lediglich: "Als bedeutender Kritikpunkt wird die Nichtverausgabung von Beitragsmitteln genannt, deren exakte Höhe nicht habe ermittelt werden können."
Den schriftlichen Prüfungsbericht sowie die Stellungnahme des siebenköpfigen Gremiums erklärte das Präsidium kurzerhand zur Verschlusssache. Gegen den Mehrheitsbeschluss der Gremiumsmitglieder wurden deren Arbeitsergebnisse erstmals in seiner dreijährigen Geschichte nicht im Internet veröffentlicht. Selbst die Senatsmitglieder erhielten den - auf jeder Seite als vertraulich gekennzeichneten - Bericht erst, nachdem sie lautstark protestiert hatten.
Die Ursache dieser Brisanz liegt in dem mehr als 300 Seiten starken Verwendungsbericht der Fakultäten. "Dort gibt es Positionen in Höhe von 100.000 Euro, die pauschal mit dem Vermerk ,Anschaffung’ begründet sind", berichtet ein weiteres Senatsmitglied. "An anderer Stelle wird eine einzelne Computermaus hingegen mit Quittung und Lieferschein abgerechnet."Schwankungen, die eine lückenlose Nachvollziehbarkeit unmöglich machen, wie Tigges-Mettenmeier zugibt.
Für die Zukunft hofft die Vorsitzende des Prüfungsgremiums auf "einheitlichere Angaben". Mit "ganz großer Sicherheit" könne der kommende Bericht anschließend auch veröffentlicht werden, sagt Tigges-Mettenmeier. "Das ist erledigt", kommentiert sie die unklaren Mittelverwendungen und fügt hinzu: "Wenn wir weitergesucht hätten, hätten wir sicher eine Antwort bekommen, wie die Gelder verwendet worden sind."