Paderborn. Selten hat Nikolaus Risch von seinen Studenten so viel Applaus bekommen wie gestern Mittag – für eine Selbstverständlichkeit. Nachdem es im Treppenhaus vor dem Senatssitzungssaal zu einem Massenprotest kam, bot der Präsident der Universität Paderborn den erbosten Studenten das Gespräch an. Thema: seine eigene intransparente Informationspolitik.
Rappelvoll war folgerichtig am Abend der Audimax. 600 Plätze hat der Saal, hunderte weitere Studenten verfolgten per Videoübertragung Rischs Auftritt auch von den Fluren aus. Die Stimmung war aufgeladen, der Präsident demonstrierte Einsicht. Er sagte für die Zukunft regelmäßige Informationsveranstaltungen für die Paderborner Studenten zu.
Auch die Raumnot wolle er umgehend angehen, versprach Risch. Im an die Hochschule angrenzenden Technologiepark will die Universität neue Räume anmieten. "Wer nach drei Wochen immer noch Raumprobleme hat, soll sich umgehend bei der Universitätsleitung beschweren", forderte Risch seine Zuhörer auf.
Banken als Sponsoren
Dass es eng werden würde in der Universität Paderborn, war jedoch schon seit Wochen absehbar. Stolz und ausgiebig hatte die Unileitung verkündet, dass es mit mehr als 2.800 Erstsemestern in Paderborn einen Rekordzuwachs an Einschreibungen gab; Folge der Tatsache, dass in einigen Fachbereichen der Numerus Clausus abgeschafft worden war.
Zudem hatten in diesem Jahr erstmals alle Erstsemesterstudenten kostenlose Minilaptops gesponsort bekommen. Bei der Auskunft zu den Geldgebern der knapp eine Million Euro teuren Werbemaßnahme hielt sich das Präsidium bislang bedeckt. Neben der örtlichen Sparkasse und der Volksbank spendete der für die Universität tätige und aus Studiengebühren bezahlte IT-Dienstleister "Datenlotsen" einen Betrag in ungenannter Höhe.
Daraufhin kursierte ohne jeden Beleg das Gerücht, Studiengebühren seien in die Finanzierung der Netbooks geflossen. Wie wenig später bekannt wurde, mangelt es auch in Verwendungsberichten der Fakultäten an Belegen. "Wir haben zu 100 Prozent keine Studiengebühren in Netbooks investiert", versicherte Kanzler Jürgen Plato den Studenten. Man habe aus Kostengründen darauf verzichtet, ein Viertel der Mittel genauer aufzulisten. "Aber auch bei diesen Geldern gibt es keine Mängel", bestätigte Präsident Risch.
Die Arbeit eines hauseigenen Prüfungsgremiums ergab, dass an der Universität Paderborn im Jahr 2008 etwa 24 Prozent der Studiengebühren nicht detailliert abgerechnet wurden – schätzungsweise rund zweieinhalb Millionen Euro.
2.500 Zeichen des Protests
Aktuell sind in Paderborn 14.450 Studenten eingeschrieben, darunter rund 2.800 Erstsemester – 820 mehr Studienanfänger als im vorigen Jahr. Ein Fakt, der der Universität Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln aus dem Hochschulpakt beschert. Um die stetig wachsende Studierendenschaft besser verwalten zu können, wurde bereits im Wintersemester 2007/2008 die digitale Organisations- und Aktionsplattform "Paul" geschaffen. Dessen Fehlfunktionen und die akute Raumnot sorgten in der Vergangenheit regelmäßig für Unmut und jetzt für eine Unterschriftenaktion. Ein Zusammenschluss von acht Fachschaften und des AStA Paderborn sammelt seit zwei Tagen Unterschriften als Zeichen des Protests. "Bis jetzt haben wir mindestens 2.500 zusammen. Damit sind wir sehr zufrieden", sagt Matthias Schwiddessen, Vorsitzender der Lehramtsfachschaft. "Trotzdem sammeln wir bis kommenden Mittwoch weiter."