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30.10.2009
PADERBORN
Pläne zur Behebung der Raumnot an der Uni Paderborn
Präsident Risch verspricht regelmäßige Info-Veranstaltungen
VON MARIUS GIESSMANN

Präsident unter Druck | FOTO: HANS-HERMANN IGGES

Paderborn. Selten hat Nikolaus Risch von seinen Studenten so viel Applaus bekommen wie gestern Mittag – für eine Selbstverständlichkeit. Nachdem es im Treppenhaus vor dem Senatssitzungssaal zu einem Massenprotest kam, bot der Präsident der Universität Paderborn den erbosten Studenten das Gespräch an. Thema: seine eigene intransparente Informationspolitik.

Rappelvoll war folgerichtig am Abend der Audimax. 600 Plätze hat der Saal, hunderte weitere Studenten verfolgten per Videoübertragung Rischs Auftritt auch von den Fluren aus. Die Stimmung war aufgeladen, der Präsident demonstrierte Einsicht. Er sagte für die Zukunft regelmäßige Informationsveranstaltungen für die Paderborner Studenten zu.

Auch die Raumnot wolle er umgehend angehen, versprach Risch. Im an die Hochschule angrenzenden Technologiepark will die Universität neue Räume anmieten. "Wer nach drei Wochen immer noch Raumprobleme hat, soll sich umgehend bei der Universitätsleitung beschweren", forderte Risch seine Zuhörer auf.

Banken als Sponsoren

Dass es eng werden würde in der Universität Paderborn, war jedoch schon seit Wochen absehbar. Stolz und ausgiebig hatte die Unileitung verkündet, dass es mit mehr als 2.800 Erstsemestern in Paderborn einen Rekordzuwachs an Einschreibungen gab; Folge der Tatsache, dass in einigen Fachbereichen der Numerus Clausus abgeschafft worden war.

Zudem hatten in diesem Jahr erstmals alle Erstsemesterstudenten kostenlose Minilaptops gesponsort bekommen. Bei der Auskunft zu den Geldgebern der knapp eine Million Euro teuren Werbemaßnahme hielt sich das Präsidium bislang bedeckt. Neben der örtlichen Sparkasse und der Volksbank spendete der für die Universität tätige und aus Studiengebühren bezahlte IT-Dienstleister "Datenlotsen" einen Betrag in ungenannter Höhe.

Daraufhin kursierte ohne jeden Beleg das Gerücht, Studiengebühren seien in die Finanzierung der Netbooks geflossen. Wie wenig später bekannt wurde, mangelt es auch in Verwendungsberichten der Fakultäten an Belegen. "Wir haben zu 100 Prozent keine Studiengebühren in Netbooks investiert", versicherte Kanzler Jürgen Plato den Studenten. Man habe aus Kostengründen darauf verzichtet, ein Viertel der Mittel genauer aufzulisten. "Aber auch bei diesen Geldern gibt es keine Mängel", bestätigte Präsident Risch.

Die Arbeit eines hauseigenen Prüfungsgremiums ergab, dass an der Universität Paderborn im Jahr 2008 etwa 24 Prozent der Studiengebühren nicht detailliert abgerechnet wurden – schätzungsweise rund zweieinhalb Millionen Euro.

2.500 Zeichen des Protests

Aktuell sind in Paderborn 14.450 Studenten eingeschrieben, darunter rund 2.800 Erstsemester – 820 mehr Studienanfänger als im vorigen Jahr. Ein Fakt, der der Universität Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln aus dem Hochschulpakt beschert. Um die stetig wachsende Studierendenschaft besser verwalten zu können, wurde bereits im Wintersemester 2007/2008 die digitale Organisations- und Aktionsplattform "Paul" geschaffen. Dessen Fehlfunktionen und die akute Raumnot sorgten in der Vergangenheit regelmäßig für Unmut und jetzt für eine Unterschriftenaktion. Ein Zusammenschluss von acht Fachschaften und des AStA Paderborn sammelt seit zwei Tagen Unterschriften als Zeichen des Protests. "Bis jetzt haben wir mindestens 2.500 zusammen. Damit sind wir sehr zufrieden", sagt Matthias Schwiddessen, Vorsitzender der Lehramtsfachschaft. "Trotzdem sammeln wir bis kommenden Mittwoch weiter."


Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Ich gebe matteorascetto absolut recht. Aber mit Herrn Risch ist das wohl so ähnlich, wie mit Herrn Kohl. Der wollte ja auch nicht die Namen der Spender nennen. Schade ist nur, dass man Herrn Risch nicht, wie Kohl, abwählen kann. Wir können Herrn Risch nicht abwählen. Also müssen wir andere Wege gehen.

Also mal ganz ehrlich, wenn die 24 % sauber abgebucht wurden, dann hätte Herr Risch doch klare Auskunft geben können, was damit finanziert wurde. Die Anschuldigung, dass damit die Netbooks bezahlt wurden, kann, meiner Meinung nach, nur dadurch gelöst werden, wenn man die Spender und deren Spendenquittungen transparent macht. Anders ist diese unruhige Lage kaum zu lösen!

Das die Fehler begangen wurden ist allen klar. Ich bin auch für eine Offenlegung der Sponsoren der Netbooks und für generell mehr Transparenz - denn es ist unser Geld! Trotzdem sollte die Leitung der Uni Paderborn jetzt erstmal eingestehen, dass sie etwas falsch gemacht hat! Immer alles schön reden, und das war gestern Abend außer bei Herrn Peckhaus, mehrheitlich der Fall, geht einfach nicht! Haben unsere Eltern uns nicht beigebracht, dass Fehler passieren können und man dann einfach dazu stehen und versuchen muss sie zu beheben? Gilt das nicht auch für Leiter einer Universität? Ich freue mich persönlich sehr über die Aktionen gestern, denn wie oft kommen Studenten aus der Uni und müssen sagen: "was war das denn für ein Tag? Überfüllung, Stress, Druck, Angst aus Kursen zu fliegen.... Dank gestern hatte die Leitung der Uni auch endlich mal nen beschissenen Tag!

Bisher wurde überhaupt nicht zur Klärung der Frage beigetragen, wo das Geld ist. @ Thomas: Im Artikel steht doch, dass 24 Prozent undetailliert abgerechnet wurden. Das stimmt doch so! Hast du dich da verlesen? Unter uns: Ich glaube nicht, dass L unico oder Universal dieses Faktum mit den 24 Prozent hätten herausfinden können. Die haben halt nicht viel Zeit für Recherchen und nicht die Erfahrung. Was die 24 Prozent angeht, so sagt Frau Barbara Tigges Mettenmeier ja ganz klar, dass sie nicht weiß, wo die 24 Prozent geblieben sind. Deine Version, Thomas, ist jene, die auf die Aussagen von Herrn Risch und Co vertraut, sollte man das wirklich machen?

ich finde auch dass wir gestern keine antworten bekommen haben... Die Fragen durften gestellt werden, aber wirkliche antworten gab es nicht´... ich hoffe dass all diejenigen die gestern abend da waren, und diejenigen die gestern nicht konnten nächste woche wieder kommen werden! Es kann nicht sein, dass wir es dabei belassen. Zum Thema Prüfungsgremium: Da bleibt mir nur zu fragen welches Prüfungsgremium? Ein Gremium das zu faul ist alles nach zu prüfen ist kein Prüfungsgremium, auch wenn dies von der Vorsitzenden ehrenamtlich geschieht, der Rest wird doch gut für seinen Job bezahlt oder verdient man als Mitglied der Hochschulverwaltung so schlecht, als dass man so einen Job nicht ernst nehmen muss? Alles in allem war der Abend gestern eine große Enttäuschung, viele Fragen gab es vorher, neue Fragen haben sich durch die Konferenz ergeben und als Antworten haben wir noch mehr Fragen bekommen.



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