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05.11.2009
DÜSSELDORF/BIELEFELD
Werbe-Trick für eine Wundersalbe
Verschwörungstheorie fördert Neurodermitis-Creme
VON PETER STUCKHARD

Soll angeblich helfen

Bielefeld/Düsseldorf. Es ist womöglich der frechste PR-Coup der jüngsten Zeit: Die Vorbereitung des Markts für die Wundersalbe Regividerm zur Bekämpfung von Neurodermitis und Schuppenflechte. Mit kräftiger Hilfe des WDR wurde um das Vitamin-B-12-Medizinprodukt eine Legende gestrickt, die Patienten scharenweise in die Apotheken trieb. Seit gestern ist es – vorerst ungenehmigt – auf dem Markt.

Die Geschichte: Ein Medizinstudent erfindet Ende der achtziger Jahre ein angeblich einfaches, preisgünstiges Mittel gegen Neurodermitis, eine hartnäckige und nur schwer zu behandelnde Hautkrankheit. Er probiert es an seiner Freundin aus. Es soll gut helfen und keine Nebenwirkungen haben. Er bietet es verschiedenen Pharmafirmen an. Die winken ab.

Unter anderem auch die Bielefelder Dr. August Wolff GmbH, ein auf Salben und Hautkosmetik spezialisierter Pharmahersteller. Christoph Abels, habilitierter Hautarzt und medizinischer Direktor bei Wolff, erinnert sich, dass er die Creme nicht für erfolgversprechend gehalten habe.

Das Molekulargewicht sei zu groß

Abels: "Erstens, weil die Qualität der vorgelegten Wirksamkeitsstudien zu wünschen übrig ließ." Und, was für den Forschungsleiter viel wichtiger ist: Schon die physiochemischen Eigenschaften des Hauptwirkstoffs Vitamin B 12 sprächen gegen eine Wirksamkeit. Das Vitamin, Name Cobalamin, könne nämlich überhaupt nicht in die Haut eindringen, zu groß sei sein Molekulargewicht. Dieser Frage sei in den Studien überhaupt nicht nachgegangen worden. "Wir würden bei einem neuen Wirkstoff aber als Erstes sehen wollen", erklärt Abels, "dass er durch die Haut durchgeht." Entsprechende experimentelle Versuche seien nicht teuer, ein Ergebnis bekomme man für 25.000 Euro.

Ein am 19. Oktober 2009 ausgestrahlter WDR-Film mit dem Titel "Heilung unerwünscht" macht aus der einfachen Misserfolgsgeschichte eine Legende. Pharmahersteller wie die Firma Wolff hätten die Produktion der Salbe abgelehnt, um nicht den Verkauf eigener teurerer Präparate zu kannibalisieren. Der Filmautor Klaus Martens hatte die These in einem Buch untermauert, das heute erscheinen soll. Titel: "Heilung unerwünscht. Die dramatische Geschichte eines Medikaments". Martens durfte es in der ARD-Sendung "Hart aber fair" am 21. Oktober ausgiebig bewerben, Nachfragen von Moderator Frank Plasberg erreichten längst nicht ihr gewohnt kritisches Niveau. Abels macht es "fassungslos, dass die ARD so was zur besten Sendezeit präsentiert", der Inhalt sei einfach "indiskutabel".

Der Deutsche Psoriasis Bund, eine Selbsthilfevereinigung für Schuppenflechte-Kranke, sprach von "blankem Unsinn". Das sahen viele der rund acht Millionen unter Neurodermitis oder Schuppenflechte leidende Patienten anders. Die Apotheken berichteten von einem wahren Ansturm auf die etwa 30 Euro teure Salbe.

Auslieferung der ersten 25.000 Tuben hat begonnen

Dabei muss man nicht in die Apotheke gehen, um sie zu kaufen. Als Medizinprodukt der Klasse IIa darf sie auch in jedem Supermarkt angeboten werden. Ein "Medizinprodukt" zeichnet sich dadurch aus, dass seine Wirksamkeit völlig ungeprüft ist. Seit gestern ist es auf dem Markt. Die Auslieferung der ersten 25.000 Tuben habe begonnen, sagte ein Sprecher der Vertriebsfirma Mavena Health – auch ohne die noch anstehende Prüfung durch die Bezirksregierung Düsseldorf. Deren Sprecher bestätigte gestern dieser Zeitung, dass das Prüfergebnis noch offen sei.

Dabei geht es aber nur darum, ob Vitamin B 12 nicht doch ein medizinischer Wirkstoff ist. Wenn Regividerm unwirksam ist oder nur die darin enthaltene Avocadocreme die Haut vorübergehend beruhigt, darf es getrost als Medizinprodukt verkauft werden. Das "unternehmerische Risiko", das der Firmensprecher sieht, dürfte sich also in dieser Hinsicht in Grenzen halten. Größer ist wohl das Risiko, dass die Patienten auf den PR-Trick nicht hereinfallen.

Kommentare
@WinfriedB Ich würde nicht behaupten, dass der Salbenkomponentenhersteller keine Ahnung hat - die Äußerung bezieht sich auf die "bessere" Eindringbarkeit. Im Artikel war aber von der prinzipiellen Möglichkeit der Rede. Die Aussage des Salbenkomponentenherstellers ist insofern richtig, als dass er eine allgemeine Tendenz wiedergibt. Je schwerer da Molekulargewicht, desdo mehr Atome, also auch eine größere räumliche Ausdehnung. Wie die Ausdehnung aber im Einzelfall aussieht lässt sich nicht vom Gewicht ableiten. Und auf diesen Einzelfall kommt es aber genau an, wenn man wissen wlll ob der Wirkstoff eindringen kann oder nicht. Beispiel Sparschwein wieder: Natürlich kann ich sagen, dass leichtere Münzen besser in das Sparschwein gehen (weil diese idR. kleiner sind) Allerdings gibt es jetzt auch kleine schwere Münzen, die trotzdem passen. Will ich eine Aussage treffen ob eine ganz bestimmte Münze passt oder nicht, kann ich nicht über das Gewicht argumentieren, sondern nur über die räumliche Struktur.

"Das Molekulargewicht soll zu groß sein? So ein Schmarrn. Wenn etwas wo nicht reinpasst, dann liegt das an seiner räumlichen Struktur und nicht an dem Gewicht. Ich frag mich ob der Typ überhaupt ne Ahnung hat, was er da sagt" Dann hat wahrscheinlich auch ein Hersteller von Salbenkomponenten keine Ahnung, der darauf hinweist, daß Bestandteile mit niedrigem Mol.gewicht besser in die Haut eindrigen. (...)

Ein Wirkstoff muss nicht durch die hau kommen, um zu wirken. Wenn Salz z.B. nicht durch eine Membrane kommt und auf der anderen Seite Wasser ist, dann wechselt das Wasser zum Salz. Unter dieser Vorausstzung könnte ein spezifischer Antagonist durch das B12 aus der Haut entfernt werden. Da sind die Herren Wissenschaftler aber auch etwas voreilig, hmm? ;-)

Das Molekulargewicht soll zu groß sein? So ein Schmarrn. Wenn etwas wo nicht reinpasst, dann liegt das an seiner räumlichen Struktur und nicht an dem Gewicht. Ich frag mich ob der Typ überhaupt ne Ahnung hat, was er da sagt. Wenn ich probier, nen Geldstück in mein Sparschwein zu werfen und es geht nicht, dann sage ich doch auch es ist zu groß und nicht, dass es zu schwer ist. Herr Abels scheint mit so elementaren Dingen schon Probleme zu haben - nicht auszudenken wies dann erst mit komplexeren aussieht.

Mir scheint es, als hätten bestimmte "Herrschaften" die Hosen bereits gestrichen voll, weil sie ihre Felle schwimmen sehen. Mich würde es nicht wundern, wenn in einiger Zeit mit fadenscheinigen Gründen ein Verbot erwirkt wird. Dies wäre für die Betroffenen katastrophal. Ich habe mir die Salbe anrühren lassen (Rezept ist im Internet zu finden!) und sie hilft wunderbar!!!



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