Polizei muss Gäste schützen / Neuer Hochschulrektor bricht Feiern zum 40-jährigen Bestehen ab
VON BERNHARD HÄNEL UND THOMAS SEIM
Bielefeld. Massive Proteste von Studenten haben am späten Dienstag Abend die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Universität Bielefeld überschattet. Der neue Rektor der Hochschule, Gerhard Sagerer, musste den Festakt vorzeitig beenden. Die Polizei schützte den Veranstaltungssaal mit Sondereinheiten gegen die Belagerung von rund 300 Studierenden.
Etwa 600 Gäste nahmen Dienstagabend auf Einladung der Universität an den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen im Audimax der Hochschule teil. Unter ihnen befanden sich der Bielefelder Oberbürgermeister Peter Clausen sowie zahlreiche Bundes- und Landtagsabgeordnete, Vertreter der Wirtschaft und Gäste aus befreundeten Universitäten.
Sie waren etwa zwei Stunden lang der offiziellen Verabschiedung des alten Uni-Rektors Dieter Timmermann und der Amtseinführung dessen Nachfolgers Gerhard Sager gefolgt, als an den Türen zum Festsaal sich lautstarker Studentenprotest bemerkbar machte. Sicherheitshalber hatte die Universitätsverwaltung bereits vorher sämtliche Ein- und Ausgänge des Saales verschlossen und von innen und außen bewachen lassen.
200 Polizisten in der Unihalle
Während im Saal die Unruhe im Publikum und bei den Verantwortlichen wuchs, rückten etwa 200 bereits bereitstehende Polizeibeamte in die Universitätshalle ein. Sie forderten die demonstrierenden Studenten auf, die Hochschule zu verlassen. Von der zunächst ebenfalls angedrohten Räumung sahen die Einsatzkräfte dann allerdings ab. Statt dessen bildeten sie einen Sicherheitskordon zwischen Studierenden und geladenen Gästen.
Drinnen im Saal hatte zuvor der neue Uni-Rektor Sagerer den Festakt vorzeitig abgebrochen und den vorgesehenen Empfang abgesagt. Sagerer wandte sich mit dem Ausdruck des Bedauerns an die daraufhin abziehenden Gäste. "Es tut mir ausgesprochen leid. Sie können sich vorstellen, wie schwer mir das fällt", sagte der Universitäts-Rektor.
Nach dem Abbruch der Feierlichkeiten wandte sich Sagerer auch an die protestierenden Studenten. "Wir haben das ehrgeizige Ziel, gemeinsam mit den Studierenden Studienordnung und Curricula so zu erneuern, dass sie zur Bildung und nicht nur zur Ausbildung dienen." Dies solle noch bis Ende des Semesters erfolgen. Sagerer sagte weiter zu, dass die Betreuungssituation zugunsten der Studierenden verbessert werden solle. Dazu "können auch ihre Studienbeiträge ein Mittel sein", versicherte Sagerer.
Gala am Samstag soll abgesagt werden
Der Protest könnte weitere erheblich Wirkungen haben. Nach Informationen der Neuen WEstfälischen erwägt die Leitung der Universität die für Samstag, den 28. November, in der Uni-Halle geplante Gala abzusagen.
Die Schüler- und Studentenproteste hatten Dienstag auch in vielen anderen Städten zu erheblichen Unruhen geführt.
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für friedliche Proteste!
http://www.youtube.com/watch?v=qVHBiuCUIO8
Christian schrieb am 19.11.2009 19:30 Uhr
@ enttäuscht:
ich weiss nicht als was deine schwester in die veranstaltung involviert war, aber der protest war an sich friedlich, natürlich kann es vorkommen, dass einzelne personen überreagieren, das kann man aber nicht auf die allgemeinheit übertragen.
und zum thema jacke hochhalten. es ging nicht darum die polizistInnen zu provozieren sondern darum die polizei vom filmen abzuhalten. das präventive filmen jeglichen protestes wie es leider schon flächendeckend stattfindet ist rechtlich immer noch ILLEGAL, es wurde also nur versucht die privatsphäre der menschen zu schützen. die polizei dreht sich das leider immer wie es passt
des weiteren geht es den protestierenden auch um die mitarbeiter, also kämpfen sie de facto auch für die verbesserung der arbeitsbedingungen deienr schwester, ob du das nun anerkennen willst oder nicht.
und zum thema ernst genommen werden. wenn das rektorat die studenten ersnt nehmen würde, dann währen solch ausfallende proteste wie an diesem tag längst überfällig.
also lass dich bitte nicht so schnell von medien und meinungsmachern manipulieren und fang an kritisch zu denken und zu hinterfragen
enttäuscht!!! schrieb am 19.11.2009 17:36 Uhr
Ich bin Enttäuscht von den Demonstranten der Uni Bielefeld!!! Finde es erbärmlich, Eure Ä*** in Kameras zu halten, Jacken vor andere zu halten die Ihren Job machen (würde mir einer so entgegentreten wie ihr es getan habt, würde ich aber nicht ausharren bis ihr mich zurückdrängt, mit Händen nach oben und immer noch näher in die Privatsphäre) und meine Schwester die bei der Veranstaltung gearbeitet hat anzupöbeln, rumzuschubsen und auszulachen! Gehts Euch allen noch gut?
Ihr wollt verdammt nochmal Ernst genommen werden, dann benehmt Euch nicht wie der letzte Abschaum!
Mein Freund studiert auch an der Uni BI,und verdammt ich weiß wie anstrengend sein Tag ist, durch drei Jobs ist er auch schon über der Regelstudienzeit, also bin ich in der Hinsicht mit Euch einig, was Eure Forderungen angeht, aber sowas ist unter aller Würde! Ich würde mein Handeln überdenken und vorallem die Art und Weise wie ich versuche etwas durchzusetzen, vorallem aber Unschuldige mit reinzuziehen, die einen guten Job machen und auch nur Ihr Geld verdienen wollen!
Danke, für diesen Auftritt, aber Unterstützung von Aussenstehenden, könnt ihr nicht mehr erwarten!!!
Timm schrieb am 19.11.2009 16:57 Uhr
Bei aller Diskussion um die Bewertung der Protestaktionen: Man muss schon eingestehen, dass es dazu geführt hat, dass man sich der Thematik nicht mehr entziehen kann. Und das kann man nur wohlwollend bewerten. Selbst als Professor - denn die sollten ebenfalls an besserer Lehre interessiert sein, sonst sind sie im Job falsch.
Fakt ist auch, dass das gesamte deutsche Erziehungssystem (von den Kitas bis zur Hochschule) dramatisch unterfinanziert ist. Da klingen Sätze wie "Bildungsrepublik Deutschland" wie blanker Hohn.
Es wird Zeit, dass pädagogische Konzepte an Schulen umgesetzt werden können! Wie gute Bildungarbeit funktioniert machen uns schon seit Jahren die skandinavischen Länder vor. Dabei geht es nicht um das "sinnlose Geld reinpumpen" (wie manche vielleicht gegenargumentieren würde), sondern darum, dass man den Lehrenden und Lernenden Zeit gibt und Gestaltungsmöglichkeiten schafft. Dass die Schulen neben der Wissensvermittlung auch den Erziehungsauftrag wahrnehmen können, den viele Eltern nicht mehr ausführen können (wegen beruflichen oder sonstigen Gründen).
Dass die Hochschulen nicht mehr nur auf verschulte Module und Ausbildung ausgerichtet sind, sondern auf einen humanistischen Bildungsgedanken.
Wenn wir diese "Bildungsrepublik Deutschland" schaffen, schaffen wir Wohlstand, der nicht mit Geld zu messen ist und um den jedes Land Deutschland bewundern wird.
(Ganz nebenbei sprechen sich die Wirtschaftsweisen für Investitionen in Bildung aus, um volkswirtschaftliche Renditen zu erzielen. Nur damit auch die besänftigt sind, die in rein materiell denken.)
derbruce schrieb am 19.11.2009 13:45 Uhr
@armineinbayern
Das ist dann die viel beschworene Elitenbildung.
Wir wollen eine soziale Öffnung der Hochschulen, du propagierst das genaue Gegenteil.
Wenn du dann auch reiche Eltern für alle einführst, ist das in Ordnung.
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