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19.11.2009
OWL
Grippe breitet sich in OWL rasant aus
Bielefelder (40) nach Infektion gestorben
VON KURT EHMKE UND MATTHIAS BUNGEROTH

Gut geschützt gegen das Virus | FOTO: TYLER LARKIN

Bielefeld. Die Zahl der Schweinegrippe-Erkrankungen ist mit Steigerungsraten von rund 60 Prozent in NRW in den vergangenen Tagen "rasant angestiegen", so Kirsten Bradt vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) in Bielefeld, Außenstelle Münster. Einen ersten Schweinegrippetoten gibt es in Bielefeld, bundesweit starben durch das H1N1-Virus laut Robert-Koch-Institut bislang 22 Menschen. Panik ist jedoch laut Experten fehl am Platz.

Im Regierungbezirk Detmold ist die Zahl der seit Mai mit dem Schweinegrippevirus Infizierten mit 110 Erkrankungen unter 100.000 Einwohnern landesweit am höchsten. Allerdings sagt Bradt: "Das sind nur die Personen, die auch eine Laboruntersuchung in Anspruch genommen haben."


Bereits am Sonntag starb ein 40-Jähriger in der Klinik Gilead des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld. Birgit M., Ehefrau des Toten, sagt: "Mein Mann war gesund, bis er an der Grippe erkrankte." Vier Wochen und einen Tag lang kämpften Axel M. und die Ärzte um das Leben des kaufmännischen Angestellten, am Ende starb er, weil die Grippe immer mehr Organe ins Versagen trieb. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

Heute wird Axel M. beerdigt. Für den Sprecher des Klinikums, Jens Garlichs, zeigt der Fall, wie kompliziert die Schweinegrippe ist: "Grippetote sind nichts Ungewöhnliches, dass aber ein gesunder Mann in der Lebensmitte stirbt, das ist ungewöhnlich." Bereits "am dritten, vierten Tag" sei die Schweinegrippe diagnostiziert worden, seither rangen Ärzte auf der Intensivstation um das Leben des Patienten Axel M.

Medikament Tamiflu nützt wenig

Garlichs zu den Chancen bei schweren Krankheitsverläufen: "Das Medikament Tamiflu nützt wenig, es kann nur beatmet werden, das Herz stabilisiert und Sauerstoff gegeben werden und auch Blutwäschen können helfen." Im EvKB seien zehn Patienten zurzeit isoliert. Da alle Mediziner im Umfeld der Einzelzimmer geimpft seien, bestehe die Gefahr nicht, dass das Krankenhaus handlungsunfähig werde. Garlichs: "Die schweren Krankheitsverläufe sind den Ärzten unerklärlich, deshalb appellieren wir an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen." Das biete einen gut 90-prozentigen Schutz.

Diesem Appell schließt sich auch Kirsten Bradt an. Impfen lassen sollten sich vor allem Menschen, die ein höheres Risiko haben eine schwere Erkrankung zu erleiden. Bradt empfiehlt Eltern, mit ihren Kindern "über Hygiene zu reden". Häufiges Händewaschen, der nur einmalige Gebrauch von Taschentüchern und das Niesen in die Armbeuge statt in die Hand nennt sie als wichtige Verhaltensregeln.

30 Prozent der Infizierten sind 10 bis 14 Jahre alt, weitere 20 Prozent 15 bis 19 Jahre alt, wie Kirsten Bradt erläutert. Nach ihrer Analyse ist die Infektionswelle bei der Schweinegrippe derzeit "auf dem ansteigenden Ast". Zudem ist das Virus etwa zwei Monate früher in der Ausbreitung als ein üblicher Influenza-Virus in anderen Wintern. Eine solche Grippewelle kostet jedes Jahr bis zu 15.000 Menschen in Deutschland das Leben, gibt Wolfgang M. Glöckner, Chefarzt des Elisabeth-Hospitals in Gütersloh, zu bedenken.

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