Um den Wald vor Schäden durch sauren Regen zu schützen, werden riesige Flächen per Hubschrauber gekalkt
Neuhaus (nw/hap). Es war ein ungewohntes Erlebnis für die Bewohner des Waldes: Statt Regen fiel Kalk vom Himmel. Und das aus einem Hubschrauber. Der Grund: Forstleute kämpfen gegen die Folgen von Umweltverschmutzung und saurem Regen.
Saurer Regen bedroht noch immer den Wald. Regelmäßig wird deshalb in Deutschland großflächig Kalk in betroffene Gebiete gestreut – etwa im Kreis Höxter. Knapp hinter der Grenze zu Niedersachsen sind in den vergangenen drei Monaten 23.000 Tonnen Kalk verteilt worden, die die Säure im Waldboden neutralisieren sollen. Dabei sind überwiegend Hubschrauber eingesetzt worden. So konnten auch Waldstücke erreicht werden, die nicht mit Lastern nicht befahrbar sind.
Alle zwei Minuten startete ein Flug mit einer Ladung von 1.000 Kilo Kalk, der jeweils für 0,3 Hektar – 3.000 Quadratmeter – reicht. Der aus Scharzfeld am Harz gelieferte Kalk wurde auf Forstwegen abgeladen und mit einem Radlader für jeden Flug in den Kalkkübel geladen. Der Kübel hängt mit einem 20 Meter langen Seil am Hubschrauber.
Zur Stabilisierung von Waldökosystemen werden Wälder seit Anfang der 1980er Jahre großflächig gekalkt. Das soll dazu dienen, die Säure, die Luft und Regen mit sich bringen, zu binden und damit der Nährstoffverarmung der Waldböden entgegenzuwirken. Zudem sollen Baumwachstum und -vitalität gefördert werden.
Gezahlt wird das Bodenschutzprogramm vom Bund – im Solling beispielsweise waren für die 7.000 Hektar Landeswald 1,2 Millionen Euro eingeplant. "Wenn die Schadstoffbelastung auf dem jetzigen Niveau bleibt, ist in 8 bis 10 Jahren mit der nächsten Kalkung zu rechnen", erklärt der Kalkungsbeauftragte des Forstamtes Neuhaus, Frank Brakebusch.
Nachhaltige Forstwirtschaft
Das Waldgebiet im Solling, im Grenzgebiet zu Niedersachsen, war schon früher massiv bedroht: In Mittelalter und früher Neuzeit gab es Waldzerstörungen in heute unvorstellbarem Ausmaß. Grund: Übernutzung, Waldweide, Holzkohlegewinnung und Pottaschesiederei. "Nachhaltige Forstwirtschaft" wurde schon 1745 erfunden – vom herzoglich-braunschweigische Oberforst- und Jägermeister von Langen. Er begann, "die völlig desolaten Weserforsten neu zu ordnen". Eine Verbesserung sei nur möglich, "wenn sich die Forstbediensteten mehr als vorhin um die naturgemäße Beschaffenheit der Gewächse, Erde und deren Kultur kümmern wollen". Mit seinen Vorgaben gehört er zu den Begründern einer geregelten, der Nachhaltigkeit verpflichteten Forstwirtschaft:
- nicht mehr Holz einschlagen lassen als nachwächst
- so viel Holz erzeugen, wie künftig gebraucht wird
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