Bielefeld. Eisige Kälte in der Nacht zu Samstag, Schneechaos am Sonntag: Der Winter hielt Nordrhein-Westfalen am Wochenende fest im Griff. Während sich Kinder über die weiße Pracht freuten, sorgte "Väterchen Frost" für große Behinderungen im Verkehrsablauf auf Straßen, Flughäfen und in den Zügen der Deutschen Bahn. Eine Übersicht.
Straßenverkehr: "Da tobt der Bär. Wir haben einen Unfall nach dem anderen", sagte Jörg Häckel von der für die Autobahnen zuständigen Leitstelle der Polizei Bielefeld auf Anfrage dieser Zeitung am Nachmittag. Gegen 14.30 Uhr hatte es zunächst einen Unfall auf der Autobahn 2 in Richtung Hannover zwischen Oelde und Herzebrock-Clarholz gegeben. Ein Rettungshubschrauber musste einen Schwerverletzten abtransportieren; die Fahrbahn wurde deshalb komplett gesperrt. 15 Unfälle zählte die Polizei auf den Autobahnen in OWL ab 12 Uhr innerhalb von drei Stunden.
Ab 15.30 Uhr hieß es nach einem Verkehrsunfall mit drei Pkw auf der A 2 Richtung Dortmund, bei dem drei Menschen leicht verletzt wurden: "Lkw kommen im Moment nicht über den Bielefelder Berg." Die Transporter standen quer auf der Autobahn, die dort ebenfalls voll gesperrt wurde. Es entstand zunächst ein Stau von 13 Kilometer Länge, der sich am Abend wieder aufzulösen begann. Viele der Glätteunfälle waren laut Häckel auf unangepasste Geschwindigkeit der Fahrer sowie fehlende Winterreifen an den Fahrzeugen zurückzuführen.
Flughafen Paderborn Lippstadt geschlossen
Flugverkehr: "Um uns herum ist alles dicht. Wir haben alle Hände voll zu tun", sagte Elmar Kleinert, Geschäftsführer des Flughafens Paderborn/Lippstadt am Sonntagnachmittag auf Anfrage dieser Zeitung. Nachdem der Flughafen Düsseldorf bereits um 9.15 Uhr hatte geschlossen werden müssen, waren im Tagesverlauf auch Airports Köln/Bonn und Münster/Osnabrück zumindest zeitweise "dicht". Hauptgrund: An den Flughäfen kam man mit der Enteisung der Maschinen vor den Starts nicht nach. In Düsseldorf starteten erst ab 20.20 Uhr erste Maschinen wieder.
Folge: Acht Maschinen, die auf anderen Flughäfen landen sollten, wurden auf den Paderborner Airport umgeleitet, was ein Mehraufkommen von rund 1.000 Passagieren bedeutete. Mehrere Mitarbeiter wurden aus der Bereitschaft gerufen, um einen reibungslosen Ablauf des Flugbetriebs zu gewährleisten, was laut Kleinert auch gelang. Die nötige Griffigkeit der Start- und Landebahn in Paderborn sei aufgrund der Arbeit der Räumdienste gewährleistet, so Reinhard Thiele, Leiter Operations am Flughafen Paderborn-Lippstadt. Auch für heute rechnet der OWL-Airport nicht mit Ausfällen. Kleinert: "Die Passagiere können von planmäßigem Flugbetrieb ausgehen."
Weichen waren eingeschneit
Bahn: Verspätungen zwischen 5 und 30 Minuten gab es am Sonntag aufgrund der winterlichen Wetterlage bei den Zügen der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen. Allerdings: "Wir sind überall gefahren, es gab keine Strecke, die komplett gesperrt werden musste", so ein Bahn-Sprecher. Hauptgrund für die Verzögerungen waren eingeschneite Weichen, die per Hand freigemacht werden mussten. Der Bereitschaftsdienst wurde hierfür verstärkt. Ab 13.30 Uhr gab es jedoch größere Behinderungen im grenzüberschreitenden Bahnverkehr. "Es fallen Fernverkehrszüge Richtung Holland aus", so der Bahn-Sprecher. Dies galt vor allem für die Strecke Frankfurt–Amsterdam. Im Nachbarland kam der Zugverkehr teilweise völlig zum Erliegen.
Kind gerettet: Für drei 14-jährige Jungen ist das Spielen auf dem zugefrorenen Gartenschausee in Rietberg zum gefährlichen Abenteuer geworden. Als das Eis plötzlich zu knacken begann, musste sich einer der Jungen auf eine Insel des Sees retten, zwei erreichten das Ufer. Der Junge wurde von der Feuerwehr mit einem Boot geborgen. Die Polizei warnt nachdrücklich vor dem Betreten scheinbar zugefrorener Eisflächen.
Eiseskälte in der Region
Rekordkälte: Vielerorts in Deutschland waren die Nächte am Wochenende so kalt wie nie zuvor im Verlauf des Jahres. So wurden am frühen Sonntagmorgen am Alpengewässer Funtensee minus 33,6 Grad Celsius gemessen. Die Temperaturen in OWL verfehlten in der Nacht zu Samstag nur knapp den Allzeit-Frostrekord. In Rahden wurden minus 17 Grad, in Bad Salzuflen und Bad Lippspringe jeweils minus 16 Grad gemessen, so Cornelia Urban vom Deutschen Wetterdienst. Die niedrigste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung wurde am 23. Dezember 1938 mit minus 19,5 Grad Celsius in Bad Salzuflen gemessen. Zu Weihnachten erwartet Urban eher nasskaltes Wetter bei 0 bis 5 Grad Celsius.