Bielefeld. Die Zugentgleisung bei Neubeckum im Kreis Warendorf lähmt den Zugverkehr in Ostwestfalen noch bis mindestens Donnerstagabend. Das gab die Bahn am Mittwoch bekannt. Da es auf der Strecke zwischen Neubeckum und Rheda weiterhin Behinderungen gibt, werden die Züge der ICE-Linie 10 und der Intercity-Linie 55 noch über Münster und Osnabrück umgeleitet und halten zusätzlich in Löhne. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Rheda-Wiedenbrück und Neubeckum fahren die Züge der RB-Linie 69 im Einstundentakt.
Die böse Überraschung hatte tausende Bahnreisende in Ostwestfalen-Lippe am Dienstagmorgen erwischt: Nachdem ein Güterzug nachts in Neubeckum entgleist war und Teile der Oberleitung abgerissen hatte, musste die wichtige Strecke zwischen Köln und Berlin teilweise voll gesperrt werden. Seither halten keine Fernverkehrszüge mehr am Hauptbahnhof Bielefeld. "Das ist für uns natürlich der Super-GAU", sagte Bahnhofsmanager Martin Nowosad.
Der Unfall, bei dem niemand verletzt wurde, hat in der gesamten Region weitreichende Auswirkungen. Passagiere müssen Verspätungen bis zu einer Stunde, Zugausfälle oder Ersatzfahrten in Bussen in Kauf nehmen. Davon sind die Bahnhöfe Rheda-Wiedenbrück, Gütersloh, Isselhorst, Brackwede, Bielefeld, Herford und Löhne betroffen. 38 Nahverkehrszüge und rund 30 Fernzüge sind nach Auskunft der Bahn auf dem Abschnitt jeden Tag unterwegs.
Die ICE-Züge aus Hannover Richtung Hamm werden bereits seit Dienstag über Löhne, Osnabrück und Münster umgeleitet. So wurde der Bahnhof Löhne kurzfristig zum ICE-Halt. Fahrgäste, die aus Bielefeld Richtung Hannover/Berlin fahren wollen, müssen mit Nahverkehrszügen nach Löhne fahren und dort in die Fernzüge einsteigen. Ab Rheda-Wiedenbrück verkehren Ersatzbusse Richtung Hamm.
Unklar ist, wann sich die Lage wieder normalisiert
"Die Fahrzeitverlängerung beträgt 30 bis 45 Minuten", so Nowosad zur Lage im Fernverkehr. Auf anderen Strecken mussten Bahnreisende gestern mit Verspätungen zwischen 15 Minuten und gut einer Stunde rechnen, so Bahnsprecher Torsten Nehring. "Wir bitten um Entschuldigung und danken für die Geduld der Fahrgäste", sagte Nehring. Wann sich die Lage auf der wichtigen Bahnstrecke wieder normalisieren wird, konnte Nehring zunächst nicht sagen. "Das alles ist Stochern im Nebel." Er hoffe darauf, dass sich die Lage ab Mittwoch langsam wieder entspanne.
Rat gesucht | FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Ein 150 Tonnen schwerer Schienenkran warte in Hamm, um die Unfallstelle schnellstmöglich zu räumen. Den ganzen Dienstag waren Experten des Eisenbahn-Bundesamtes in Bonn dabei, die Unglücksursache zu ermitteln. "Wir schließen eine Stellwerksstörung aus", so Sprecher Frank Siebel. Man konzentriere sich auf eine Suche an Fahrzeug, Gleis oder Oberleitung. Neun Weichen, zwei Signale und bis zu vier Oberleitungsmasten sowie ein 600 Meter langer Abschnitt der Oberleitung wurden bei dem Unfall zerstört oder beschädigt.
Im Zug war laut Siebel auch Gefahrgut, das sich aber nicht in den entgleisten Waggons befunden habe. Gegen 3.30 Uhr waren vier Waggons inmitten eines Güterzugs entgleist, der sich kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Neubeckum befand. Dabei wurde der Zug auseinandergerissen, so Werner Jacobs, stellvertretender Leiter der Bundespolizeiinspektion Münster. 15 Beamte untersuchen den Unfall.
Auch am Mittwoch kommt es zu Behinderungen im Fernverkehr. Weiterhin verkehren keine IC- und ICE-Züge über Bielefeld, ein Zustieg ist nur in Löhne möglich. Ob am späten Nachmittag wenigstens ein Gleis freigegeben werden kann, wird frühestens am Mittag entschieden, teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage von nw-news.de mit.
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