Porta Westfalica (-sg-/dpa). Nach zwei chaotischen Tagen rollen auf der ICE-Strecke zwischen Köln und Berlin wieder Züge. Nachdem zwei Güterzugunfälle am Dienstag und Mittwoch Tausende Reisende auf eine Geduldsprobe gestellt hatten, entspannte sich am Donnerstag die Lage auf der wichtigen West-Ost-Achse nach Bahnangaben. "Der Fernverkehr in und aus der Hauptstadt rollt wieder über Hamm, Bielefeld und Hannover", sagte ein Sprecher.
Jedoch sei auch am Freitag noch mit Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr zu rechnen. Die Fernzüge könnten nur sehr langsam an den Unglücksstellen vorbeifahren, schränkte der Sprecher ein. Vereinzelt komme es daher noch zu Verspätungen von bis zu 45 Minuten.
Reisende des Nahverkehrs hatten dagegen weiterhin den Schwarzen Peter: Sie mussten zwischen Hamm und Neubeckum sowie zwischen Löhne und Minden auf Busse umsteigen.
Verspätungen, lange Umwege, Zugausfälle: die Entgleisungen mehrerer Güterwaggons - erst in Neubeckum und dann im kaum hundert Kilometer entfernten Vennebeck (Kreis Minden-Lübbecke) - hatte den Schienenverkehr auf der wichtigen Achse in ein heilloses Durcheinander gestürzt. Die Strecke zwischen Köln und Berlin musste zeitweise komplett gesperrt werden. Am Mittwoch war es zu Verspätungen von mehr als zwei Stunden gekommen, weil alle Fernzüge teils weite Umwege fahren mussten.
Möchten Sie wissen, ob Ihr geplanter Zug pünktlich abfährt oder ausfällt?
Reiseauskunft der BahnInfo-Telefonnumer der Bahn:
01803 / 464006 (6-22 Uhr)
Nachdem am Mittwochabend am Unglückort bei Vennebeck eines von insgesamt vier Gleisen wieder freigegeben werden konnte, war am frühen Donnerstagmorgen auch der Fernverkehr in Neubeckum wieder angelaufen. "Seit 15.00 Uhr versuchen wir dort, ein weiteres Gleis frei zu bekommen", sagte der Bahnsprecher am Donnerstagnachmittag. "Das entspannt die Situation für den Fernverkehr." Züge beider Richtungen mussten sich zunächst ein Gleis teilen und konnten nur abwechselnd fahren. Sie könnten die Unfallorte nur im Schritttempo passieren.
Minusgrade führen zu Problemen bei Bergungsarbeiten
Am Donnerstagmorgen nahmen Bundespolizei und Eisenbahnbundesamt die Ermittlungen in Vennebeck wieder auf.
In der Nacht war ihre Arbeit durch Frost und starken Schneefall erheblich behindert worden. Unklar ist weiterhin, wann die Gleise des Nahverkehrs wieder befahrbar seien und ob Schäden ausgebessert werden müssen.
Auch die Schadenshöhe war am Donnerstagnachmittag noch unklar. "Es ist davon auszugehen, dass es eine teure Angelegenheit für uns wird", sagte ein Sprecher. Es seien Oberleitungsmasten, Gleise, Weichen, Signale und Kabel beschädigt worden. "Die Unglücke zählen zu den größeren Schäden in unserer Eisenbahngeschichte." Die Bergungsarbeiten bereiteten den Technikern wegen der Minusgrade erhebliche Probleme. Sowohl in Vennebeck als auch in Neubeckum stünden noch Güterwaggons auf den Gleisen. "Es ist noch nicht klar, ob wir diese abtransportieren müssen. Erst dann können wir unter die Gleise schauen", erklärte der Bahnsprecher.
Am Mittwochnachmittag waren etwa 1,5 Kilometer südlich des Bahnhofes von Porta Westfalica drei Kohlewagen eines leeren 20-Wagen-Güterzuges entgleist. Der Zug war
auf der Fahrt von Löhne nach Nordenham, als es aus bisher ungeklärter Ursache zu dem Unfall kam. Dabei wurden die Schienen auf einer Länge von 800 Metern beschädigt. Angaben über den genauen Unfallhergang und zur Schadenshöhe konnte die Bahn noch nicht machen.