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19.01.2010
Die Rückkehr der Wölfe
Großer Einzelgänger lebt im Reinhardswald
VON HUBERTUS GÄRTNER

Es gibt ihn wirklich | FOTO: DPA

Warburg/Düsseldorf. Wenn Norbert Teuwsen, Forstamtsleiter im Reinhardswald, auf den Wolf zu sprechen kommt, leuchten seine Augen vor Freude und Begeisterung. "Unser Wolf hat große Füße und eine außerordentliche Kraft", sagt Teuwsen. Vor wenigen Tagen erst habe man wieder seine Spur im Schnee gefunden. Elf mal neun Zentimeter messen die Tatzen.

Seit etwa drei Jahren hält sich im hessischen Reinhardswald, kurz hinter der Grenze zum Kreis Höxter, ein einzelner Wolf auf. Als ihn ein Jäger erstmals zu Gesicht bekam, wurde das als große Sensation gefeiert. Schließlich hatte es in Hessen seit mindestens 150 Jahren keine Wölfe mehr gegeben. In ganz West- und Mitteleuropa war die Tierart im 18. und 19. Jahrhundert erbarmungslos verfolgt und nahezu ausgerottet worden.

Nun ist es offenbar nur eine Frage der Zeit, wann die ersten Wölfe auch nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren. "Das wird wohl nicht mehr lange dauern", sagt Birgit Königs, Sprecherin des Naturschutzbundes in NRW. Im Düsseldorfer Umweltministerium wird nach Informationen dieser Zeitung bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die breite Öffentlichkeit mit dem Gedanken an Wölfe vertraut zu machen. Etliche Behördenvertreter, Jäger und Forstleute, Naturschutzverbände, aber auch Schafzüchter werden in die Planungen einbezogen.

Ein paar Haare blieben im Stacheldraht hängen

Die Öffentlichkeit soll über den Wolf besser informiert werden, damit keine unnötige Angst entsteht oder es gar zum illegalen Abschuss kommt. Dieser Meinung ist auch Matthias Kaiser vom Landesamt für Natur und Verbraucherschutz NRW. Kaiser ist der Luchs- und Wolfsbeauftragte des Landes NRW. Derzeit wartet er gespannt auf ein Gutachten vomForschungsinstitut in Senckenberg (Osthessen). Das Forschungsinstitut ist das nationale Referenzzentrum für genetische Untersuchungen an Wolf und Luchs.

Wolfsspuren im Schnee | FOTO: REINER STACKE

Die Fachleute nehmen dort auch eine Haarprobe aus Muddenhagen im Kreis Höxter genau unter die Lupe. Ende November vergangenen Jahres war in Muddenhausen ein Schaf entdeckt worden, das offensichtlich von einem Tier gerissen wurde. Ein paar Haare blieben im Stacheldraht hängen – sie sollen nun Aufschluss darüber geben, ob es ein Wolf oder doch nur ein Hund war. Muddenhausen liegt nur etwa 15 Kilometer vom Reinhardswald entfernt. Für den Wolf, der in einer einzigen Nacht 50 Kilometer weit läuft, sei das "nur ein kleiner Spaziergang", sagt Forstamtsleiter Teuwsen. "Der hält sich nicht an die Landesgrenze."

Vermutlich habe der Wolf aus dem Reinhardswald schon häufiger einen Abstecher nach Nordrhein-Westfalen gemacht. Das Schaf in Muddenhausen sei aber vermutlich doch von einem Hund gerissen worden, glaubt Teuwsen. Dafür spreche, dass die Eingeweide aufgefressen wurden – das sei für Wölfe eher untypisch. "Die Lieblingsspeise unseres Wolfes sind im Augenblick kleine Wildschweine", sagt Teuwsen. Aber dem Reinhardswald-Wolf sei es auch schon gelungen, "ein erwachsenes Stück Rotwild zu fangen". "Der versteht sein Handwerk", sagt Teuwsen. Auch einige Dutzend tote Schafe gehen schon auf das Konto des Wolfes – die Züchter seien vom Land Hessen entschädigt worden.

Teuwsen glaubt, dass der Wolf aus der sächsischen Lausitz in den Reinhardswald gewandert ist. In Sachsen und Brandenburg wurden in den letzten Jahren schon wieder 80 Wölfe geboren. Wenn die Rudel zu groß werden, suchen die jungen Wölfe im Alter von zwei Jahren das Weite. "Sie wandern in alle Himmelsrichtungen aus", sagt Teuwsen.

Einen Wolf, der in der Lausitz geboren wurde, hat man sogar schon in Weißrussland geortet. Auch die Wälder in Hessen und NRW "sind für Wölfe geeignet", sagte Markus Bathen vom Naturschutzbund Hessen. Der Wolf sei "ein wichtiges Symbol für den Naturschutz". Kein Mensch müsse Angst ,vor ihm haben.

Rudel in der Lausitz

Wölfe wurden in West- und Mitteleuropa im 18. und 19 Jahrhundert fast ausgerottet. Seit etwa dreißig Jahren stabilisiert sich ihre Population. Von Polen aus wanderten Wölfe nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder nach Deutschland ein. In der Lausitz gibt es nun mehrere Rudel. Je ein einzelner Wolf lebt im 20.000 Hektar großen Reinhardswald und in der Lüneburger Heide, einer wurde auch im Solling gesehen. Ziehen weitere Tiere in diese Gebiete, könnten sich hier bald Rudel bilden. Die Jagd auf Wölfe ist verboten. In Niedersachsen wurde 2007 ein Wolf geschossen, in Bayern und Schleswig Holstein jeweils einer überfahren.



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Kommentare
Jede Wette, dass der das Jahr nicht überlebt ... die Menschen sind so selbstsüchtig, da wird sich sicherlich irgend jemand über das Jagdverbot hinweg setzen. Die Vorurteile sind einfach zu groß. Zum Thema Schafe: Jeder Unternehmer, der einen Betrieb führt, weiß, was "unternehmerisches Risiko" ist. Der Wolf ist ein natürlicher Teil der Umgebung, in der sich eine Schafherde bewegt. Demnach ist es ebenso unternehmerisches Risiko, das ein- oder andere Schaf möglicherweise durch einen Wolf zu verlieren. Und an sollte auch nicht behaupten, der Wolf wäre nicht Teil der Natur, nur weil man ihn schon einmal fast ausgerottet hat !

Wenn es heißt, die Öffentlichkeit solle über den Wolf besser informiert werden, dmit keine unnötige Angst entsteht oder es gar um illegaen Abschuss kommt, kann ich nur hoffen, dass sich das Land NRW - zumindest fnanziell - an der Aufklärungsarbeit beteiligt. Denn es kann nicht angehen, dass dieser arbeits-, personal- und kostenintensive Part den vielen Naturschutzgruppen und ihren ehrenamtlichen Helfern zufällt, die sich gegenüber stammtischparolen phrasierenden Zeitgenossen ohnehin leider kein Gehör verschaffen können. Es gilt zu vemitteln, dass "Rotkäppchen und der böse Wolf" ein Märchen ist, mit dem tatsächlichen Wesen des Wolfes aber nichts zu tun hat.


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