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20.01.2010
DEMTOLD/GÖTTINGEN
Eine Doktorarbeit als Flickenteppich
Lippische SPD fordert Landesverbandsvorsteher Andreas Kasper nach dem Strafbefehl zum Rücktritt auf
VON HUBERTUS GÄRTNER

Kasper | FOTO: LWL

Detmold/Göttingen. Auf der Homepage des Landesverbandes Lippe stehen viele interessante Dinge. Die Rede ist dort zum Beispiel von einer neuen heimatlichen Hymne und von Motorsägenlehrgängen. Kämmerer Bernd Tiemann, so ist zu lesen, will die Zukunft des Landesverbandes mit seinen rund 200 Mitarbeitern sichern. Er kündigt für dieses Jahr ein Investititionsprogramm von 8,2 Millionen Euro an. Der Landesverbandsvorsteher Andreas Kasper (CDU) berät derweil Gymnasiasten. Sein Motto lautet: "Abitur - was nun?"

Info

ZWISCHENRUF:  Ansehen verloren

VON HUBERTUS GÄRTNER

Es ist erst ein paar Monate her, da hat ein Korruptionsskandal um gekaufte Doktortitel die Republik erschüttert. Viele Professoren stehen unter Verdacht; der Wissenschaftsbetrieb geriet in Verruf. In Lippe liegt der Fall anders. Dort hat Andreas Kasper, neben Landrat Friedel Heuwinkel (beide CDU) einer der höchsten politischen Repräsentanten, für seine Doktorarbeit Texte von anderen Autoren geklaut. Auch das ist strafbar – und man könnte fragen, was schlimmer ist: geistiger Diebstahl oder Bestechung. Kasper hat Glaubwürdigkeit und Ansehen verloren; er wird nicht mehr ernst genommen. Wenn er Charakter hätte, würde er zurücktreten. Das will er aber nicht. Sein Verharren im Amt fügt dem Landesverband zwangsläufig weiteren Schaden zu.

Die brisanteste Nachricht sucht man bislang aber vergebens. Sie betrifft einen Strafbefehl über 9.000 Euro (90 Tagessätze), den das Amtsgericht Göttingen jetzt auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Urhebergesetz gegen Andreas Kasper erlassen hat. Deshalb muss der lippische Landesverbandsvorsteher nicht nur um seine Reputation, sondern auch um seinen Posten bangen. Die lippische SPD hat gestern klipp und klar Kaspers Rücktritt verlangt. Dieser habe die Landesverbandsversammlung, das sogenannte "Lippe-Parlament", bei seiner Bewerbung "getäuscht", deshalb sei "die Vertrauensbasis zerstört", sagte der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der lippischen SPD, Dirk Becker.

Kasper wird, wie berichtet, vorgeworfen, in seiner im Jahr 2004 vorgelegten Doktorarbeit zum Thema "Sozialsponsoring" in erheblichem Umfang geistigen Diebstahl begangen zu haben. Die Dissertation stelle sich "auf etlichen Seiten als Flickenteppich aus den Texten anderer Autoren dar", die nicht kenntlich gemacht worden seien, sagte gestern der Göttinger Oberstaatsanwalt Hans-Hugo Heimgärtner. Seriosität sei in der Wissenschaft "ein hohes Gut", deshalb könne man so etwas "nicht durchgehen lassen" und habe das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung bejaht.

Kasper will den Strafbefehl akzeptieren, aber trotzdem im Amt bleiben, wie er gestern erneut bekräftigte. Ungeahnte Chuzpe hatte Kasper (34) bereits bewiesen, als er für die von ihm begangenen Plagiate seine beiden Doktorväter, darunter den altehrwürdigen Kirchenrechtler Professor Axel von Campenhausen, mitverantwortlich machen wollte. Mit der Akzeptanz des Strafbefehls ist Kasper nun auf schriftlichem Wege verurteilt. Ansonsten hätte er in einer öffentlichen Hauptverhandlung auf der Anklagebank Platz nehmen müssen.
Folgenschwere Blamage | FOTO: PREUSS

Innenministerium will kein Disziplinarverfahren einleiten

Die lippische Landesverbandsversammlung hatte Kasper im Juni 2008 für acht Jahre ins Amt gewählt. Dass er seine Promotionsurkunde erschwindelt hatte, konnten die lippischen Politiker damals nicht ahnen. Weil Kasper die Straftaten vor seiner Amtszeit begangen hat, will das Innenministerium aber kein Disziplinarverfahren einleiten. Außerdem sei die Promotionsurkunde selbst ja nicht gefälscht worden, heißt es etwas spitzfindig in Düsseldorf. Die Uni Göttingen hatte Kasper den Doktortitel voriges Jahr aberkannt.

Die lippische CDU hat mit all dem offenbar überhaupt kein Problem. "Von uns wird niemand etwas gegen Herrn Kasper unternehmen", sagt Detlef Langhans, CDU-Vertreter in der Landesverbandsversammlung. Kasper mache schließlich "einen guten Job". Sein Fehlverhalten sei auch nicht mit demjenigen des geschassten Vorgängers Joachim Bünemann (SPD) zu vergleichen, glaubt Langhans. Bünemann habe dem lippischen Landesverband schließlich direkt geschadet, als er seine 50. Geburtstagsfeier auf dessen Kosten abrechnete.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Hat eigentlich schon irgend jemand nachgeforscht, ob der Herr bei seinen vorherigen wissenschaftlichen Arbeiten nicht ähnlich verfahren ist? Der Mann soll mehrere Studienabschlüsse haben! Und dass er gerade bei seiner Dissertation das Copy & Paste-Verfahren zum ersten Mal angewendet haben sollte, bedarf zumindest der Nachprüfung.

Eine "fehlerhafte" Zitierweise liesse sich korrigieren, zwei Monate Nacharbeiten, dann wären die "Fehler" behoben. Das gehtl aber dann nicht mehr, wenn die "fehlerhaften Zitate" die wesentlichen und wissenschaftlichen Erkenntnisse und Hauptbestandteile der Doktorarbeit bilden. Schliesslich soll ja die Doktorarbeit gerade dafür Beleg und Nachweis sein, dass der Promotionskandidat wissenschaftlich arbeiten kann. Dass über diese Sachverhalte bisher nicht didkutiert wurde läst vermuten, dass die "Zietierfehler" sehr erheblich sind, und der Grad der eigenen Leistung der Doktorarbeit vermutlich daneben so gering ist, dass die diskutierte Doktorarbeit nicht mehr korrigiert werden kann.

Mängel in der wissenschaftlichen Erarbeitung der Doktorarbeit. Und der Doktorvater und der Kokorrektor haben nichts bemerkt? Wie hoch ist denn der Sockel, auf dem die beiden sitzen, dass noch nicht einmal ein Schatten auf zu fäll! Und im Übrigen: In der polemischen Diktion des Artikelschreibers vermischt sich Bericht und Kommentar. ( Das meint ein Vielzeitungsleser, der auch langjähriges SPD - Mitglied ist.)

...und was geschieht mit dem "Doktorvater" und dem Kokorrektor?!

Zu dämlich die wiss. korrekte Zitierweise anzuwenden, aber ´ne Behörde leiten wollen. Die armen Untergebenen, da KANN Mann/Frau ja nur innerlich kündigen...



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