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21.01.2010
Bielefelder Professor nennt Islam "kollektive Zwangsneurose"
Nun fühlt er sich bedroht
VON HUBERTUS GÄRTNER

Bielefeld/Berlin. An der Fachhochschule Bielefeld gilt Heinz Gess (65) als unbequemer, kritischer Geist. Seit 1978 lehrt der Professor dort Soziologie und Gesellschaftstheorie. Dabei pflegt er eine theoretische Sprache, die nicht immer von jedem sofort verstanden wird. Rassismus, Antisemitismus und Religionskritik sind Themenfelder, die Gess immer wieder beackert. Nun hat er auch den Islam aufs Korn genommen. Manchen fällt seine Kritik etwas zu radikal aus.

Die Folgen sind jedenfalls heftig: Gess sieht sich einer Kampagne der Islamischen Religionsgemeinschaft ausgesetzt. Er fühlt sich verfolgt und bedroht und hat bereits den polizeilichen Staatsschutz um Hilfe gebeten. Der wiederum hat nach Informationen dieser Zeitung die Bielefelder Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Dort werden nun unter dem Aktenzeichen 46 Js 24/10 erste Ermittlungen geführt.

"Der Islam in seiner gegenwärtigen Verfasstheit ist eine kollektive Zwangsneurose", sagt Gess. Seine Wortwahl knüpft an ein Zitat des bekannten Psychoanalytikers Sigmund Freud und dessen allgemeine Religionskritik an. Der Vergleich mit der Zwangsneurose, den Gess auch in mehreren Aufsätzen schriftlich niedergelegt hat, ist der Islamischen Religionsgemeinschaft in Berlin übel aufgestoßen.
Sie ist bekannt dafür, dass sie die islamischen Lehren in der Öffentlichkeit besonders selbstbewusst und ohne Umschweife vertritt. Ihr Präsident, Abdurrahim Vural, stritt beispielsweise vehement dafür, dass in Berlin Religionsunterricht für islamische Kinder angeboten wird. Außerdem klagte seine Organisation auch (vergeblich) gegen das Kopftuchverbot an bayerischen Schulen.

"Islamfeind Professor Heinz Gess"

Auf der Internetseite der Islamischen Religionsgemeinschaft springen dem Betrachter nun harte Worte entgegen. Dort ist vom "durchgeknallten Islamfeind Professor Heinz Gess" die Rede. "Dummheit und blinder Hass gegenüber dem Islam müssen bestraft werden!" Mit dieser Aufforderung ist eine Pressemitteilung der Islamischen Religionsgemeinschaft vom 23. November vergangenen Jahres überschrieben.

Professor Heinz Gess von der Fachhochschule (FH) Bielefeld habe "Volksverhetzung" begangen, heißt es dort weiter. Mit seiner Behauptung, der Islam sei eine kollektive Zwangsneurose, habe Gess "alle Religionen dieser Welt verunglimpft".

Das wollte Gess angeblich nicht. "Meine Kritik ist ein Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs. Sie gilt vor allem dem Islamismus. Auch im Karikaturenstreit habe ich gegen den Islamismus eine klare Position bezogen", sagte der Wissenschaftler dieser Zeitung.
Vural war telefonisch gestern nicht zu erreichen. Deutlich sind allerdings seine schriftlichen Äußerungen: "Ich fordere im Namen der Muslime aus aller Welt eine Aufklärung und Be-strafung von Professor Gess", schrieb Vural am 25. November letzten Jahres an die Präsidentin der FH, Beate Rennen-Allhoff.

"Wir sind dabei, den Sachverhalt aufzuklären", sagte gestern FH-Sprecher Frank-Rüdiger Bürgel. Das versucht auch die Staatsanwaltschaft. Weil nicht nur Gess, sondern auch die Islamische Religionsgemeinschaft neben zivilrechtlichen Schritten bereits eine Strafanzeige annonciert hat, müssen die Ermittler in diesem verworrenen Fall mindestens die Straftatbestände Volksverhetzung und Bedrohung prüfen.

Subjektiv sieht sich Gess bereits als Opfer von "Verfolgung" und "penetranter Hatz". "Mir ist völlig klar, dass die Aufforderung muslimischer Führer, Kritiker zu bestrafen, unter den gegebenen Umständen jederzeit jeden in Deutschland treffen kann, der es wagt, den Mund aufzutun", schreibt er auf der Internetseite www.kritiknetz.de.

Noch in der DDR gegründet

Die Islamische Religionsgemeinschaft wurde Anfang 1990 in der damaligen DDR gegründet. Ihr Hauptziel war, die Lehren des Islams und seine Traditionen im Ostteil Berlins zu verbreiten. Nach eigenen Angaben lehnt die Organisation ausdrücklich jede Form des Fundamentalismus oder gar Aufrufe zur Gewalt gegen Andersdenkende ab. Ihr Präsident, Abdurrahim Vural, mischt sich in gesellschaftliche Debatten ein. Er fordert zum Beispiel, dass muslimische Frauen während des Schulunterrichts ein Kopftuch tragen dürfen. Für Schlagzeilen sorgte die Religionsgemeinschaft, als ihr 75 Millionen Ostmark aus dem SED-Vermögen gespendet wurden. Später wurde das Geld beschlagnahmt. (gär)


Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Die Reaktionen inkl. die Wortwahl der muslimischen Verbandsvertreter zeugen eindrücklich von der Unfähigkeit zur Diskussion. Hier ist nicht zusammengewachsen und wird auch nicht zusammenwachsen, was nicht zueinander gehört.

Um vorab klar zu stellen, ich bin keine Ausländerfeindliche, bin selber mit einem Ausländer verheiratet und in unserer Familie sind auch moslems die allerdings auch so ein verhalten an tage legen das es nur ihre Religion gibt und keine anderen. Das die Muslime andere Meinungen nicht akzeptieren liegt wohl in den Genen. Ich kenne so einige bei den man immer vorsichtig sein muß was man sagt. Das darf aber nicht sein, das man angst haben muß seine Meinung zu sagen, wenn man es doch tut heißt es gleich: du Rassist, Die mag keine Ausländer,.....! Die muslime wollen sich doch garnicht in unser Land integrieren egal ob jung oder alt. Ein Beispiel: Zu Weihnachten sollten unsere Kinder in der Schule ien Weihnachtsgedicht vortragen. Ein Junge blieb sitzen und ich fragte ihn, warum er nicht mit nach vorne geht. Er sgte mir: Meine Eltern haben gesagt ich darf das Gedicht nicht mit vortragen, weil es nicht mit meiner Reiligion zusammen passt! Da pack ich mich doch an den Kopf! In dem Gedicht war kein einziges Wort über das Christentum oder Jesus oder Kirche. Das Gedicht handelte von einem Weihnachtsbaum!!! Den Kinder wird doch schon von ganz klein eingetrichtert das nur ihre Religion gelte und keine andere. Es gibt vieleicht ein paar ausnahmen, aber die muss man wie die nadel im Heuhaufen suchen.

@ Martin Grote: Mit Volk hatte ich eigentlich alle hier rechtmäßig lebende,sich an Gesetz und Verfassung haltende,(sofern ausländisch) Integrationswillige und die Freiheit und Würde aller Individuen respektierende Mitbürger gemeint.Hm...ist Gemeinschaft eventuell passender? Ich persönlich bin deutscher Staatsbürger (türkisch-kurdischer Herkunft),hier geboren,Alevit und fühle mich durch die genannte Religionsgemeinschaft nicht vertreten! Der "zweideutige" Bestrafungsaufruf ist natürlich zu verurteilen und mit einem zivilisierten Miteinander nicht vereinbar.Andererseits ist der Artikel (was natürlich im Rahmen einer Tageszeitung verständlich ist) für so ein komplexes Thema nicht ausreichend....deshalb:vielen dank für den Kritiknetz Hinweis. Mit Spalter meinte ich:Schubladendenker,Parolenposauner und auch die Politik im allgemeinen.Beispiel:Wie viele Jahre hat es damals gedauert,den Hass predigenden,selbst ernannten Kalifen aus Köln (Metin K.) endlich abzuschieben(der dreist von den Zuwendungen der"Ungläubigen" gelebt hat)? Warum gilt der höchst rückständige und Menschen bzw. Frauen verachtende Staat Saudi Arabien als unantastbar...sehe in Sachen Rückständigkeit kaum einen Unterschied zu Afganistan. Warum wurden keine verbindlichen Sprachkurse eingeführt...gerade um in den (teils) chauvinistischen Haushalten an die Frauen "ran zu kommen"? Sprich:Die Gesetze angepasst. Zum Thema "Milli Görüs" sage ich mal besser nichts. Eine Reform des Qur´an würde meiner Meinung nach nichts bringen bzw. von den verblendeten erst gar nicht angenommen werden.Extremismus und Vernuft passen nicht so recht zusammen. -Das Antisemitismus falsch,dumm und einfach nur widerlich ist ist auch allseits bekannt....trotzdem gibts die NPD...die ja auch nicht gerade für Demokratie und Freiheit steht. Bitte versteht aber auch,dass eben Muslime/Ausländer die eben nicht zu der genannten Klientel gehören (Steinzeit-Zitat:"Die nur die Hand aufhalten!"btw.die Kruzifixe gingen auf das Konto der Atheisten!) auch langsam müde sind sich immer wieder zu erklären.Bitte um Entschuldigung,wenn das als Kritik-Abweisung angekommen war. Für mich sind alle Menschen(egal welcher Konfession oder Hautfarbe) gleich (jaaa,auch Atheisten)!

ich gebe smokingjoe voll recht, man reagiert hier auf alles, wenn man nur ein wort gegen den islam ausspricht. sicherlich kann und darf man nicht alle über einen kamm schären, aber bitte schön wie viele jahrhunderte läuft das schon so!!! und über integration wird kein wort verloren. ich glaube fest, dass sich 80% aller in deutschland lebenden muslime gar nicht integrieren wollen, dies zeigt sich jeden tag an schulen, in betrieben und auf den ämtern. ich gehöre keiner glaubensgemeinschaft an und ich brauche keinen gott und keine kirche oder moschee oder andere einrichtungen um an etwas zu glauben, es ist nur traurig mit ansehen zu müssen wie unser liebes deutschland ins schlechte licht gerückt wird. wenn wir doch so schlimme deutsche sind, warum wollen die emigraten nach deutschland????

"Der Islam in seiner gegenwärtigen Verfasstheit ist eine kollektive Zwangsneurose", sagt Gess. Seine Wortwahl knüpft an ein Zitat des bekannten Psychoanalytikers Sigmund Freud und dessen allgemeine Religionskritik an. Professor Heinz Gess von der Fachhochschule (FH) Bielefeld habe "Volks verhetzung" begangen, heißt es dort weiter. Mit seiner Behauptung, der Islam sei eine kollektive Zwangsneurose, habe Gess "alle Religionen dieser Welt verunglimpft" Was hat dann Sigmund Freud getan. ? Hat er also auch Volkversetzung begangen, als er die Religionen seiner Zeit in Analogie individuellen Neurose eine "universelle Zwangsneurose" nannte? War das also auch nur "blinder Hass" gegen die Religion und die Verbrennung seiner Bücher durch die Nazi die adäquate Bestrafung?!" eine angebrachte Reaktion auf einen Satz sein? Was ist los in diesem Land, das wir schon wieder dort angelangt sind – und sich vor allem in der linkspolitischen Szene kein Widerstand gegen dieses Kritikverbot regt. Hat man hierzulande vergessen, worin die Freiheit des (kritischen) Denkens besteht, nämlich darin das man Hypothesen formulieren darf und soll, die Erklärungskraft, etwa die Kraft haben zu erklären, warum so viele Muslime, insbesondere Frauen) sich mit der veralteten islamischen (religiös legitimierten) Herrschaftsform, die sie schlägt und manchmal buchstäblich zu Tode prügelt, so stark identifizieren, dass sie schon gar nicht mehr "ich" sondern nur noch "wir" sagen können: "wir Muslime" und jede Kritik an islamisch legitimierter Unterdrückung und Gewalt als Beleidigung verunglimpfen. Ist die Annahme nicht sehr vernünftig, dass eine solche religiöse Identifikation die Züge einer Neurose hat, für die kennzeichnen ist, das die Unterwerfung selbst mit Lust verbunden ist – ein verinnerlichte masochistische Lust, deren Pendant der Sadismus oder Autoritarismus ist (s. dazu Adorno, Fromm u. a. über die "autoritäre Persönlichkeit"? Gewiss ist sie das, und es spricht sogar sehr viel dafür, dass sie richtig ist. Wäre sie das, wäre es völlig inadäquat, über diese erklärungskräftige Hypothese beleidigt zu sein und in der Folge den Boten für seine negativer Botschaft über den Islam als Herrschaftsform zu betrafen, sondern adäquat wäre es allein, die Verhältnisse so zu verändern, dass die autoritäre Persönlichkeit ihre historisch materielle Basis und ihre geistig kulturellen Stützpunkte verlören. D. h,. die Muslime hätten den Islam selbst zu verändern, um sich aus ihrer äußeren und inneren Not schlechter Herrschaft zu befreien (nicht aber wäre der Bote Gess zu bestrafen, der diese Botschaft überbringt).



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