Herford. Fanny verkriecht sich tief im Hamsterstreu. Sie ist krank, vielleicht sogar trächtig. Jedenfalls hat sie eine schlimme Zeit hinter sich. Mit Hunderten von Tierchen vegetierte sie in der Chaos-Wohnung eines Messis. Dann wurde sie befreit von der Hamsterhilfe Nord und lebt nun bei Charlotte Engels in der Pflegestelle Herford.
Im Januar war Großalarm in der bundesweiten Hamsternothilfe: Es begann mit 23 Tierchen aus jenem süddeutschen Messi-Haushalt, die nach einem richterlichen Beschluss befreit wurden. Dann mussten 200 Laborhamster aus dem Raum Frankfurt untergebracht werden. Am vergangenen Wochenende kamen 167 Hamster dazu. "Animal hording" nennt man die krankhafte Leidenschaft des Mannes, der in einem Raum mehr als 100 Tiere "gesammelt" hatte. Alle wurden nun deutschlandweit verteilt.
Die Hauptstelle Bückeburg vermittelte vier Hamster nach Herford: Diego, den Zutraulichen, Duncan, den Schüchternen, Däumelinchen, die Neugierige und die kleine Fanny. Bei Charlotte können sie sich erholen. In der Wohnung der Lehramtsstudentin stehen geräumige Käfige mit allen, was den Hamster freut: Zweige zum Klettern, ein Laufrad zum Training, ein Häuschen zum Ausruhen, ein stilles Örtchen und eine dicke Schicht Sägespäne zum Gängegraben. In einem Regal lagern köstliche Kräuter, Eiweißfutter wie Grashüpfer, Mehlwürmer und Bachflohkrebse sowie getrocknetes Gemüse, Obst und Körner aller Art.
Fanny ist das "Notfellchen". Behutsam nimmt Charlotte sie aus dem Käfig und lässt sie über Arme und Schulter krabbeln, damit sie sich an Menschen gewöhnt. Die 24-Jährige ist eine spätberufene Hamster-Pflegerin.Als Kind fand sie Hamster "einfach nur langweilig" – bis sie den Zwerghamster einer Freundin kennen und lieben lernte.Er hieß Nireus, benannt nach dem schönsten Krieger in der antiken griechischen Armee. Charlottes erster Hamster hieß Napoleon, dann folgte Ferdinand, und von Hamster zu Hamster wuchs die Leidenschaft für die possierlichen Tiere mit den Knopfaugen.
Vor anderthalb Jahren engagierte sie sich in der Nothilfe.Ihr erster Notfall-Hamster war als Schlangenfutter vorgesehen. In Charlottes Obhut überwand er sein Trauma.
Die Pflegestelle Herford ist auch eine Vermittlungs- und Beratungsstelle. Gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro werden die Gold- und Zwerghamster abgegeben über die Hauptstelle Bückeburg, Tel. (0 57 22) 28 58 24,
www.hamsterhilfenord.de.