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08.02.2010
STEINHEIM
CDU-Bürgermeister empfängt Neonazis
SPD im Kreis Höxter empört über Joachim Franzke / Bürgermeister gibt Erklärung ab
VON HUBERTUS GÄRTNER

In der Kritik

Steinheim. Joachim Franzke, CDU-Bürgermeister der Stadt Steinheim (Kreis Höxter), hat Neonazi-Abordnungen offiziell empfangen. Über den Inhalt der Gespräche wurde Geheimhaltung vereinbart. Deshalb steht das Stadtoberhaupt nun massiv in der Kritik. Die Neonazis brüsten sich bereits mit ihrem Coup im Internet. Der SPD-Vorstand des Kreises Höxter zeigt sich entsetzt über Franzkes Verhalten. Dieser habe Rechtsextremen "eine Plattform" geboten.

Bürgermeister Franzke wollte bereits "vor zwei Jahren eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Wirken der Nationalsozialisten in der Gegenwart nicht in städtischen Räumen aufstellen lassen", erinnert sich der SPD-Kreisvorsitzende Johannes Reineke. Jetzt führe Franzke "Gespräche mit einer Abordnung der Freien Kameradschaft". Das sei "ein Skandal, der dem Image der Stadt weit über die Grenzen hinaus schaden wird".

Was war geschehen? Vor einigen Wochen schrieb ein Mitglied der "Freien Kameradschaft Höxter" einen Brief an den Bürgermeister Franzke, wonach die Straftaten in Steinheim in den letzten Jahren angeblich stark zugenommen hätten. Bei den "Freien Kameradschaften" handelt es sich um autonome rechtsextreme Gruppen, die untereinander stark vernetzt sind. Nach Einschätzungen des Verfassungsschutzes gibt es in Deutschland etwa 150 Gruppen.

Bürgermeister persönlich angegriffen

Nachdem Franzke auf den ersten Brief nicht reagierte, verteilte die "Freie Kameradschaft Höxter" zahlreiche Flugblätter, auf denen der Bürgermeister persönlich angegriffen wurde. Franzke, so der Vorwurf der Rechtsextremen, unternehme nichts gegen die Zerstörung in seiner Stadt und lasse "Ausländerbanden frei gewähren".

Franzke leitete den Brief an die Polizei weiter. Sodann lud er zu einem ersten Gespräch, woran er selbst, der Leiter des Ordnungsamtes sowie ein Vertreter der "Freien Kameradschaft" teilnahmen. Doch damit nicht genug: Auch bei einem turnusgemäßen Treffen der Steinheimer Ordnungspartnerschaft am 26. Januar durften die Rechtsextremen nach Recherchen dieser Zeitung noch einmal ihre Positionen ausführlich darlegen.

In der Steinheimer Ordnungspartnerschaft arbeiten Vertreter der Politik, der Kirchen, der Polizei und der Jugendämter zusammen. "Ohne vorherige Absprache" habe Franzke eine Abordnung der "Freien Kameradschaft Höxter" zu der Sitzung am 26. Januar eingeladen, berichtet ein Teilnehmer. "Wir waren völlig perplex", sagt er. Einige Anwesende, darunter vor allem die Polizei, hätten protestiert, doch dann habe man die braunen Parolen über sich ergehen lassen. Es sei "Stillschweigen vereinbart" worden. Doch wie zu erwarten hielt sich die "Freie Kameradschaft" daran nicht."Bürgermeister und Co. haben die Rechnung ohne die Courage der Aktivisten gemacht", heißt es nun triumphierend auf einschlägigen Internetseiten. Man sei "bereit für die nächste Runde". Bürgermeister Franzke war am Wochenende trotz mehrfacher telefonischer Anfragen nicht zu erreichen.

Zu dem vorliegenden Presseartikel  gab Steinheims Bürgermeister Joachim Franzke am Montagnachmittag folgende Erklärung ab:


1.Ein Steinheimer Bürger hat sich im November 2009 in einem persönlichen Anliegen an den Bürgermeister gewandt. In diesem Schreiben weist er auf einige Sachbeschädigungen und Gewalt unter Jugendlichen hin. Eine rechtsradikale Ausrichtung dieses Bürgers war aus diesem Schreiben nicht erkennbar.

2.Dieses Schreiben wurde an die Polizei und das Ordnungsamt weitergeleitet. In einem Gespräch am 11.12.2009 wurde verabredet, dass dieses Schreiben auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Ordnungspartnerschaft kommen soll.

3.Mit dem betreffenden Bürger, der in Begleitung eines Bekannten erschienen ist, hat es zwei Gespräche gegeben. Das erste Gespräch fand in der Stadtverwaltung statt. Auch hier war eine politische Ausrichtung des Bürgers nicht erkennbar. Ein zweites Gespräch wurde dann im Rahmen der Ordnungspartnerschaft im Beisein der Polizei geführt. Diese Gesprächsrunde  fand wie in der Vergangenheit nicht öffentlich statt. In dem Arbeitskreis wurde nochmals und ausschließlich auf die im November-Schreiben gemachten Hinweise eingegangen. Rechtsradikale Parolen hat es in meiner Gegenwart zu keiner Zeit gegeben.

4.Die Gespräche haben inhaltlich keine neuen Erkenntnisse gebracht. Entweder waren die Vorfälle der Polizei bereits bekannt und die Strafverfolgung wurde aufgenommen oder es lagen keine Anzeigen vor bzw. die Informationen waren so vage (Zitat: "Von Dritten gehört"), dass konkrete Maßnahmen nicht ergriffen werden konnten.

5.Inzwischen liegen auch mir Erkenntnisse vor, dass die beiden Personen, insbesondere der Begleiter, der rechtsextremen Szene angehören und über die Gespräche auch öffentlich berichten. Seitdem mir dies bekannt ist, wurden von meiner Seite alle Kontakte abgebrochen.

6.Der Hauptausschuss und der Rat der Stadt Steinheim wurden über die Vorgänge am 18.01. bzw. 01.02.2010 unterrichtet.

7.Zu keinem Zeitpunkt ist eine "Neonazi-Abordnung" vom Bürgermeister empfangen worden, ebenso wenig hat es Gespräche mit einer Abordnung gegeben, die sich als solche zu erkennen gegeben hat.


Steinheim, den 08.02.2010

gez. Joachim Franzke
Bürgermeister


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Kommentare
Was durften wir in den letzten Tagen nicht alles lesen: Herr Franzke, Bürgermeister der Stadt Steinheim, der angeblich nichts über unsere politische Weltanschauung wusste, ein Volksvertreter, der die Reaktion seiner Bürger fürchtet. Allerdings, dürfen wir nicht die Etablierten der SPD vergessen, die nun versuchen durch diesen Vorfall Kapital zu schlagen und Herrn Franzke zur Schlachtbank führen wollen. Es birgt doch schon eine gewisse Komik, wenn man bedenkt, dass in der Presse ein Anliegen eines Steinheimer Bürgers so ausgeschlachtet wird. Der Bürger wird wie immer belogen. Es wird die Angst geschürt. Und das alles nur, weil sich Bürgermeister Franzke die Stellungnahme eines besorgten Bürgers anhörte! Vielleicht sollte sich Herr Reineke (SPD Kreis Höxter) dort mal eine Scheibe abschneiden, schließlich ist es ja Herr Reineke, derjenige der hier von demokratischen Werten schwafelt. Doch gerade diese so oft gepriesene Demokratie, wird seitens der etablierten Parteien nur noch als Deckmantel ihrer verlogenen und inländerfeindlichen Politik genutzt. Alles Neue wird gradlinig verfolgt, dass Volk wird aufgestachelt, die Verfechter des Neuen und Guten versucht mundtot zu machen. Dies ist wahre Demokratie Herr Reineke. Hut ab. Dass sich Herr Franzke nun als „gelinkt“ ansieht ist mehr als lächerlich. Was die SPD allerdings nun versucht, ist mehr als erbärmlich. Es geht hier nicht mehr um den Bürger. NEIN. Es geht um Machtansprüche und die Neubesetzung des Bürgermeisteramtes der Stadt Steinheim. Darüber hinaus ist es ein Unding, dass sich Herr John Meyer (Kreis-SPD Fraktionschef) öffentlich zu dem zweiten Treffen geäußert hat. Schließlich handelte es sich, so wurden wir vorher „großschnäuzig“ belehrt, um eine „nicht Öffentliche Veranstaltung“. Zitieren wir hier also die Aussagen des Herrn Meyers: „Er habe als einziger in der Sitzung des Arbeitskreises Protest gegen die beiden “Bürger” erhoben. Alle anderen Teilnehmer hätten während des zehnminütigen Vortrages geschwiegen. Man habe sich überfahren gefühlt. Im Nachhinein hätte man aufstehen und gehen sollen. “Aber wir haben leider nicht die richtige Reaktion gezeigt – ich auch nicht”, sagte Meyer.“ Fragen wir uns, warum er nicht bei Erscheinen der beiden Bürger, die Anwesenden aufgeklärt hat? Man könnte meinen, dass dies alles Teil eines von der SPD ausgetüftelten Planes ist. Einiges spricht dafür. Unter anderem die Tatsache, dass Herr Franzke und Herr Meyer im engen Kontakt stehen müssen. Schon deshalb, da Sie der gleichen Kommune angehören und dies seit Jahren. Hierzu nun auch der Bericht der Neuen Westfälischen vom 10.02.2009: Steinheims Bürgermeister der Lüge bezichtigt Steinheim. Der Bürgermeister der Stadt Steinheim, Joachim Franzke (CDU), gerät wegen seines Umgangs mit Vertretern der rechtsextremen Freien Kameradschaften stark unter Druck. Die SPD im Kreis Höxter wirft Franzke vor, in seiner offiziellen Stellungnahme gelogen zu haben. Wie berichtet, hatte Franzke mehrere Gespräche mit Rechtsradikalen geführt. Diese durften ihre Positionen auch auf einer nicht öffentlichen Sitzung der Steinheimer Ordnungspartnerschaft am 26. Januar erläutern. Franzke hatte erklärt, er habe von der politischen Ausrichtung seiner rechtsradikalen Gesprächspartner nichts gewusst; diese hätten sich nicht zu erkennen gegeben. “Das ist nicht wahr”, erklärte gestern der SPD-Vorsitzende des Kreises Höxter, Johannes Reineke. Bürgermeister Franzke habe “spätestens am 14. Januar . . . gewusst, um welche braune Gruppierung es sich handelte.” Am 18. Januar habe es dazu eine Information des Hauptausschusses gegeben und am 26. Januar sei dann das Gespräch in der Ordnungspartnerschaft geführt worden. Franzke müsse “die vollständige Wahrheit sagen, alles andere wäre Vertuschung”, fordert der SPD-Kreisvorsitzende. Franzke war gestern erneut nicht zu erreichen. Nach eigenen Angaben hat er nun alle Kontakt zu den Neonazis abgebrochen. Diese Zeitung hatte bereits am 14. Januar über die Agitation der Rechtsextremisten in Steinheim ausführlich berichtet. Schlussendlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass in dieser Angelegenheit die Anliegen der Bürger nur als Bühne für die machtpolitischen Spiele der etablierten Parteien missbraucht werden. Die SPD wittert hier die Möglichkeit für einen von ihr angestrebten Machtwechsel. Darüber hinaus sollte sich Herr Franzke auf das besinnen was einen Politiker ausmachen sollte: die Wahrheit.

@dennis: Du bist politisch korrekt. Ein Träumer,der die Augen vor der wirklichkeit verschliest.

Man merkt, daß die Schreiber hier zur jungen Generation gehören und sich mit unserer Nachkriegsgeschichte kaum beschäftigt haben. Ich gehöre noch zu denen, die Adolf vom Thadden im Bünder Stadtgarten gehört haben. Nicht weil ich NPD-Anhänger war, sondern als junger Mann vielseitig interessiert, auch die Wahlkämper Stoltenberg (CDU) und den roten Jochen Steffen (SPD) whrend der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, und zwar ohne jegliche Berühungsängste. Gegendemos gab es auch nicht. Wir sollten uns erinnern, daß die NPD damals in einer Vielzahl von Landtagen vertreten und nur knapp den Einzug in den Bundestag verfehlte. Auch das Gerhard Schröder (gemeint ist nicht unserer Exkanzler, sondern unser Ex-Außen- und Verteidigungsminister von der CDU, bereit war - um Heinemann zu verhindern - sich von der NPD zum Bundespräsidenten (glücklicherweise erfolglos) wählen zu lassen. Unter diesen Aspketen unserer Zeitgeschichte ist es für mich schon kurios, wieviel Aufstand wir heutzutage um NPD, DFU und Republikaner machen, obwohl diese heutzutage nur noch wenige Mitglieder haben und selten Mandate gewinnen.

Natürlich ruft das hier auch (versteckten) Rassismus auf den Plan. Wahrscheinlich habe hier alle nie NPD gewählt und auch nichts gegen Ausländer die sich "ordentlich integrieren"?! Wer in solchen Streitgesprächen Ausländerkriminalität als Argument (Ausrede) für das Verhalten und die Ideologie von Kameradschaftlern hinzu zieht hat die Grenze zum (versteckten) Rassismus lange hinter sich gelassen. Was hat das als Argument in einer Diskussion um die Frage ob ein Bürgermeister einer Stadt mit Rassisten sprechen darf zu suchen?! Wenn eine Gruppe von Personen propagiert das es ist Ordnung ist Fahrraddiebe durch die Stadt zu jagen und tot zu prügeln, fändet ihr es dann in Ordnung wenn ein Bürgermeister mit dieser Gruppe spricht weil die Anzahl der Fahrraddiebstähle in den letzten Jahren massiv angestiegen ist und keiner in der Politik dieses Problem richtig angeht? Hier mal ein kleiner Denkanstoß: Bereinigt man die Ausländerkriminalitätsstatistik um Verbrechen die ein Inländer nicht begehen kann (z.B. Verstöße gegen das Asylrecht usw.) und zieht die durchschnittliche Sozialstruktur der jeweiligen Täter hinzu stellt man fest, dass jenes heile Weltbild von "Ausländer-Schlägerbanden" und den "deutschen, jugendlichen Opfern" in sich zusammen fällt. Dann stellt man nämlich fest, dass Menschen mit Migrationshintergrund trotz mangelnder Integration und starker Ausgrenzung (beides Probleme mit denen deutsche Straftäter nur bedingt Probleme haben) nur geringfügig (aus der Erinnerung deutlich unter 5%) höhere Verbrechensraten haben als Deutsche mit ähnlicher Sozialstruktur. In der Realität bleibt übrig: Ein CDU-Bürgermeister (der wahrscheinlich jeden, der es wagt mit einem Mitglied der Linkspartei einen Kaffee zu trinken am besten gleich dem Verfassungsschutz melden will) spricht mit Faschisten und Rassisten als seinen es normale Leute aus unserer Gesellschaft – das sind sie aber nicht! Er hat damit Amt und Stadt in den Schmutz gezogen. Und zu dem Rot-gegen-Schwarz-Argument: Die wenigen Mitglieder der Jungen Union und der CDU die ich kennen lernen durfte (hier in OWL!) würden sich schämen mit einem Mitglied einer freien Kameradschaft auch nur an einem Tisch zu sitzen, geschweige den auch noch ein "Hallo" mit ihnen auszutauschen. Egal ob Rot oder Schwarz, dass Verhalten von Herr Franzke ist für jeden aufrechten Demokraten nicht zu akzeptieren! Mindestens eine Entschuldigung wäre fällig, ein Rücktritt wäre aber ebenfalls keine übertriebene Reaktion....

Solange sich dem Problem krimineller Ausländer nicht von der Politik aus angenommen wird, werden die Braunen immer eine Bühne für Ihre Propaganda haben. Leider ist es wirklich so, wenn man sich unter Jugendlichen umhört, das eine Verängstigung vor prügelnden ausländischen Jugendbanden besteht und ein Großteil damit bereits Erfahrungen sammeln konnte. Deshalb sollte man dieses unangenehme Thema nicht Todschweigen oder harmlos reden, sondern offensiv damit umgehen um den rechten den wind aus den Segeln zunehmen und dieses Problem auf demokratische Weise anzugehen.



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