Oberst erhebt schwere Vorwürfe gegen den ersten Vorsitzenden
VON ROLAND THÖRING
Verl. Wann er geht, bestimmt er selbst, hat Antonius Schulte stets gesagt, wenn sich kritische Stimmen gegen seine Amtsführung erhoben. Möglicherweise wird dem 1. Vorsitzenden des Bürgerschützenvereins Verl-Bornholte-Sende jetzt aber das Heft des Handelns aus der Hand genommen. Die Generalversammlung wird sich am 20. März mit einem Antrag befassen, der die Abberufung Schultes fordert.
Gestellt hat diesen Antrag kein Geringerer als der Oberst der Bürgerschützen, Markus Mettenborg. Der 36-Jährige fährt in seiner Begründung schweres Geschütz auf. Das Ansehen des Vereins sei in den vergangenen Monaten über die Grenzen Verls hinaus stark gesunken, schreibt der Oberst und kritisiert, wie der Vorsitzende damit umgeht: Das Problem werde von Schulte "nicht erkannt oder aber von ihm lächerlich gemacht und heruntergespielt". Mettenborg spricht dem ersten Bürgerschützen die Fähigkeit ab, "den Verein ordentlich und zukunftsorientiert zu führen" und zwar "wegen mangelnder Sozialkompetenz und inakzeptablen Verhaltensweisen".
Sogar gegen Vereinssatzung verstoßen
Geschäftsführer Jörg Brüggemann wirft dem Vorsitzenden vor, mitunter sogar gegen die Vereinssatzung zu verstoßen. Schulte treffe selbstherrlich Entscheidungen, lasse keine anderen Meinungen zu, unternehme selbst bei Vertragsangelegenheiten mit Festwirten, Musikkapellen und Schaustellern Alleingänge. Jüngstes Beispiel: der Sektempfang beim Winterball am Samstag. Mit Rücksicht auf die Vereinsfinanzen, die dieses Fest ohnedies arg belaste, wollten die meisten Vorstandsmitglieder darauf verzichten – Schulte entschied, der Sektempfang fand statt.
Zu den Vorwürfen wollte Antonius Schulte am Montag auf Nachfrage keine Stellung beziehen. Er werde zum passenden Zeitpunkt eine Presseerklärung abgeben, kündigte er an. Ob er der Abwahl zuvorkommen und noch vor der Generalversammlung sein Amt niederlegen werde, sei noch nicht entschieden. "Ich halte mir alles offen."
Die schöne Fassade der heilen Schützenfamilie hat nicht erst Risse bekommen, seit im Sommer die Farbe des Kleides einer Throndame zum öffentlich sichtbaren Zerwürfnis zwischen der damaligen Schützenkönigin und dem seinerzeitigen Jungschützenregenten führte. Da erschien Königin Ulla Trendelberend in Begleitung eines Bodyguards beim Schützenfest, und der Nachwuchsregent, mittlerweile mit königlichem Hausverbot belegt, fuhr mit seiner Kutsche beim Festumzug mit auffälligem Sicherheitsabstand hinterher, statt sich an zweiter Stelle hinter der Regentin einzureihen, wie es Tradition ist. "Da haben wir uns vollends lächerlich gemacht", sorgt sich ein Vereinsmitglied um die "katastrophale Außenwirkung" dieser Episode.
Eskalation im Thronstreit
Antonius Schulte war bereits auf der das Schützenfest vorbereitenden Versammlung auf das Problem angesprochen worden, hatte es aber nicht gelöst – was einen der Kompanieführer nach der Eskalation des Streits am Thron beim Schützenfest zu der Aussage veranlasste, der 1. Vorsitzende sei "nicht mehr tragbar".Denn ansonsten bewies der oberste Bürgerschütze durchaus interne Durchsetzungskraft. Und so hat Oberst Markus Mettenborg ("Da sich kein anderer traut, den Antrag auf Abberufung zu stellen, tue ich es eben") für den 20. März auch eine geheime Abstimmung über seinen Antrag gefordert. "Damit alle Vereinsmitglieder ihre Meinung frei vertreten können, ohne mit persönlichen Nachteilen rechnen zu müssen."
Schon 2002, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, kam es zum ersten öffentlichen Eklat, als Antonius Schulte verhinderte, dass ein Antrag des damaligen Oberst und Mettenborg-Vorgängers Klaus Hillenkötter auf der Tagesordnung der Generalversammlung landete. Hillenkötter hatte damals gefordert, den vier Personen umfassenden geschäftsführenden Vorstand um das Amt des Oberst zu erweitern, um Patt-Situationen bei Abstimmungen zu verhindern. Laut Satzung zählt in einem solchen Fall das Votum des 1. Vorsitzenden doppelt. Oder, wie es ein Vorstand des rund 800 Mitglieder zählenden Vereins hinter vorgehaltener Hand ausdrückt: "Der kann tun und machen, was er will, wenn er nur einen aus dem Gremium bequatscht mitzustimmen." Die Generalversammlung behandelte den Antrag zwar damals dennoch, eine Mehrheit für die Satzungsänderung gab es aber nicht, und Hillenkötter trat vom Amt des Oberst zurück. Seither gilt das Verhältnis des ehemaligen Oberst und des 1. Vorsitzenden als problematisch.
Versammlung am 20. März hat es in sich
Hillenkötter hat übrigens zur Generalversammlung am 20. März ebenfalls einen Antrag gestellt: Er möchte von Antonius Schulte eine Erklärung, warum dieser seiner Frau Beate Hillenkötter im vergangenen Sommer eine beantragte Beförderung verweigert hat. Sollte dieser Antrag wie der von 2002 nicht auf der Tagesordnung landen, werde er den Rechtsweg gehen, schreibt Klaus Hillenkötter.
Hingegen hat ein anderer Antrag bereits den Weg auf die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung gefunden: der auf Abwahl von Markus Mettenborg, begründet damit, der Oberst sei seinen Aufgaben nicht nachgekommen. Antragsteller: Antonius Schulte.
Eine Provinzposse vom Allerfeinsten. Als wäre die Mitgliedschaft in einem Schützenverein nicht schon peinlich genug müssen sich die Möchtegern-Adligen jetzt auch noch medial lächerlich machen.
kassandra schrieb am 10.02.2010 08:32 Uhr
Widerlich schmierige Provinzposse. Haben die keine anderen Sorgen in Verl ? Die sollen sich lieber Gedanken ums Waffenrecht machen !
Klaus H. schrieb am 10.02.2010 08:16 Uhr
@anpetau; Ich glaube, mit deinem Kommentar stellst Du klar, dass Du überhaupt keine Ahnung über Schützenwesen und den Stellenwert der Schützenvereine in der Gesellschaft hast. Bestimmt bist Du einer, der bei jedem Schützenfest als Erster an der Theke steht und die Schützen bei einem Bier belächelt. Du solltest vielleicht mal in einem Verein (aber nicht Schützenverein) eintreten und Vereinsabeit und Verantwortung übernehme, dann würdest Du so einen Schwachsinn nicht schreiben.
unglaublich schrieb am 09.02.2010 21:55 Uhr
Jetzt brauch die Verler Landbevölkerung schon einen Bodyguard .....
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